Zuletzt aktualisiert am 20. März 2026 |

Wenn eine Lawine abgeht, zählt jede Sekunde. Im hydrologischen Jahr 2025/26 kamen in der Schweiz gemäss SLF bislang 13 Personen durch Lawinen ums Leben, zudem wurden in der laufenden Wintersaison bereits über 100 Lawinenunfälle registriert (Stand 20.2.26). Wer im Schnee unterwegs ist, sollte wissen, welche Lawinenarten es gibt und wie man im Ernstfall richtig reagiert.

Lawinen gehören im Winter in den Alpen zu den grössten objektiven Gefahren und treten in sehr unterschiedlichen Formen auf – von trockenen Schneebrettlawinen bis zu Nassschneelawinen im Frühjahr. Wer im winterlichen Gelände unterwegs ist, sollte diese Unterschiede kennen, denn Auslösemechanismus, Dynamik und Gefahrenpotenzial variieren je nach Lawinentyp deutlich. Genau dieses Verständnis bildet die Grundlage dafür, Situationen richtig einzuschätzen und angemessen zu reagieren.

Lawinenarten kurz erklärt

Schneebrettlawinen entstehen, wenn eine gebundene Schneeschicht auf einer Schwachschicht liegt und durch Zusatzlast bricht. Der Bruch breitet sich rasch aus, das Schneebrett gleitet ab. Schneebretter treten ab etwa 30 Grad Hangneigung auf, auch lange nach Schneefall, spontan oder durch Fernauslösung. Sie verursachen über 90 Prozent der Lawinentoten und können schon in kleiner Grösse tödlich sein.

Lockerschneelawinen lösen sich punktförmig, breiten sich hangabwärts aus und reissen Schnee mit. Sie entstehen meist während oder kurz nach Schneefall oder bei starker Erwärmung. Im trockenen Schnee braucht es meist über 40 Grad Hangneigung; bei nassem Schnee können sie gross werden. Schneesportler werden selten verschüttet, da die Lawine unter ihnen abgleitet.

Gleitschneelawinen haben wie Schneebrettlawinen einen linien­förmigen Anriss; hier gleitet jedoch die gesamte Schneedecke auf einem glatten Untergrund ab. Sie lassen sich nicht durch Wintersportler auslösen und gehen in der Regel spontan ab. Gleitschneelawinen sind vor allem im Bereich von Verkehrs­wegen ein Problem; für Wintersportanlagen oder Touren sind sie seltener eine primäre Gefahr. Risse («Fischmäuler») können das Gleiten ankündigen, doch der genaue Abgang bleibt unberechenbar.

Staublawinen entstehen meist aus Schneebrettlawinen, wenn Schnee mit Luft vermischt wird und eine Staubwolke bildet. Sie können bis zu 300 km/h erreichen und grosse Schäden anrichten, meist bei grosser oder sehr grosser Lawinengefahr.

Nassschneelawinen lösen sich oft im Frühling bei Regen oder starker Erwärmung, spontan als Schneebrett oder Lockerschneelawine. Ursache von Nassschneelawinen ist flüssiges Wasser in der Schneedecke, das Bindungen schwächt, besonders bei ausgeprägten Korngrössenunterschieden und instabilem Schneedeckenaufbau.

Richtig handeln, wenn du selbst erfasst wirst

Verschüttete Person im Schnee mit Atemraum
  • Versuche, seitlich aus der Lawine zu fahren oder zu laufen, und lass deine Stöcke los.
  • Aktiviere vorhandene Schutzausrüstung (Airbag).
  • Solange der Schnee fliesst: Versuche, dich an der Oberfläche zu halten.
  • Kurz bevor der Schnee stoppt: Forme mit den Händen einen Hohlraum vor Mund und Nase, um die Atmung zu erleichtern.

Richtig handeln, wenn du Zeuge wirst

  • Beobachte den Lawinenabgang genau und merke dir den Punkt, an dem Personen verschwinden.
  • Achte auf deine eigene Sicherheit.
  • Verschaffe dir einen Überblick.
  • Alarmiere die Rettungskräfte: 1414 oder Rega-App.
  • Beginne sofort mit der Suche. Wer zuerst sucht, rettet: Die meisten Überlebenden werden durch Kameraden gefunden, nicht durch Rettungsdienste.

Wichtige Zusatzinfos für die Tourenplanung

Pflichtausrüstung im freien Gelände: LVS, Schaufel, Sonde. Ohne diese Ausrüstung ist eine rasche Rettung kaum möglich.

Lawinenbulletin kennen: Das offizielle Bulletin kommt von MeteoSchweiz bzw. vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Es zeigt täglich die Gefahrenstufe (1 bis 5) und enthält regionale Einschätzungen und Problemzonen.

Überlebenszeit: Die Überlebenschance verschütteter Personen ist in den ersten 15 Minuten am höchsten. Danach sinkt sie rapide. Jede Minute zählt.

Fazit

Gute Planung, passende Ausrüstung und das richtige Verhalten entscheiden im Notfall über Leben und Tod. Snowboard, Ski oder Schneeschuhe machen keinen Unterschied: Wer abseits gesicherter Pisten unterwegs ist, trägt Verantwortung – für sich und für andere.


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