Zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2026 |
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Der Sentiero Cultura e Natura führt durch schattige Kastanienwälder, vorbei an Wasserfällen und Aussichtspunkten mit Blick ins weite Moesa-Tal – und tief hinein in die jahrtausendealte Geschichte der Region. Schon in der Bronzezeit war der San-Bernardino-Pass ein bedeutender Alpenübergang.
Das Misox (ital. Moesano) ist eine wichtige Verbindungsachse zwischen Nord und Süd. Der Name des Bergtals ist auf den Fluss Moesa zurückzuführen, der auf dem San-Bernardino-Pass auf 2065 m entspringt und in der Nähe der Gemeinde Arbedo-Castione, nach Überwinden eines Gefälles von 1800 Meter, in den Fluss Ticino einfliesst. Das Misox erstreckt sich vom tiefsten Punkt in San Vittore mit 260 m ü. M. bis zum höchsten Punkt, dem Pizzo Tambo auf 3270 m ü. M.
Die Region ist geprägt von schroffen Gipfeln, dichten Wäldern sowie pittoresken kleinen Ortschaften wie zum Beispiel Soazza (620 m), wo wir nach unserer Anreise im gleichnamigen Hotel übernachtet haben. Rund 320 Menschen leben in Soazza mit seinem wunderbar erhaltenen Dorfkern. Die grösste Attraktion des Ortes ist die Pfarrkirche San Martino, die gut sichtbar auf einem Felsvorsprung steht.

Angereist sind wir am Vorabend. Leider war bei unserer Ankunft das Wetter im Misox regnerisch, der Empfang im Garni-Hotel durch die Chefin persönlich dafür aber umso sonniger. Da wir die einzigen Gäste waren, kamen wir in den Genuss einer ausführlichen Hotelführung und konnten uns sogar das Zimmer aussuchen.
Die Freundlichkeit der Besitzerin ging sogar so weit, dass sie uns für das Abendessen mit ihrem Auto in eine Pizzeria im Nachbarort gefahren hat, weil in Soazza die beiden einzigen Gasthäuser just am selben Tag geschlossen haben. Und nach dem Essen hat sie uns auch wieder abgeholt. Mehr Gastfreundschaft geht wohl kaum.
Auf und ab durch dichte Wälder
Am nächsten Morgen waren die Regenwolken glücklicherweise verschwunden und nach einem überaus reichhaltigen Frühstück und einer sehr herzlichen Verabschiedung machten wir uns auf, den rund 11 Kilometer langen Sentiero Cultura e Natura zu erkunden.

Der mehrheitlich gut markierte Weg führt zuerst über das Trassee der alten Bahnlinie nach Mesocco. Die 1907 eröffnete Linie wurde 1972 für den Personenverkehr aufgehoben, 2003 auch für den Güterverkehr.

Nach einigen Minuten erblickt man bereits das erste kulturelle Highlight der Wanderung: die Ruinen des Castello di Mesocco, eine der grössten Burganlagen der Schweiz. Sie bildete zu Beginn des 13. Jahrhunderts bis 1526 das herrschaftliche Zentrum des Tals.

Zusammen mit der Kirche in Soazza sind das allerdings die einzigen kulturellen Höhepunkte, der Rest des Rundwegs besteht hauptsächlich aus Natur – und die war zum Zeitpunkt unserer Wanderung Anfang Juni noch sehr üppig. Stellenweise war der Weg so stark mit Farn und anderem Gebüsch überwachsen, dass es schwierig war, ihn zu erkennen.
Anschliessend geht es durch bewaldetes Gelände hinauf zum höchsten Punkt der Wanderung auf 1060 Meter, wo man den Wald erstmals wieder verlässt und eine herrliche Aussicht auf die umliegende Bergwelt geniessen kann.

Abkürzung mit mehr Aussicht
Danach führt der Weg wieder hinunter auf 689 Meter und man wandert oberhalb von Soazza einige Zeit weiter Richtung Westen, bevor der nächste moderate Anstieg beginnt.
Beim Weiler Poent auf etwa 896 m ü. M. zweigt der Sentiero Cultura e Natura rechts ab und man wird auf einen ziemlich steilen Waldweg oberhalb des Weilers zu Punkt 904 geführt. Die rund 1,5 Kilometer Weg sind landschaftlich eher unspektakulär und für ungeübte Wanderer meiner Ansicht nach auch nicht ganz unproblematisch. Vor allem, wenn der Weg, so wie bei uns, noch stellenweise nass und rutschig ist.
Ich empfehle deshalb, bei Poent dem weiss-rot-weiss markierten Weg zu folgen, über den man den Punkt 904 in gerade mal zwei Minuten erreicht – und dabei erst noch mehr Aussicht hat als im steilen Waldstück.
Auf den restlichen rund 2,5 Kilometern des Sentiero Cultura e Natura wandert man dann wieder durch Waldstücke, über aussichtsreiche Lichtungen und vorbei an alten Rustici zurück zum Ausgangspunkt nach Soazza.

- Einkehr/Unterkunft: Hotel Soazza & Romantik-Hotel Al Cacciatore.
- Gehzeit: rund 4,25 Stunden
- Schwierigkeit T2/T3
- Auf/Abstieg: 870 m / 870 m
- Karte: 1:50’000 Wanderkarte 267T San Bernardino
- Beste Jahreszeit: April – Nov
Achtung: Auf dem Wanderweg gibt es keine Einkehrmöglichkeiten und in Soazza auch keinen Laden. Ins Gepäck gehört daher zwingend auch genügend Flüssigkeit und Proviant.

Fazit
Der Sentiero Cultura e Natura ist ein Muss für Waldfreunde. Die alten Kastanien-, Eichen- und Nadelwälder sind traumhaft schön und spenden an heissen Tagen angenehm Schatten. Und zwischendurch kann man sich auch an kleinen Bächen erfrischen.
In lokalen Prospekten und auf einigen Webseiten wird die Wanderung als «Touristischer Weg» bezeichnet, der sich auch als «gemütliche Rundwanderung für Familien» eignet. Meiner Einschätzung nach richtet sich der Weg jedoch eher an Wanderer mit etwas Erfahrung. Trittsicherheit ist vor allem in den dicht bewachsenen Abschnitten hilfreich, da der Weg stellenweise entlang steil abfallendem Gelände verläuft.
Auch eine gewisse Orientierungssicherheit hilft, weil die weiss-rot-weissen Wegmarkierungen nicht immer sofort ins Auge fallen. An wichtigen Stellen erleichtern grüne Hinweisschilder die Orientierung.
Dieser Beitrag ist im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Graubünden Ferien entstanden. Der Inhalt und meine Meinung wurden dadurch nicht beeinflusst.







