Das Wallis ist flächenmässig der drittgrösste Kanton der Schweiz und Heimat der mächtigsten und höchsten Bergmassive der Alpen. Dazu kommen ein reiches kulturelles Erbe und kulinarische Köstlichkeiten – und ein etwas eigenwilliger Dialekt. In diesem Blogbeitrag stelle ich euch den Kanton im Südwesten der Schweiz etwas genauer vor.

Das Wallis ist ein Bergkanton, der sich über eine Fläche von 5224 km2 erstreckt und in 13 Bezirke aufgeteilt ist. Die Sterne auf dem Kantonswappen symbolisieren diese Bezirke. Die Amtssprachen im Wallis sind Deutsch und Französisch, die Hauptstadt ist Sitten (franz. Sion). Im westlichen Teil des Kantons, dem Unterwallis, wird Französisch gesprochen. Im restlichen Teil, dem Oberwallis, Deutsch.

Karte der Schweiz mit eingezeichnetem Kanton Wallis

Das Walliserdeutsch hat seinen Ursprung in der höchstalemannischen Dialektgruppe und ist nicht nur für Touristen aus dem Ausland, sondern auch für viele deutschsprachige Schweizerinnen und Schweizer nur schwer zu verstehen. Den Wallisern ist das aber recht, denn sie gelten hierzulande sowieso als etwas eigenbrötlerisch. So bezeichnen sie beispielsweise alles ausserhalb ihres Kantons gerne als «Üsserschwiiz», also Ausser-Schweiz. Aber wir mögen sie trotzdem … 😉

Hohe Berge im UNESCO-Welterbe

Nicht zuletzt mögen wir sie wegen ihrer hohen Berge. Die meisten der insgesamt 48 Viertausender der Schweiz stehen nämlich im Kanton Wallis, 22 davon sind komplett auf Schweizer Staatsgebiet, 16 stehen auf der Grenze zwischen dem Wallis und Italien. Zu den bekanntesten Viertausendern im Wallis gehören neben der Dufourspitze (4634 m & höchster Berg der Schweiz) auch der Dom (4545 m), das Weisshorn (4506 m) oder das weltbekannte Matterhorn (4478 m).

Die schneebedeckte Dufourspitze im Kanton Wallis
Der höchste Berg der Schweiz: die Dufourspitze

Im Wallis gibt es auch eine Vielzahl an imposanten Gletschern. Der bekannteste ist sicherlich der Aletschgletscher, der mit seinen 20 Kilometern der längste Gletscher der Alpen ist. Das Gebiet Swiss Alps Jungfrau-Aletsch wurde 2001 zum ersten alpinen UNESCO-Welterbe gekürt und steht für die Naturschönheit der Alpen.

Der Aletschgletscher im Wallis
Der Aletschgletscher, der längste Gletscher der Alpen

Dank seiner Lage gilt das Wallis (noch) als relativ schneesicher, denn die meisten Wintersportorte liegen auf 1500 m ü. M. und höher. Neun Wintersportorte (Arolla, Blatten/Belalp, Crans-Montana, Lauchernalp/Lötschental, Saas-Fee, Saas Grund, Val d’Anniviers, les 4 Vallées et Zermatt) reichen mit ihren Skigebieten bis auf 3000 m ü.M. und das Skigebiet von Zermatt sogar bis auf 3900 m.

Mildes Klima in den Tälern

Das Wallis gilt aber nicht nur als schneesicher, sondern verspricht seinen Gästen je nach Region auch über 2000 Sonnenstunden pro Jahr. Das sind etwa gleich viel wie im Tessin, der offiziellen «Sonnenstube der Schweiz».

Grund für das angenehme Klima sind die Berner und die Walliser Alpen, die das dazwischen liegende Walliser Rhonetal mit seinen vielen kleinen Nebentälern vor den Feuchtigkeitsmassen aus dem Norden und Süden grösstenteils wie Barrieren schützen. Die Wolken regnen beim Aufstieg vor diesen Schranken aus und der verbleibende Wind gelangt danach als trockener, warmer Föhn ins Wallis, der für ein mediterranes Klima sorgt.

Unzählige Wanderwege und Hütten

Mit so vielen Sonnenstunden ist es kein Wunder, gilt das Wallis auch als Paradies für Naturliebhaber. Mit über 8000 Kilometer markierten Wanderwegen findet hier jede und jeder seinen Weg: auf hohe Gipfel, durch herrlich duftende Lärchenwälder und Naturpärke, entlang von Suonen, auf historischen Routen oder über Hängebrücken und Weinpfade. Das Wallis bietet ein weites Erkundungsfeld für sportliche und gemütliche Wanderer, zählt einige hindernisfreie Wege und trumpft mit originellen Erlebnispfaden, auf denen du Fauna und Flora hautnah erleben kannst.

Interview: Ursula Sass aus Hamburg über ihre Wanderferien im Wallis

Zudem gibt es 144 Berghütten im Kanton Wallis – von der kleinen Hütte bis zur ultramodernen Unterkunft wie der Monte-Rosa-Hütte oder der Cabane de Tracuit ist alles dabei. Die meisten Hütten liegen in Höhenlagen zwischen rund 1500 und 3500 m ü. M. Noch etwas höher, nämlich auf der Signalkuppe auf 4556 m ü. M. steht mit der Capanna Regina Margherita bzw. Margerithahütte die höchst gelegene Hütte der Alpen. Zwar steht sie auf italienischem Staatsgebiet, aber da die Signalkuppe noch zu den Walliser Alpen gehört, gehört auch die Hütte ein bisschen den Wallisern.

Bergrettung im Kanton Wallis

Kommst du in der Schweiz in Bergnot (was ich natürlich nicht hoffe), hilft dir mit ziemlicher Sicherheit die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega – ausser im Wallis. Dort wird die Rettung von der Air Zermatt und der Air Glaciers organisiert und durchgeführt. Die Air Zermatt betreut das Oberwallis (allgemeine Notrufnummer 144) und die Air-Glaciers das Unterwallis (Notrufnummer 1415). Mehr über die Schweizer Luft- und Bergretter erfährst du hier.

Ein Rettungshelikopter der Air Zermatt

Typische Tiere im Wallis

Dank seiner vielfältigen Natur leben rund 4000 Tierarten im Wallis. Zu den bekanntesten zählen neben den Eringerkühen und Schwarzhalsziegen sicher auch die Bernhardinerhunde und Schwarznasenschafe, die im Volksmund wegen ihrer imposanten Hörner auch «Ghornuti» genannt werden, was «Gehörnte» bedeutet.

Ein Schwarznasenschaf
Schwarznasenschaf mit mächtigen Hörnern

Ganz ohne Hörner kommt der Bernhardiner aus. Er besticht vor allem mit seinen Qualitäten als Lawinenhund – dazu kommen Charakterzüge wie Grossmut, Treue und Aufopferung.

Seit Ende des 17. Jahrhunderts züchten die Augustiner-Mönche auf dem Grossen Sankt Bernhard die gleichnamigen Hunde, die den ganzen Sommer über besichtigt werden können. Auch Wanderungen in Begleitung von Bernhardinern sind möglich. Der berühmteste Bernhardinerhund, der sagenumworbene Barry, soll über vierzig Menschen das Leben gerettet haben. Dass Barry und seine Kollegen bei Lawinenrettungen ein Fässchen mit Branntwein für die Geretteten um den Hals tragen, ist übrigens ein Mythos. Auf Werbefotos werden die Hunde aber immer noch gerne so dargestellt.

Berhnardiner mit Schnapsfläschen um den Hals vor dem Matterhon im Kanton Wallis
Alpenkitsch: Ein Bernhardiner mit Schnapsfässchen

Wer hat das Racclete erfunden?

Das Wallis besticht nicht nur mit seiner traumhaft schönen Natur, sondern auch mit fabelhaften Weinen und teils weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Speisen. Dazu gehört auch das Racclette – neben Fondue eines der Lieblingsgerichte von Herr und Frau Schweizer.

Ein mit Gas betriebener Racletteofen im Wallis
Ein traditionelles Walliser Raclette

Der Überlieferung nach soll es bereits vor über 400 Jahren «erfunden» worden sein, und zwar von einem Walliser Winzer namens Léon. An einem kalten Tag soll er ein Stück Käse über dem offenen Holzfeuer erwärmt und den geschmolzenen Käse genossen haben. In anderen Geschichten waren es Hirten auf dem Feld. Erste schriftliche Hinweise finden sich 1812. In seiner Beschreibung des Departements Simplon erwähnt damals ein gewisser Dr. H. Schiner eine Tradition im Val d‘Anniviers wonach üppige Festmahle mit Bratkäse (fromage rôti) begonnen und beendet werden.

Ein im Ausland etwas weniger bekanntes Gericht – es dürfte vermutlich auch am Namen liegen – ist die «Walliser Cholera». Was ungesund klingt, ist in Tat und Wahrheit aber etwas sehr leckeres: ein Kuchen aus Kartoffeln, Äpfeln und Walliser Bergkäse.

Ein angeschnittener Cholera-Kuchen aus dem Wallis
Walliser Cholera (Bild: valais.ch)

Ein Rezept für eine originale Walliser Cholera findest du hier.

Ebenfalls bekannt ist das Wallis neben Käse für sein herrliches Roggenbrot, saftige Aprikosen, frischen Spargel, edlen Safran, Speck und Trockenfleisch.

Kulturelle Schätze im Wallis

Nach Flora, Fauna und Kulinarik wenden wir und zum Schluss der Kultur zu, genauer gesagt der Architektur. Auch davon hat der Bergkanton Wallis nämlich einiges zu bieten. Dazu gehören neben Sion mit dem Schloss Tourbillon und Brig mit dem Stockalperschloss auch die traditionellen Dörfer mit ihren charakteristischen Walserhäusern. Der Verein «Les plus beaux villages de Suisse» hat bereits einige Walliser Dörfer zu den «schönsten Dörfern der Schweiz» erkoren – unter anderem das charmante Dorf Albinen am Fusse der Gemmi, das «Postkartendorf» Évolène im Val d’Hérens, Simplon Dorf, Binn oder Grimentz, wo man sich ins Wallis des letzten Jahrhunderts zurückversetzt fühlt.

Blick auf das Dorf Grimentz im Kanton Wallis
Malerischer Blick auf Grimentz

Regenwetter-Tipp

Auch wenn der Kanton Wallis mit über 2000 Sonnenstunden pro Jahr aufwarten kann, regnet es dort natürlich auch hin und wieder. Für solche Tage habe ich für euch einen spannenden Tipp: ein Besuch im World Nature Forum (WNF). Das Forum ist quasi das Base Camp des UNESCO-Welterbes Swiss Alps Jungfrau-Aletsch und bietet Besuchern die Möglichkeit, die einmalige hochalpine Natur-, Kultur- und Gletscherlandschaft mit allen Sinnen zu erleben.

Panoramakino im WNF auf einer 5 x 20m grossen Leinwand

Zu finden ist das World Nature Forum, das 2019 im Rahmen des European Museum of the Year Award mit dem Preis für Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde, in Naters.


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2 Kommentare zu „Ein Blick ins Herz der Alpen: Das wunderbare Wallis

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