Vom Grimsel über die Furka zum Gotthard: Vier Kantone in drei Tagen (T2)

Ausgangspunkt dieser Weitwanderung ist das Grimsel Hospiz unterhalb des gleichnamigen Passes, der die Kantone Bern und Wallis verbindet. Pro Tag sind rund 1000 Höhenmeter zu überwinden, was mit Gepäck für mehrere Tage ziemlich in die Beine geht. Belohnt wird man für die Anstrengung aber mit vielen grossartigen Panoramen. Auf der gesamten Wanderung gibt es, mit einer Ausnahme, unterwegs keine Einkehrmöglichkeiten. Es empfiehlt sich daher, auf jeder Etappe genügend Proviant und Getränke mitzunehmen. Wem die Getränke doch einmal ausgehen sollten, der kann seine Flaschen an einer der vielen Quellen wieder nachfüllen, an denen man auf der gesamten Strecke immer wieder vorbeikommt. 

Etappe 1: Vom Grimsel Hospiz (Bern) nach Gletsch (Wallis)

Vom Grimsel Hospiz führt der Weg zuerst ein paar hundert Meter die Passstrasse hinauf, bevor man in einer Linkskurve rechts auf einen Bergweg Richtung Chessisturen (2167 m) abzweigt. Vor uns eröffnet sich dabei der Blick auf den Unter- und Oberaargletscher. Weiter geht es Richtung Bergaus Oberaar. Bei Punkt 2356, kurz vor dem Berghaus, zweigt der Weg links ab und führt am Triebtenseewli vorbei Richtung Sidelhorn (2764 m). Hier hat man bereits den höchsten Punkt dieser Etappe erreicht. Wer noch höher hinaus möchte, kann in rund 30 Minuten auf das Sidelhorn steigen (T3). Danach geht es durch die Triebtenseelicke (2639 m) erst steil hinunter zum Nassbode (2166 m) und von dort über langgezogene Serpentinen nach Bärfel zum Hotel Rhonequelle (1569 m). Hier bietet sich die erste und gleichzeitig beste Gelegenheit für die Übernachtung. Wir hatten leider den Fehler gemacht, gleichentags noch bis nach Gletsch aufzusteigen, um im Belle-Epoque-Hotel Glacier du Rhone zu übernachten. Der Weg dorthin führt zuerst auf die andere Seite der Rhone und dann dem Hang entlang hinauf nach Gletsch (1757 m).

Das Hotel Glacier du Rhone wird im Internet wesentlich schöner und vor allem sauberer angepriesen, als es in Wirklichkeit ist. Zwar ist das Haus an sich noch relativ schön, doch leider hat offenbar seit der Belle Epoque niemand mehr die Zimmer gelüftet. Entsprechend modrig riecht es deshalb auch. Und dieser Geruch verschwindet leider auch nach einer Nacht mit offenen Fenstern nicht aus den Wänden und Teppichen.

Etappe 2: Von Gletsch (Wallis) nach Realp (Uri)

Am nächsten Morgen entschieden wir uns, den ersten Teil der Wanderung mit dem Postauto abzukürzen. Der Rest dieser Etappe über den Furkapas bzw. die Stotzigen Firsten (2732 m) wird noch anstrengend genug. Das Postauto muss allerdings einen Tag im Voraus reserviert werden, was man uns im Hotel aber leider nicht mitgeteilt hat. Wir hatten aber Glück und eine kleine Reisegruppe, die sich ebenfalls ins Glacier du Rhone verirrt hatte, hatte einen Bus reserviert, der uns bis zum Fusse des Rhonegletschers bzw. der Haltestelle Hotel Belvédère brachte.

Etwas nach dem Belvédère führt der Wanderweg hoch Richtung Gletscher und zweigt dann rechts ab über Gallen zum Furkapass (2429 m), der die Kantone Wallis und Uri verbindet. Von hier aus führt entweder ein leichter Talweg entlang der Furkareuss nach Realp oder ein anstrengender Bergweg über die Stotzigen Firsten. Wir entscheiden uns für die anstrengende Variante und wurden dafür mit traumhaften Ausblicken belohnt. Nach etwas über der Hälfte des Aufstiegs, oberhalb von Punkt 2550, liegen drei kleine Seen, in deren Umgebung man wunderbar Rast machen kann. Das empfiehlt sich auch, denn der Schlussaufstieg über Stotzigen Firsten wird nochmals ziemlich steil. Hat man den höchsten Punkt erreicht führt der Weg über die schier unendlichen Weiden von Lägenden Firsten (2542 m) und Deieren hinunter nach Realp (1538 m). In Realp hatten wir dann wesentlich mehr Glück mit unserer Unterkunft. Das Hotel des Alpes ist ein gutbürgerlicher Familienbetrieb, der Gastfreundschaft auch wirklich lebt. Die Preise sind fair, die Zimmer sauber und hell, dass Essen sehr gut und die Leute äusserst zuvorkommend und freundlich.

Etappe 3: Von Realp (Uri) auf den Gotthard-Pass (Tessin)

Auch die letzte Etappe dieser Passwanderung geht nochmals ziemlich in die Beine. Hinter dem SBB Bahnhof überquert man in östlicher Richtung die Furkareuss und steigt sehr steil über teils relativ schlechte Wege hoch über die Bonegg zur Giltnasen (2173 m). Dort halten wir uns rechts und gehen weiter Richtung Gatscholalücke. Da die Wegmarkierungen in dieser Gegend stellenweise schlecht zu finden sind, orientiert man sich am besten am Gipfelkreuz, das man auf einer Anhöhe auf der linken Seite sieht. Der eigentliche Weg würde nun unterhalb dieses Kreuzes in südlicher Richtung weiterführen. Wer aber etwas Zeit sparen möchte, steigt direkt zum Gipfelkreuz hoch und geht von dort aus links an einer Alp vorbei über eine kleine Krete. Danach sind auch die Wegmarkierungen wieder besser sichtbar. Allerdings braucht es die nun nicht mehr wirklich, da die Gatscholalücke und damit die Richtung wieder gut zu erkennen ist. Die Gatscholalücke ist mit 2528 m gleichzeitig der höchste Punkt der Wanderung und der Übergang vom Kanton Uri in den Kanton Tessin.

Nach der Gatscholalücke gelangt man entweder Richtung Passo di Lucendro entlang dem gleichnamigen See zum Gotthardpass oder entlang der Laghi d’Orsirora und dem Lago d’Orsino. Beide Wege sind etwa gleich lang. Wir haben uns für die zweite Variante mit den vielen kleinen Seen entschieden. Oben auf dem Pass tummeln sich viele Tages- und Turnschuh-Touristen, was die Wanderung durch die Abgeschiedenheit der südlichen Alpen etwas abrupt enden lässt. Da wir keine Lust auf diesen Rummel hatten und bereits alle Schlafgelegenheiten im Hospiz und dem Albergo auf dem Gotthard vergeben waren, fuhren wir mit dem Postauto hinunter nach Airolo und von dort aus wieder zurück nach Realp.


In meinem Bergwelt-Blog findet man sowohl Wegbeschreibungen und dazugehörige Links als auch Informationen zu Restaurants, Hotels, Hütten sowie zu Tourismus- und Kletterregionen. Solche Angaben können sich natürlich immer mal wieder ändern oder veralten. Damit Nachwanderer und -kletterer immer auf dem aktuellsten Wissensstand sind, bitte ich um eure aktive Mithilfe. Aktualisierungen, Erfahrungen und/oder eigene Wandertipps könnt ihr auf bergwelt.wordpress@bluewin.ch hinterlassen.

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