Zuletzt aktualisiert am 15. Juni 2026 |

Der Alpstein gehört zu den beliebtesten Wandergebieten der Schweiz. Kein Wunder – auf engem Raum bietet das Massiv eine enorme Vielfalt: aussichtsreiche Gipfel, gut erschlossene Wege, Seen, Hütten, Alpinrouten und Kletterwände. Wer Berge mag, findet hier fast alles. Doch gerade weil der Alpstein so zugänglich wirkt, unterschätzen viele seine Tücken.

Seit dem Outdoor-Boom der vergangenen Jahre sind deutlich mehr Leute in den Schweizer Bergen unterwegs – auch im Alpstein. Darunter viele, die wenig Bergerfahrung haben. Und das merkt man oft auch auf den ersten Blick: Sportschuhe statt Wanderschuhe, unpassende Kleidung, keine Ahnung vom Gelände. Besonders beliebt sind im Alpstein die Ebenalp und das Gebiet um den Seealpsee – einfach erreichbar, fotogen und scheinbar ungefährlich. Doch der Schein trügt.

Alpstein Ebenalpbahn
Die Seilbahn auf die Ebenalp

Vom Ausflugsziel ins alpine Gelände

Mit der Seilbahn kommt man in wenigen Minuten einfach und bequem von Wasserauen auf die Ebenalp. Von dort führt ein gut gesicherter Weg hinunter zum bekannten Berggasthaus (und Social-Media-Hotspot) Aescher.

DAs Berggasthaus Aescher im Alpstein
Im Aescher herrscht oft ziemlicher Andrang

Bis hierhin ist alles mehr oder weniger harmlos. Doch wer weiter über Dürschrennen Richtung Seealpsee wandert, betritt alpines Gelände – und das birgt bekanntlich immer Risiken. Der Weg ist zwar gut gesichert, er führt aber durch steiles, stellenweise exponiertes Gelände.

Bergwanderweg im Alpstein vom Aescher zum Seealpsee
Der Weg vom Aescher zum Seealpsee ist oft ausgesetzt

Am Pfingstmontag 2025 stürzte eine 54-jährige Frau aus Österreich beim Abstieg im Bereich Dürrschrennen rund 70 Meter in die Tiefe – nur wenige Wochen nach der Totalsanierung des Weges. Neue Eisen, bessere Tritte, breitere Passagen: Alles war erst kürzlich instand gestellt worden. Und doch passierte das Unglück – an einer Stelle, die unspektakulär wirkt. Der Sturz geschah laut Polizei «absolut selbstständig» und die Frau war offenbar auch gut ausgerüstet.

Die Frau ist leider kein Einzelfall. Der Abschnitt zwischen Aescher und Seealpsee gilt als unfallträchtig. In den letzten Jahren forderte er zahlreiche Todesopfer:

Anfang Juni 2021: Zwei Wanderer – ein 46-jähriger Mann und eine 57-jährige Frau – stürzen innerhalb weniger Tage in der Nähe des Aeschers tödlich ab.

26. Juni 2022: Eine 75-jährige Frau aus dem Kanton Bern verliert auf dem Aescherweg ihr Leben.

18. Juli 2022: Eine 66-jährige Deutsche stürzt im Abschnitt Dürrschrennen etwa 80 Meter in die Tiefe. Nur eine Stunde später kommt ein 58-jähriger Mann aus dem Kanton Bern am selben Ort ums Leben.

1. August 2022: Auf der Parallelstrecke in Richtung Altenalp verunglücken eine 31-jährige Mutter aus dem Kanton Thurgau und ihre 5-jährige Tochter tödlich.

9. Juni 2025: Das jüngste Unglück am Pfingstmontag. Eine 54-jährige Österreicherin stürzt im Bereich Dürrschrennen ab.

Nach der Unfallserie 2022 reagierten die Behörden. Sie stellten mehrsprachige Warntafeln mit klaren Symbolen auf. Doch auch die können Unfälle leider nicht komplett verhindern.

Hinweisschild auf alpine Gefahren im Alpstein
Ein neues Warnschild beim Aescher

Abstieg als unterschätzte Gefahr

Fast alle tödlichen Unfälle geschahen beim Abstieg. Das ist damit erklärbar, dass man beim Aufstieg meist gegen den Hang fällt – beim Abstieg im schlechtesten Fall in die Tiefe. Besonders im steilen, bewaldeten Mittelteil wird der Weg bei Nässe schnell rutschig. Für geübte Berggänger ist der Abschnitt vom Aescher über Dürschrennen und Kobel zum Seealpsee gut machbar. Aber wer mit Turnschuhen auf die Ebenalp gondelt und spontan runterläuft, ohne die Steilheit und Exponiertheit des Geländes einschätzen zu können, bringt sich unnötig in Gefahr. Insbesondere, wenn dazu auch noch die alpine Erfahrung fehlt.

Der beliebte Wanderweg vom Aescher zum Seealpsee

Planung statt Bauchgefühl

Der Alpstein ist kein Hochgebirge, aber er ist oft steil und hat stellenweise hochalpinen Charakter. Wer hier wandert, sollte sich ehrlich fragen: Reicht meine Kondition? Bin ich trittsicher? Schwindelfrei? Wer merkt, dass er auf einer Tour überfordert ist, darf – und soll – umkehren. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Vernunft.

Auch die Planung spielt eine wichtige Rolle. Eine Umfrage von Bergwelt hat gezeigt: Die meisten Leserinnen und Leser informieren sich auf Outdoor-Webseiten und Blogs. Mit ein Grund dafür ist, dass in Blogs meist klar ist, wer hinter den Texten steht. Auf grossen Tourenportalen weiss man das oft nicht. In persönlichen Blogs ist die Quelle nachvollziehbarer.

Fazit: Ist der Alpstein gefährlich?

Der Alpstein ist nicht gefährlicher als andere alpine Regionen. Aber er wird oft unterschätzt. Die steilen Hänge, der stellenweise hochalpine Charakter und die grosse Beliebtheit machen ihn zu einem Gelände, das Aufmerksamkeit und Respekt verlangt. Wer gut vorbereitet ist, eine passende Route wählt und die eigenen Grenzen kennt, kann hier wunderbare Touren erleben. Und trotzdem: Auch mit Erfahrung kann immer etwas passieren. Denn manchmal reicht ein kleiner Moment und man hat einfach Pech.

Umfrage: Reagieren oder ignorieren?

Was machst du, wenn du in den Bergen offensichtlich überforderten oder schlecht ausgerüsteten Wanderern begegnest? Sprichst du sie an – oder schaust du weg? Schreib deine Meinung in die Kommentare.


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Ein Kommentar zu „Ist der Alpstein gefährlich?

  1. Ich gehe seit meiner Kindheit in die Berge und habe schon als Bub ab sieben Jahren mit meinem Vater sehr viele Touren in den Österreichischen/Schweizer und Italienischen Alpen unternommen. Hier nur ein paar als Auszug genannt: Heilbronner Weg/Mädelegabel, Sellaüberquerung mit Besteigung des Boe, Sassongher bei Corvara, Widderstein, Schesaplana, Sulzfluh, Marmolada, Piz Buin, Dreiländer Spitze, Säntis, Alpstein etc.. In der Schweiz war ich selten. Viele Touren habe ich nun auch mit meiner Frau und stellenweise auch meiner Tochter wieder gemacht. Wir sind immer gut ausgestattet und mit Bergtauglicher Ausrüstung unterwegs. Leider habe ich oft festgestellt dass Sich Touristen mit oder ohne Kindern nicht entsprechend ausgerüstet ins Gebirge wagen und somit Sich und andere gefährden. Diese Menschen dann bei Hinweisen auf die unangemessene Ausrüstung stellenweise dann auch noch entsprechend uneinsichtig und böse reagieren wundert es mich nicht das durch diese Amateure soviel Unfälle in den Bergen passieren. Allerdings gibt es auch positive Erfahrungen wo Bergtouristen nach Hinweisen auf Ihre nicht bergtaugliche Bekleidung auf dem begangenem Weg umgedreht haben und den Abstieg oder die Seilbahn/Sesselbahn zurück ins Tal genommen haben.

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