In den Bergen gehören starke Gewitter in den Sommermonaten zu den grössten Gefahren. Neben Kälte und Nässe und den damit verbundenen Risiken wie Unterkühlung oder Ausrutschgefahr bringen Gewitter auch eine akute Blitzschlaggefahr mit sich.

Die gute Nachricht gleich vorweg: Die Chance, von einem Gewitter überrascht zu werden, lässt sich mit einer guten Tourenplanung und einer genauen Beobachtung der Wolkenbildung am Tourentag grösstenteils verhindern. Ein früher Aufbruch ist vor allem im Sommer ein klarer Vorteil. Vor jeder Bergtour solltest du dich möglichst zeitnah bei einem verlässlichen Wetterdienst über die tägliche Gewitterneigung informieren. Ist eine solche gegeben, planst du die Tour so, dass du rechtzeitig – idealerweise bis am Mittag – wieder zurück oder in einer Schutzhütte bist. Verzichte an instabilen Tagen auf lange Touren und solche mit Seilversicherungen an ausgesetzten Graten und mit exponierten Gipfeln.

Wetterentwicklung und Alarmzeichen beachten

Eine sorgfältige, den Verhältnissen angepasste Tourenplanung und eine genaue Beobachtung der Wolkenbildung am Tourentag sind essentiell. Allerdings gilt es dabei zu beachten, dass eine Wetterprognose eben nur aufzeigt, was sein könnte, ein Gewitter kann daher auch früher aufziehen als ursprünglich angenommen. Deshalb lohnt es sich immer, auch die Entwicklung der letzten Tage und besonders die Wetterentwicklung auf der Tour genau zu beobachten. Haben sich aufbauende Quellwolken von Tag zu Tag früher gebildet und gibt es am Tourentag schon in den Vormittagsstunden Haufenwolken, musst du bereits am frühen Nachmittag mit Gewittern rechnen.

Cumuluswolken vor einem Gewitter
Haufenwolken (auch Cumulus- oder Quellwolken).

Akute und eindeutige Alarmzeichen für ein nahendes Gewitter sind turmartig und ambossförmig aufgebaute Gewitterwolken, böig auffrischender Wind und elektrische Ladungen (Surren) in der Luft.

Als Faustregel gilt: Die ungefähre Entfernung zu einem Gewitter in Kilometer lässt sich berechnen, indem du die vergangenen Sekunden zwischen Blitz und Donner durch drei dividierst. Beispiel: Beträgt die Zeitspanne zwischen Blitz und Donner zehn Sekunden, ist das Gewitterzentrum nur noch etwa drei Kilometer entfernt. Allerhöchste Zeit, entsprechende Schutzmassnahmen zu ergreifen!

Was tun, wenn ein Gewitter in Anmarsch ist?

Richtige Touren- und Zeitplanung sowie rechtzeitiges Umkehren sind wesentlich, um nicht in ein Gewitter zu kommen. Wirst du dennoch einmal von einem Gewitter überrascht, kannst du deine Situation mithilfe einfacher, aber effektiver Verhaltensregeln verbessern:

  1. Verlass so schnell wie möglich ausgesetzte Grate und alleinstehende Erhebungen wie Gipfelkreuze und Felstürme.
  2. Entferne dich von Stahlseilen und such – falls möglich – grössere Felshöhlen zum Schutz auf, bleib der Felswand aber so gut es geht fern, mindestens 1,5 m.
  3. Setzt dich in Kauerstellung auf den Rucksack oder ein Seil, um eine mögliche Schrittspannung zu vermeiden, warte darauf, dass das Gewitter vorübergeht.
  4. Im absturzgefährdeten Gelände, z. B. am Klettersteig, bleibst du stets gesichert!
  5. Gegen Nässe und Auskühlung kannst du dich mit Biwaksack und Funktionsbekleidung schützen.

Gewitter sind oft mit Starkregen verbunden. In kurzer Zeit können in Felswänden gefährliche Sturzbäche entstehen und Steinschlag auslösen. Bei Starkregen besteht zudem die Gefahr, dass du schnell komplett durchnässt bist und stark auskühlst. Das ist vor allem in alpinen Kletterrouten und auf Klettersteigen ein Problem, wo du nicht schnell und nicht beliebig ausweichen kannst, was die Situation zusätzlich verschärft. Findest du einen trockenen Platz, ist es meist besser, das Gewitter dort auszusitzen als hektisch Richtung Ausstieg weiter zu klettern und dann ohne Schutz zu sein.

Gewitter-Typen: Front- und Wärmegewitter

Es gibt zwei verschiedene Gewittertypen: Das Frontgewitter, welches mit einer Kaltfront (und evtl. folgendem Wettersturz) auftritt. Solche Frontgewitter haben meist eine eindeutige Zugbahn und treten grossflächig auf. Ihr Auftreten ist nie überraschend und ihre Ankunftszeit kann meist gut vorhergesagt werden.

Wärmegewitter hingegen treten vor allem in den warmen Monaten und während Schönwetterperioden auf, wobei der Juli in der Regel der gewitterreichste Monat ist, gefolgt von August und Juni. Je wärmer, desto mehr Wasserdampf befindet sich in der Luft und umso leichter können sich Gewitter entwickeln; Wärmegewitter dürften also durch die Klimaerwärmung immer wahrscheinlicher werden. Typischerweise nimmt die Gewitterneigung während einer Schönwetterperiode von Tag zu Tag weiter zu.

Ambosswolke vor einem Gewitter
Eindeutiges Alarmzeichen: Ambosswolken.

Die Beobachtung der Wolkenbildung gibt Aufschluss über die Gewitterneigung: Wachsen anfangs kleine Haufen- bzw. Schönwetterwolken rasch zu immer grösser werdenden Quellwolken und schlussendlich zu Wolkentürmen (evtl. sogar mit Ambossbildung) aus, sind dies eindeutige Alarmzeichen. Im Gegensatz zu Frontgewittern treten Wärmegewitter meist am späten Nachmittag oder Abend sowie lokal begrenzt auf. Auch ist ein Wärmegewitter kein Indiz für eine nachhaltige Wetterverschlechterung.


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