Zuletzt aktualisiert am 30. März 2026 |

Der Burgenweg im Domleschg ist eine lohnenswerte Frühlingswanderung durch das burgenreichste Tal Graubündens.

Burgen und Schlösser sind ein Indiz dafür, wie bedeutend eine Region im Mittelalter war. Das Domleschg (rätoromanisch Tumlestga), als Tor zu den Alpenübergängen Splügen, San Bernardino und Julier, war immer sehr wichtig, und deshalb findet man hier auf kleinstem Raum so viele Zeugen der Vergangenheit. Die vielseitige und abwechslungsreiche Kulturlandschaft wird neben Burgen, Ruinen und Schlössern vor allem von Hochstammobstgärten, Hecken und Trockenmauern geprägt.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Domleschg noch vorwiegend rätoromanisch gesprochen, danach erodierte die romanische Sprache weitgehend. Heute spricht man im Domleschg vorwiegend deutsch. Die Ortsnamen erinnern jedoch noch an die romanischsprachige Geschichte der Dörfer.

Die Route des Burgenwegs

Ausgangspunkt des rund 16 Kilometer langen und gut beschilderten Burgenwegs (Routen-Nr. 691) ist der Bahnhof Thusis. Dort folgt man dem Wegweiser Richtung Burg Ehrenfels.

Im Vergleich zum Rest der Wanderung ist der Einstieg etwas laut: Der Weg führt vom Bahnhof zuerst über einen Strassenkreisel, danach geht es entlang der Strasse weiter über den Hinterrhein und unter der Autobahnbrücke durch. Ab da wird es dann ruhig und landschaftlich schön.

Kurz nach der Autobahnbrücke steht man bereits vor der ersten Burg: Der Burg Ehrenfels, über deren Geschichte es nur wenig Überliefertes gibt. Der Turm stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die übrigen Gebäude entstanden wohl zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert. Heute wird die Burg als Jugendherberge genutzt.

Danach führt der Weg ein Stück durch lichten Wald, bevor man wieder auf offenes Gelände kommt. Nachdem man an der Kapelle Sant Cassian vorbei ist, erblickt man das Schloss Baldenstein. Auch die Anfänge dieser Burg lassen sich nicht genau zurückverfolgen, der Burgturm soll aus dem 12. Jahrhundert stammen. 1246 erscheint in den Urkunden mit Ebo de Baldenstein erstmals ein Herrschaftsinhaber.

Nun geht es weiter Richtung Albula, einem Quartier der Gemeinde Sils i. D. und danach in westlicher Richtung hinunter zum Fluss Albula, den man über eine kleine Brücke überquert. Kurz danach vereint sich die Albula mit dem Hinterrhein, dem man nun auf einem wunderschönen Flussweg bis zu einer Weggabelung kurz vor Fürstenau folgt. Links führt eine Brücke über den Rhein, rechts geht es leicht ansteigend hoch zum Ortseingang von Fürstenau, vor dem man bereits nach ein paar Minuten steht.

Fürstenau ist eine pittoreske kleine Ortschaft. Mit ihren 350 Einwohnern und dem Schloss Schauenstein gilt der 132 Hektar «grosse» Ort als kleinste Stadt der Welt, die auch im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung eingetragen ist.

Fürstenau ist aber nicht nur sehr schön – auch kulinarisch wird einiges geboten: Der bekannte Schweizer Spitzenkoch Andreas Caminada führt seit 2003 das Schloss Schauenstein als Restaurant und Hotel. 2010 wurde das Restaurant mit drei Sternen im Guide Michelin und 19 Punkten Gault-Millau ausgezeichnet. 2011 schaffte es das Schloss Schauenstein auf den 23. Platz der «S.Pellegrino World’s 50 Best Restaurants». Wir konnten die Qualität der Küche leider nicht persönlich testen, da das Schlossrestaurant an dem Tag, als wir dort waren, geschlossen war.

Weiter geht es auf dem Burgenweg nun wieder über offenes Gelände, entlang von Feldern und Wiesen bis Pratval, wo bereits die nächste Burg auftaucht – und zwar das Schloss Rietberg.

Wann das Schloss genau erbaut wurde, ist nicht bekannt. Der Turm als ältester Teil stammt wohl aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts; die gesamte Anlage wurde in mehreren Etappen während des 17. und 18. Jahrhunderts erweitert. In der warmen Jahreszeit ist das zweitoberste Turmgeschoss jeweils Lebensraum für ca. 350 Fledermäuse (Stand 2021) der Art Grosses Mausohr. Im Spätherbst verlassen die Fledermäuse den Turm und verbringen den Winter an einem unbekannten Ort.

Der Weg führt nun rechts am Schloss vorbei und über den kleinen Rietbach. Kurz danach erreicht man Punkt 732, biegt dort rechts ab und wandert entlang von Feldern und Wiesen – vorbei an der Burgruine Canova und dem Canovasee (Letg da Canova) über Paspels mit der Burgruine Alt Süns – bis nach Tomils, wo das mächtige Schloss Ortenstein über dem Dorf thront.

Auch über den Zeitpunkt der Erbauung von Schloss Ortenstein liegen keine gesicherten Unterlagen vor. Es wird angenommen, dass der Turm im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts auf bischöflichem Boden entstand. Ob der Bischof von Chur selbst den Bau veranlasste oder die Freiherren von Vaz die Anlage errichteten, ist ungewiss. Sicher ist nur: Die Vazer waren als bischöfliche Lehensträger Inhaber der Burg. Die früheste schriftliche Erwähnung stammt aus den Jahren 1309 und 1312, als Donat von Vaz, der letzte Vertreter seiner Linie, hier Urkunden ausstellte.

Besser dokumentiert ist hingegen die Herkunft des Namens: Er leitet sich ab vom alt- und mittelhochdeutschen Wort «Ort», das so viel bedeutet wie äusserster Punkt, Rand oder Spitze – und damit treffend die Lage des Schlosses am Rand eines steil zur Ebene des Hinterrheins abfallenden Plateaus beschreibt.

Die Schlussetappe des Burgenwegs Domleschg führt nun Richtung Rothenbrunnen, dem Zielort der Wanderung. Erst geht es nochmals entlang von Feldern und Wiesen, kurz vor Rothenbrunnen wird aus dem Feldweg dann ein befestigter Weg. Um zum Bahnhof zu gelangen, verlässt man Rothenbrunnen am nördlichen Ende und läuft hinunter zum Hinterrhein und überquert dort die Brücke über den Fluss. Ein paar Meter links von der Brücke befindet der Bahnhof von Rothenbrunnen.

  • Einkehr/Unterkunft: verschiedene Möglichkeiten entlang der Route
  • Gehzeit: rund 4,15 Stunden
  • Schwierigkeit: T1
  • Auf/Abstieg: 444 m / 520 m
  • Karte: 1:50’000 Wanderkarte 257 T Safiental
  • Beste Jahreszeit: Mai – Okt
Klick auf die Karte für mehr Details

Fazit

Der Burgenweg im Domleschg ist eine leichte, aber sehr schöne Wanderung – ideal für Frühlingstage, an denen in den Bergen noch zu viel Schnee liegt. Schatten ist auf dieser Tour allerdings Mangelware, weshalb Kopfbedeckung und Sonnencreme unbedingt ins Gepäck gehören. Wer bereits am Vorabend nach Thusis reist, dem empfehle ich eine Übernachtung im Bed & Breakfast Gyger. Das Haus punktet mit freundlichem, zuvorkommendem Personal, einer eigenen Bäckerei, feinem Essen sowie schönen, sauberen Zimmern zu vernünftigen Preisen.


BERGWELT ABONNIEREN

Kommentar verfassen