Zuletzt aktualisiert am 06. September 2026 |
In den Bergen gehören starke Gewitter in den Sommermonaten zu den grössten Gefahren. Neben Kälte und Nässe und den damit verbundenen Risiken wie Unterkühlung oder Ausrutschgefahr bringen Gewitter auch eine akute Blitzschlaggefahr mit sich.
Die gute Nachricht gleich vorweg: Die Chance, von einem Gewitter überrascht zu werden, lässt sich mit einer guten Tourenplanung und einer genauen Beobachtung der Wolkenbildung am Tourentag minimieren. Ein früher Aufbruch ist vor allem im Sommer ein klarer Vorteil.
Vor jeder Bergtour solltest du dich möglichst zeitnah bei einem verlässlichen Wetterdienst über die tägliche Gewitterneigung informieren. Ist eine solche gegeben, planst du die Tour so, dass du rechtzeitig – idealerweise bis am Mittag – wieder zurück oder in einer Schutzhütte bist. Verzichte an instabilen Tagen auf lange Touren und solche mit Seilversicherungen an ausgesetzten Graten und mit exponierten Gipfeln.

Gewitter-Typen: Was droht am Berg?
Für Berggänger relevant sind vor allem drei Gewittertypen:
Frontgewitter entstehen im Zusammenhang mit Wetterfronten, meistens beim Durchzug einer Kaltfront. Dabei wird warme, feuchte und instabil geschichtete Luft angehoben, wodurch sich Gewitterwolken bilden können. Frontgewitter können auch bei Warmfronten auftreten. Mit einer Kaltfront sinkt die Temperatur oft spürbar, in den Bergen kann es selbst im Hochsommer zu Schneefall kommen.
Wärmegewitter treten vor allem an warmen Tagen auf, meist am Nachmittag oder Abend. Voraussetzung sind genügend Feuchtigkeit und eine instabile Luftschichtung. Durch die Sonneneinstrahlung erwärmte Luft steigt auf, kühlt dabei ab und kondensiert. Entwickeln sich daraus mächtige Quellwolken, können Gewitter entstehen. Ein Warnzeichen sind Haufenwolken, die rasch in die Höhe wachsen.
Orographische Gewitter werden durch das Gelände begünstigt. Berge können Luftmassen zum Aufsteigen zwingen, zudem sorgen Hang- und Talwinde dafür, dass erwärmte Luft in die Höhe gelangt. Ist die Luft ausreichend feucht und instabil geschichtet, kann diese Hebung die Bildung von Gewitterwolken auslösen.
Wetterentwicklung und Alarmzeichen beachten
Auch wenn Prognosen hilfreich sind, bleiben sie Wahrscheinlichkeiten. Ein Gewitter kann früher auftreten als angenommen. Achte deshalb auch auf die Entwicklung der letzten Tage: Bilden sich Quellwolken täglich früher und bereits am Vormittag, kann dies auf eine zunehmende Gewitterneigung hindeuten.

Die Beobachtung der Wolkenbildung gibt Hinweise auf die Gewitterentwicklung: Wachsen anfangs kleine Haufen- bzw. Schönwetterwolken rasch zu immer grösseren Quellwolken und schliesslich zu mächtigen Wolkentürmen, ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Bildet sich ein Amboss, hat sich bereits eine Gewitterwolke entwickelt.

Akute Warnsignale für ein Gewitter in der Nähe sind mächtige, teils ambossförmige Gewitterwolken, stark auffrischender Wind sowie Surren an Metallgegenständen oder zu Berge stehende Haare.
Was tun, wenn ein Gewitter in Anmarsch ist?
Richtige Touren- und Zeitplanung sowie rechtzeitiges Umkehren sind wesentlich, um nicht in ein Gewitter zu kommen. Wirst du dennoch einmal von einem Gewitter überrascht, kannst du deine Situation mithilfe einfacher, aber effektiver Verhaltensregeln verbessern:
Verlass so schnell wie möglich ausgesetzte Grate und alleinstehende Erhebungen wie Gipfelkreuze und Felstürme.
Entferne dich von Stahlseilen und suche – falls möglich – grössere Felshöhlen zum Schutz auf, bleib der Felswand aber so gut es geht fern, mindestens 1,5 m.
Setzt dich in Kauerstellung auf den Rucksack oder ein Seil, um eine mögliche Schrittspannung zu vermeiden, warte darauf, dass das Gewitter vorübergeht.
Bleib im absturzgefährdeten Gelände wie Klettersteigen stets gesichert.
Schütze dich gegen Auskühlung mit Biwaksack und Funktionsbekleidung.
Als Faustregel gilt: Die ungefähre Entfernung zu einem Gewitter in Kilometer lässt sich berechnen, indem du die vergangenen Sekunden zwischen Blitz und Donner durch drei dividierst. Beispiel: Beträgt die Zeitspanne zwischen Blitz und Donner zehn Sekunden, ist das Gewitterzentrum nur noch etwa drei Kilometer entfernt. Allerhöchste Zeit, entsprechende Schutzmassnahmen zu ergreifen!
Zusätzliche Gefahren durch Starkregen
Gewitter sind oft mit Starkregen verbunden. In kurzer Zeit können in Felswänden gefährliche Sturzbäche entstehen und Steinschlag auslösen. Bei Starkregen besteht zudem die Gefahr, dass du schnell komplett durchnässt bist und stark auskühlst. Das ist vor allem in alpinen Kletterrouten und auf Klettersteigen ein Problem, wo du nicht schnell und nicht beliebig ausweichen kannst, was die Situation zusätzlich verschärft. Findest du einen trockenen Platz, ist es meist besser, das Gewitter dort auszusitzen als hektisch Richtung Ausstieg weiter zu klettern und dann ohne Schutz zu sein.
Und wenn du ein Unwetter unbeschadet überstanden hast, belohnt dich der Himmel danach manchmal sogar mit einem eindrücklichen Schauspiel.



Vielen Dank für die Gewittertips im Gebirge
LG Bernhard
Gern geschehen!
Alpine Grüsse
Patrick