Ich habe in diesem Blog ja schon des Öfteren erwähnt, dass ich den Alpstein quasi vor meiner Haustüre habe und entsprechend oft dort unterwegs bin. Und da a) der Bergsommer naht und b) mein Haus-Wandergebirge offensichtlich auch bei vielen Bergbegeisterten aus Deutschland und Österreich immer beliebter wird, möchte ich euch den Alpstein einmal etwas näher vorstellen. Damit ihr wisst, was euch erwartet, bei eurem Besuch im nordöstlichsten Teil der Schweizer Voralpen.

Blick vom Hohen Kasten auf den Alpstein.

Lage

Der Alpstein liegt in der Ostschweiz. Er ist eine Untergruppe der Appenzeller Alpen und gehört zu den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen. Die drei Kantone treffen auf dem höchsten Gipfel des Alpsteins, dem Säntis, zusammen. Fährt man mit der Luftseilbahn auf den Säntis, besteigt man diese in Ausserrhoden, sitzt man auf dem Gipfel im Restaurant, befindet man sich in St. Gallen. Und wer noch einen Abstecher ins Restaurant Alter Säntis macht, ein paar Meter unterhalb des Gipfels, der ist im Kanton Appenzell Innerrhoden.

Geologie

Anders als die überwiegend aus Granit bestehenden Zentralalpen, ist der Alpstein ein Kalksteinmassiv. Es ist mit zahlreichen Höhlen, Rissen und Dolinen durchsetzt. Das lediglich 28 Kilometer lange und im Mittel 10 Kilometer breite Alpsteinmassiv ist oft sehr steil und die Täler sind tief eingeschnitten. Die drei Hauptgrate verlaufen fast parallel zueinander von Südwest nach Nordost. Nur der Lisengrat, die Verbindung zwischen dem Säntis und dem Altmann, verläuft quer zu den zwei Hauptgraten.

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Der Alpstein besteht vor allem aus Kalkstein.

Wetter

Aufgrund seiner exponierten Lage am Alpennordrand sind die Wetterverhältnisse im Alpstein zeitweise wechselhaft und unbeständig. Aufgrund der alpinen und steinigen Natur entstehen oftmals Wetterlagen die hochalpinen Charakter haben. Entsprechend ausgerüstet sollte man vor allem im Frühjahr und im Herbst deshalb auch sein, für eine Tour im Alpstein.

Die höchsten Berge

Mit 2501,9 m ist der Säntis der höchste und vermutlich auch bekannteste Berg des Alpsteinmassivs. Zweithöchster Berg ist der Altmann (2435 m), gefolgt vom Wildhauser Schafberg mit 2373 m. Von diesen drei kann nur der Säntisgipfel auch mit der Schwebebahn erreicht werden. Weitere markante Erhebungen sind die Stauberenkanzel (1860 m), der Hohe Kasten (1794 m) und die Ebenalp (1640 m), die alle drei mit Luftseilbahnen erschlossen sind. Im Vergleich zu anderen Gebirgszügen in der Schweiz ist der Alpstein fast schon ein Zwerg. Durch seine spezielle Voralpenlage (der Bodensee mit seinen 400 Höhenmetern ist nur ca. 30 km Luftlinie entfernt) wirkt er allerdings sehr mächtig.

Die Nordwand des Alpsteins mit dem Säntis. (Bild: Säntis Schwebebahn)

Wandern & Klettern

Die Wanderwege im Alpstein sind gut unterhalten und markiert bzw. ausgeschildert. Heikle Stellen in T2-T4-Touren sind mit Drahtseilen gesichert. Es stehen Routen von T2/3 bis T5/6 zur Auswahl. Zu den beliebtesten Wanderwegen gehören natürlich die, die auf den Säntis führen:

Kurz und knackig

1. Schwägalp – Musfallen – Tierwis – Himmelsleiter – Säntis (T2/3)

2. Schwägalp – Nasenlöcher – Öhrlisattel – Himmelsleiter – Säntis (T4/5, Nasenlöcher II/UIAA-Skala)

3. Schwägalp – Chammhalde – Girenspitz – Säntis (T5/6, Girenspitz II/UIAA-Skala)

Länger, dafür etwas leichter

4. Wasserauen – Schrennenweg – Meglisalp – Rotsteinpass – Lisengrat – Säntis (T2, ab Rotsteinpass und Lisengrat T3+)

5. Wasserauen – Seealpsee – Rossmad – Wagenlücke – Gross Schnee – Säntis (T3)

6. Wasserauen – Ebenalp – Schäfler – Lötzlialpsattel – Öhrligrueb – Himmelsleiter – Säntis (T3)

7. Wildhaus – Wildhuser Schafberg – Altmannsattel – Rotsteinpass – Lisengrat – Säntis (T3/3+)

8. Wildhaus – Zwinglipasshütte – Altmannsattel – Rotsteinpass – Lisengrat – Säntis (T3/3+)

Im Alpstein kann man auch klettern – und zwar vom 3. Schwierigkeitsgrad (franz. Skala) bis zu 8b. Die 8b-Mehrseillängenroute Parzival an der westlichen Dreifaltigkeit gilt als härteste Route im Alpstein und wurde im Juli 2017 erstmals rotpunkt begangen. Oft und gerne bestiegen werden die Kreuzberge, der Hundstein und die Freiheit sowie die Widderalpstöcke. Beliebt sind auch die Klettergärten bzw. -gebiete bei der Meglisalp, beim Berggasthaus Bollenwees und der Ebenalp.

Unterkunft und Verpflegung

Man sagt, dass man im Alpstein weder verhungern, noch verdursten kann, bei der Menge an Berggasthäusern. Wer sich im Alpstein verpflegen möchte, kann zwischen nicht weniger als 15 verschiedenen Berggasthäusern wählen (die im Tal nicht mitgerechnet). Vier davon können direkt mit einer Luftseilbahn erreicht werden (Säntis, Stauberenkanzel, Ebenalp). Die meisten Alpstein-Gasthäuser bieten typische Berggasthaus-Küche. Speziell gut finde ich persönlich das Berggasthaus Meglisalp. Die Küche dort ist wirklich sensationell und geht weit über die Qualität von normalen Berggasthäusern hinaus. 2015 kam das Berggasthaus Aescher-Wildkirchli zu weltweiter Bekanntheit, nachdem ein Bild vom Gasthaus in den Sozialen Medien kursierte, danach tausendfach von Stars und Medien weiterverbreitet wurde und schliesslich zu einem der «schönsten Orte der Welt» gekürt wurde. Seit dieser Zeit ist der Andrang auf den Aescher zeitweise entsprechend gross.

Hier findet ihr eine interaktive Karte mit allen Alpstein-Restaurants inkl. der Öffnungszeiten.

Speziell ist auch der Whisky-Trek, auf dem in 25 Berggasthäusern hauseigene Whiskys degustiert (und gekauft) werden können. Der Trek ist übrigens nicht in einem Tag machbar – und das liegt nicht nur am Alkohohl, sondern vor allem an der Distanz zwischen den Berggasthäusern.

Das Bergrestaurant Aescher Wildkirchli.

Flora und Fauna

Je nach Jahreszeit und Lage ist die Flora des Alpsteins einzigartig schön und üppig. Über 300 alpine Pflanzenarten sind im Alpstein beheimatet. Der Alpstein ist aber nicht nur für Botaniker, Wanderer, Bergsteiger und Kletterer ein kleines Paradies, sondern auch für Tierfans. Zu sehen gibt es mit etwas Glück u.a. Steinböcke, Steinadler, Gämsen, Murmeltiere, Rothirsche und natürlich jede Menge Dohlen.

Wasser

Das zerklüftete Gelände des Alpsteins lässt leider viel Wasser abfliessen, was zu Wassermangel führt. Viele Hütten und Alpen müssen diesen Umstand mit dem Auffangen von Regenwasser kompensieren. In den Tälern haben sich im Laufe der Zeit allerdings drei Bergseen gebildet: der Seealpsee, der Sämtisersee und der Fälensee. Weder der Sämtiser- noch der Fälensee haben einen oberirdischen Abfluss. Ihr Wasser fliesst unterirdisch durch den südöstlich vorgelagerten Gebirgskamm in den Rhein.

Der Seealpsee.

Funfact

Wer heute mit dem ÖV in den Alpstein reist, kommt meistens entweder auf der Schwägalp oder in Wasserauen an. Von der Schwägalp aus kommt man auch mit der Luftseilbahn auf den Säntis, ab Wasserauen geht das nur zu Fuss. 1878 gab es allerdings ehrgeizige Pläne für eine Bahnlinie, die von Wasserauen auf den Säntis führen sollte, mit Zwischenhalten auf der Seealp und der Meglisalp. Die Idee der «Säntis-Bahn» wurde später aber beerdigt, weil der Bau der Luftseilbahn von der Schwägalp auf den Säntisgipfel einfacher realisierbar erschien. Vom Projekt «Säntis-Bahn» sind nur noch ein paar alte Bahnwagen übrig geblieben, die am Bahnhof Wasserauen zu sehen sind.

Wagen der einst geplanten Säntis-Bahn. (Bild: Markus Giger)

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