Zuletzt aktualisiert am 25. August 2026 |
Der Klimawandel verändert den Bergsport in der Schweiz spürbar. Gletscher schwinden, Permafrost taut auf, Fels wird instabiler und extreme Wetterereignisse nehmen zu. Der Hitzesommer 2026 führt erneut vor Augen, wie schnell sich die Bedingungen in den Bergen verändern können. Was bedeutet das für Wanderer und Bergsteiger?
Besonders deutlich zeigte sich das in der zweiten Junihälfte 2026. Die Schweiz erlebte eine Hitzewelle von historischem Ausmass. Vom 19. bis 28. Juni wurden unter anderem in Zürich und Davos die höchsten über zehn Tage gemittelten Tagesmaxima seit Messbeginn registriert. Der Juni lag schweizweit 3,5 Grad über der Norm 1991–2020 und war damit der drittwärmste seit Messbeginn 1864.
Die Erwärmung in der Schweiz beschränkt sich längst nicht auf einzelne Hitzesommer. Seit vorindustrieller Zeit ist die mittlere Temperatur bis Ende 2024 um 2,9 Grad gestiegen. Die vergangenen Jahrzehnte zeigen zudem eine Beschleunigung der Erwärmung.

Auch der Permafrost taut auf
Eine wichtige Rolle für die Stabilität des Hochgebirges spielt der Permafrost. Dabei handelt es sich um Untergrund, dessen Temperatur während mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren nie über null Grad steigt. In der Schweiz kommt Permafrost auf schätzungsweise 3 bis 6 Prozent der Landesfläche vor. Oberhalb von 2500 Metern sind es etwa 25 bis 50 Prozent der Fläche.
Wo Permafrost vorkommt, hängt allerdings nicht allein von der Höhe ab. Entscheidend sind unter anderem die Hangexposition, die winterliche Schneedecke sowie die Beschaffenheit von Oberfläche und Untergrund. Besonders kalter Permafrost findet sich in nordexponierten Felswänden in sehr hohen Lagen.
Steigende Temperaturen verändern diesen dauerhaft gefrorenen Untergrund. Im Sommer taut jeweils die oberste Schicht auf, während der darunterliegende Boden gefroren bleibt. Mit der Klimaerwärmung wird diese Auftauschicht jedoch mächtiger und der Permafrost erwärmt sich.
Das kann Folgen für die Stabilität von Fels und Schutt haben. Schmilzt Eis im Untergrund, können sich Felsmassen lösen oder Hänge instabil werden. Das Schweizer Permafrostmessnetz PERMOS beobachtet die Entwicklung derzeit an 27 Standorten zwischen 2200 und 3500 Metern in den Schweizer Alpen. Dazu gehören Blockgletscher, Schutthalden, Felswände und Felsgrate. An 15 Standorten werden die Temperaturen zudem in insgesamt 30 Bohrlöchern gemessen.
Ereignisse werden extremer
Für den Bergsport bedeutet der Klimawandel nicht nur höhere Temperaturen. Auch alpine Naturgefahren verändern sich. Intensivere Starkniederschläge können Murgänge und Hangrutschungen auslösen und Wanderwege beschädigen oder unpassierbar machen. Gleichzeitig kann auftauender Permafrost die Stabilität von Felswänden beeinträchtigen.
Insbesondere Sturzprozesse wie Steinschlag oder Felsstürze betreffen alpines und hochalpines Gelände. «Sturzprozesse treten spontan auf und sind kaum vorhersagbar», sagt Alexander Bast, wissenschaftlicher Mitarbeiter am SLF.
Für Berggänger bedeutet das, dass sich die Verhältnisse auch auf bekannten Routen verändern können. Schäden an Wegen und Sicherungsanlagen erhöhen zudem den Aufwand für Kontrolle und Unterhalt. Im schlechtesten Fall müssen Wege oder Routen gesperrt oder verlegt werden.
Hitze erreicht höhere Lagen
Die zunehmende Hitzebelastung betrifft nicht nur die Täler. Sie dehnt sich auch im Alpenraum auf Höhenlagen aus, die bisher kaum betroffen waren. Gleichzeitig werden intensivere und längere Hitzeperioden erwartet.
Für Bergsportler hat das unmittelbare Folgen. Bei hohen Temperaturen können sich die Verhältnisse im Tagesverlauf stärker verändern. Das betrifft beispielsweise Steinschlag- und Eisschlagzonen sowie Gletscher und Gletscherbäche. Touren, die früher während eines grösseren Zeitfensters möglich waren, können deshalb eine frühere Startzeit erfordern. Auch die Wahl der Route muss stärker an die aktuellen Verhältnisse angepasst werden.
Auch Berghütten spüren den Klimawandel
Steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsverhältnisse stellen auch Berghütten vor Probleme. Schnee und Eis, die bisher als Wasserspeicher dienten, verschwinden früher. Quellen können weniger Wasser führen oder zeitweise versiegen. Damit kann auf hoch gelegenen Hütten gerade während trockener Sommer das Wasser knapp werden.
Wie konkret das werden kann, zeigte der Hitzesommer 2026. Ende Juli meldete der Schweizer Alpen-Club Wassermangel auf verschiedenen SAC-Hütten. Teilweise wurden Spültoiletten und Waschräume geschlossen und weitere Sparmassnahmen eingeführt. Besonders drastisch war die Situation im August auf der Salbithütte im Göscheneralptal. Nachdem die Quelle oberhalb der Hütte ausgetrocknet war, musste die Hütte vorübergehend schliessen. Rund 300 Gästen wurde abgesagt. Schliesslich wurden 5000 Liter Wasser per Helikopter zur Hütte geflogen.

Doch fehlendes Wasser ist nicht die einzige Herausforderung. Gemäss einer Studie des SAC könnte künftig mehr als ein Drittel der SAC-Hütten durch tauenden Permafrost instabil werden. 42 Hütten sind zudem potenziell durch Sturzprozesse aus Permafrostgebieten gefährdet. Bei 29 Hütten, in deren Einzugsgebiet zu Beginn dieses Jahrhunderts noch Gletscher lagen, dürften diese bereits bis 2030 verschwunden sein.
Gleichzeitig erschweren Veränderungen im Gelände teilweise die Zustiege. Bei der Planurahütte im Kanton Glarus musste bereits ein neuer Weg eingerichtet werden, weil sich der Gletscher stark zurückgezogen hat. Der Klimawandel betrifft damit nicht nur die eigentliche Tour, sondern zunehmend auch die Infrastruktur, auf die Bergsportler angewiesen sind.
Was die Forschung für die Zukunft erwartet
Bereits 2019 untersuchten Forscher des SLF im Projekt «Sicher Wandern 2040» gemeinsam mit den Schwyzer Wanderwegen und den Schweizer Wanderwegen, was der Klimawandel für das Bergwandern und das Wanderwegnetz bedeutet. Die 2020 veröffentlichte Synthese zeigte unter anderem Auswirkungen durch trockenere Sommer, Starkniederschläge, mehr Hitzetage und schneearme Winter.
Inzwischen hat sich die wissenschaftliche Grundlage weiter verdichtet. Ein 2025 veröffentlichtes gemeinsames Positionspapier von Fachleuten aus 14 wissenschaftlichen Einrichtungen kommt zum Schluss, dass sich die Jahresmitteltemperatur im Alpenraum und in den Mittelgebirgen bis Ende des Jahrhunderts um mindestens weitere zwei Grad erhöhen dürfte, sofern keine zusätzlichen tiefgreifenden Massnahmen zur Emissionsreduktion umgesetzt werden.
Für das Wanderwegwesen und den Bergsport zeichnen sich damit unter anderem folgende Entwicklungen ab:
- Trockenere und heissere Sommer: stärkere Hitzebelastung auch in höheren Lagen, zunehmender Nutzungsdruck in kühleren Bergregionen und mögliche Auswirkungen auf Wege und Wasserversorgung.
- Stärkere Starkniederschläge: mehr Erosion sowie erhöhte Gefahr von Murgängen und Hangrutschungen.
- Auftauender Permafrost: Veränderungen der Stabilität von Fels und Schutt in hochalpinen Gebieten.
- Mildere Übergangsjahreszeiten: Die Bergsportsaison kann im Frühling früher beginnen und im Herbst länger dauern, wodurch Wege und Infrastruktur über einen längeren Zeitraum genutzt werden.
- Weniger Schnee: In mittleren Lagen fällt Niederschlag häufiger als Regen statt als Schnee; die Dauer der Schneebedeckung nimmt ab.
Fazit
Der Klimawandel verändert die Gefahren im Gebirge und damit die Anforderungen an die Tourenplanung. Informationen in Karten und Tourenführern können durch Veränderungen im Gelände schneller veralten. Vor einer Tour sollte deshalb geprüft werden, ob Wege und Routen begehbar sind, ob Sperrungen bestehen und welche aktuellen Verhältnisse vor Ort herrschen.
Auch Wetter und Tageszeit gewinnen an Bedeutung. Bei grosser Hitze können sich die Bedingungen im Hochgebirge im Tagesverlauf deutlich verändern. Eine Route, die am frühen Morgen noch problemlos begehbar ist, kann später beispielsweise stärker durch Stein- oder Eisschlag gefährdet sein. Auch Bäche können durch Schmelzwasser im Tagesverlauf anschwellen.
Eine sorgfältige Tourenplanung sollte deshalb nicht nur Strecke, Schwierigkeit und Wetter berücksichtigen, sondern auch die aktuellen Verhältnisse, mögliche Gefahrenstellen und Alternativrouten. Das gemeinsame Positionspapier der Klima- und Bergsportforscher empfiehlt für Outdooraktivitäten im Sommerhalbjahr ausdrücklich eine sorgfältigere Vorbereitung sowie das Beachten aktueller Wettervorhersagen und Wetterwarnungen.
Und auch unterwegs gilt mehr denn je: Verhältnisse beobachten und bereit sein, eine geplante Tour anzupassen oder abzubrechen.
Quellen: MeteoSchweiz; PERMOS und WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF; Schweizer Alpen-Club SAC, «SAC-Hütten 2050»; Schweizer Wanderwege und SLF, «Sicher Wandern 2040»; Expertenforum Klima.Sport.Schnee, «Perspektiven des Winter- und Bergsports im Zeichen globalen Klimawandels», 2025.

