Zuletzt aktualisiert am 27. November 2025 |

Bis 1932 war der Eiger bereits von fast allen Seiten bestiegen worden, nur die Nordwand hatte noch niemand geschafft. Sie galt als «unbezwingbare Mordwand», die bis 1938 bereits neun Bergsteigern das Leben kostete. Das «Alpine Journal» schrieb damals über die Eiger-Nordwand:

«Die Wand ist eine Bessesenheit für Geistiggestörte fast aller Länder.»

– Alpine Journal 1938

1936 erliess die Berner Regierung sogar ein kurzzeitig gültiges Besteigungsverbot und im Jahr darauf entband sie die lokalen Bergführer ausdrücklich von der Pflicht, verunglückte Alpinisten aus der Nordwand zu retten. Der Beschluss verfehlte allerdings seine abschreckende Wirkung und das Wettrennen am Eiger ging weiter.

Dann, am Nachmittag des 24. Juli 1938 durchstiegen die Österreicher Fritz Kasparek und Heinrich Harrer und die beiden Deutschen Andreas Heckmair und Ludwig «Wiggerl» Vörg als erste Menschen die 1650 Meter hohe Eiger-Nordwand.

1. Lage & Höhe der Eiger-Nordwand

Die Eiger-Nordwand, die eigentlich die Nordwestwand ist, ist Teil des 3967 Meter hohen Eigers und liegt südwestlich von Grindelwald im Berner Oberland. Die Wandhöhe beträgt 1650 Meter, die Kletterstrecke der Heckmair-Route rund 4000 Meter. Somit ist sie eine der längsten und anstrengendsten Kletterrouten der Alpen. Insgesamt führen über 30 Routen durch die Eiger-Nordwand.

Am Fusse der Nordseite des Eigers verläuft die Grenze des UNESCO-Weltkulturerbes Jungfrau-Aletsch-Bietschorn.

2. Die beste Jahreszeit

Die Eiger-Nordwand kann grundsätzlich sowohl im Sommer als auch im Winter geklettert werden. Die Monate Juni, Juli bis Mitte September sind aber meist zu heiss und es gibt viel Steinschlag.

3. Schwierigkeit Heckmair-Route

Fels: AS, Firn und Gletscher: ab VI (UIAA)

Die eingezeichnete Heckmair-Route in der Eiger-Nordwand mit den Schlüsselstellen
Die Heckmair-Route mit den Schlüsselstellen

4. Die bekanntesten Stellen in der Heckmair-Route

  • Schwieriger Riss: Enge Passage nach etwa einer Stunde, gilt als erste Schlüsselstelle
  • Hinterstoisser-Quergang: Eine mit Fixseilen gesicherte, 30 Meter breite Felsplatte. Benannt nach Andreas Hinterstoisser, dem Erstbegeher der Platte, der dort einen Seilzug-Quergang legte. Hinterstoisser verunfallte beim Versuch der Erstbesteigung der Eiger Nordwand tödlich.
  • Schwalbennest: Beliebter Biwakplatz nach dem ersten Viertel der Kletterstrecke. Gilt auch als Rettungsort bei Steinschlag.
  • Erstes Eisfeld: An dieser Stelle verlor der erfahrene Bergsteiger Toni Kurz 1936 sein Leben, als er zusammen mit Andreas Hinterstoisser die Erstbegehung wagte. Kurz verstarb, nachdem er eine eiskalte Nacht lang im Seil hing. Grund: Ein Knoten im Rettungsseil passte nicht durch den Karabiner.
  • Todesbiwak: Das Biwak trägt seinen Namen seit 1935. Max Sedlmayer und Karl Mehringer, zwei erfahrene Kletterer aus München, wurden hier zuletzt lebend gesichtet.
  • Die Spinne: Ein etwa 300 Meter langer und steiler Eisschild, der durch das ständige Abgehen von Schnee und Eis dem Aussehen einer Spinne ähnelt.

Im Juli 2022 ist ein Teil des Eises am Eiger, darunter die Spinne, als Folge des Klimawandels geschmolzen.

Screenshot eines Tweets mit Fotos der Spinne in der Eiger-Nordwand. Zu sehen ist die Spinne einmal mit dem Eisfeld und einmal ohne.

5. Der schnellste Durchstieg

Seit November 2015 liegt der Rekord über die Heckmair-Route bei 2 Stunden, 22 Minuten und 50 Sekunden, bis heute gehalten von dem Schweizer Extrembergsteiger Ueli Steck (†). Die Erstbegeher benötigten dafür über drei Tage.

6. Der erste Alleingang

1963 vom Walliser Michel Darbellay (†) in 18 Stunden.

7. Das erste Wintersolo

1978 brauchte der Japaner Tsuneo Hasegawa (†) sechs Tage dafür.

8. Der älteste Bergsteiger

Mit 74 Jahren bezwang der Österreicher Peter Habeler 2017 als bislang ältester Bergsteiger die Eiger-Nordwand. Begleitet wurde er vom 47 Jahre jüngeren Sportkletterer David Lama (†).

Peter Habeler und der mitterweile verstorbene David Lama in der Eiger-Nordwand
Peter Habeler (l.) und David Lama

9. Die erste Frau

Die estnisch-deutsche Bergsteigerin Daisy Voog durchquerte die Eiger-Nordwand am 4. September 1964 auf der Heckmair-Route als erste Frau mit ihrem Begleiter Werner Bittner.

10. Die erste Frau im Winter

Die Französin Catherine Destivelle erklomm die Nordwand im Winter 1992 alleine in 17 Stunden.

11. Tödliche Unfälle in der Eiger-Nordwand

Bislang sind 70 Menschen beim Versuch die Eiger-Nordwand zu erklimmen ums Leben gekommen. Der Eiger gehört somit zu den 11 tödlichsten Bergen der Welt.

Was wurde aus den Erstbegehern?

Heinrich Harrer wurde weltberühmt durch seine sieben Jahre in Tibet während des Zweiten Weltkriegs. 1939 nahm er an einer deutschen Expedition zum Nanga Parbat teil, wurde aber bei Beginn des Krieges in Britisch-Indien interniert. Nach seiner Flucht aus dem Internierungslager 1944 erreichte er Tibet, wo er eine enge Freundschaft mit dem Dalai Lama pflegte. Seine NS-Vergangenheit, die er über Jahrzehnte hinweg verschwieg, wurde später kritisch beleuchtet. Harrer verstarb im Alter von 93 Jahren in Kärnten.

Anders als Harrer hatte sich Andreas Heckmair um Distanz zu den Nazis bemüht. Er blieb ein Leben lang eine zentrale Figur im Alpinismus, wurde als Held vom Eiger verehrt und inspirierte Generationen von Bergsteigern. Heckmair starb 2005 im hohen Alter von 98 Jahren.

Ludwig Vörg fiel 1941 als Gefreiter der Wehrmacht im Russland-Feldzug.

Fritz Kasparek hatte sich nach der Bezwingung der Eiger-Nordwand der Waffen-SS angeschlossen und kämpfte in Frankreich und Russland. Einige Jahre nach dem Krieg stürzte er bei einer Expedition in den Anden zu Tode.


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