Zuletzt aktualisiert am 20. März 2026 |

Am 21. März 2025 wurde zum ersten Mal der internationale Tag der Gletscher gefeiert. Kaum eine Landschaft prägt die Schweizer Alpen so sehr wie ihre Gletscher. Doch diese eisigen Riesen schmelzen rasant dahin. Ein Blick auf die bedeutendsten Gletscher der Schweiz – und ihre ungewisse Zukunft.

Die Schweiz gilt als das Wasserschloss Europas, und ihre Gletscher spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie speichern riesige Mengen an Wasser und formen seit Jahrtausenden die Landschaft. Seit rund 170 Jahren ziehen sich die Gletscher zurück – eine Entwicklung, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten massiv beschleunigt hat.

Über 1400 Gletscher – ein bedrohtes Naturerbe

Die Schweiz beherbergt gemäss dem Gletschermessnetz GLAMOS rund 1400 Gletscher, die eine Fläche von etwa 961 Quadratkilometern bedecken. Bereits über 1000 kleinere Gletscher sind seit 1850 vollständig verschwunden – und dieser Trend setzt sich Jahr für Jahr fort.

Diese beeindruckenden Eismassen sind nicht nur landschaftsprägend, sondern auch essenziell für das ökologische Gleichgewicht und die Wasserversorgung des Landes. Als natürliche Wasserspeicher sorgen sie für gleichmässigen Sommerabfluss – zum Beispiel stammen bis zu 30 % des Sommerwassers der Rhone in Genf aus Gletscherschmelze. Doch viele dieser Gletscher könnten in den kommenden Jahrzehnten verschwinden.

Die bekanntesten Gletscher der Schweiz

Wenn von Schweizer Gletschern die Rede ist, führt kein Weg am Grossen Aletschgletscher vorbei. Mit einer Länge von rund 20 Kilometern und einer Fläche von über 78 Quadratkilometern ist er der grösste Gletscher der Alpen. Sein Ursprung liegt im Gebiet des Jungfraujochs, von wo aus er sich in Richtung Wallis erstreckt.

Der Aletschgletscher
Der Aletschgletscher

Ebenfalls sehr bekannt ist der Rhonegletscher, der sich auch im Kanton Wallis befindet und die Rhone speist. Hier kann man besonders gut sehen, wie stark sich das Eis zurückzieht – denn der Gletscher verliert jedes Jahr an Länge. Einst reichte er bis zum Furkapass, heute ist nur noch ein Bruchteil davon übrig – und der Gletschersee wird dafür immer grösser.

Der Rhonegletscher
Der Rhonegletscher

Der Morteratschgletscher im Engadin ist nicht nur der grösste Gletscher Graubündens, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel. Ein Lehrpfad mit Schautafeln zeigt eindrücklich, wie sich der Gletscher in den letzten Jahrzehnten zurückgezogen hat.

Der Morteratschgletscher
Der Morteratschgletscher

Und last, but not least ist da auch noch der Tschiervagletscher – einer der schönsten Gletscher im Engadin, eingebettet zwischen den Gipfeln des Bernina-Massivs.

Der Tschiervagletscher
Der Tschiervagletscher – noch vor dem grossen Bergsturz

Leider wurde der Tschiervagletscher 2024 durch einen gewaltigen Bergsturz stark beeinträchtigt. Am 14. April frühmorgens donnerten etwa acht bis neun Millionen Kubikmeter Fels, Geröll, Schnee und Eis vom Piz Scerscen ins Tal, bedeckten den Gletscher und vernichteten die schützende Schneeschicht. Ein paar Augenblicke, die die Landschaft im Val Roseg für immer verändert haben.

Der Tschiervagketscher nach dem Felssturz
Nach dem Bergsturz am Piz Scerscen

Weitere beeindruckende Gletscher sind:

  • Gornergletscher (Wallis) – Der zweitgrösste Gletscher der Schweiz, mit spektakulärem Blick auf das Matterhorn.
  • Fieschergletscher (Wallis) – Nach dem Aletschgletscher der längste Gletscher der Schweiz.
  • Persgletscher (Graubünden) – Er fliesst vom Piz Palü hinab und war einst mit dem Morteratschgletscher verbunden.
  • Zinalgletscher (Wallis) – Inmitten der imposanten 4000er der Walliser Alpen gelegen, zieht dieser Gletscher Alpinisten und Wanderer an.
  • Triftgletscher (Bern/Wallis) – Bekannt für die spektakuläre Triftbrücke, die einen atemberaubenden Blick auf das Gletschergebiet bietet.
Der Triftgletscher mit dem Gletschersee
Triftsee und Triftgletscher

Warum schmelzen die Gletscher so schnell?

Der Klimawandel ist die Hauptursache für den Rückgang der Gletscher. Im Vergleich zur vorindustriellen Zeit (1871–1900) sind die Sommermonate heute im Schnitt 3,3 °C wärmer – ein Anstieg, der die Hauptursache für den dramatischen Eisverlust ist. Dies führt dazu, dass die Gletscher in den Sommermonaten mehr Eis verlieren, als sie im Winter durch Schneefall wieder aufbauen können.

Besonders dramatisch war die Entwicklung in den letzten Jahren: 2022 und 2023 haben die Schweizer Gletscher zusammen über 10 Prozent ihres gesamten Volumens verloren – das ist so viel, wie sie zwischen 1960 und 1990 insgesamt verloren haben! Diese beiden Jahre markieren die stärksten jemals gemessenen Schmelzjahre seit Beginn der Aufzeichnungen – mit einem Eisverlust von über sechs Metern an einigen Messstellen.

Selbst wenn die globale Erwärmung ab sofort gestoppt würde, gälte etwa ein Drittel des verbleibenden Eisvolumens als verloren. Ohne wirksamen Klimaschutz könnten bis 2100 nahezu alle Gletscher in der Schweiz verschwinden – auch der Aletschgletscher.

Veränderung des Eisvolumens im Vergleich zum Vorjahr (GLAMOS)

Was bedeutet das für die Schweiz?

Das Abschmelzen der Gletscher hinterlässt Spuren – für Natur und Mensch. Sie sichern vielerorts die Wasserversorgung, insbesondere in Trockenperioden. Mit dem fortschreitenden Rückgang dieser natürlichen Speicher drohen künftig Wasserknappheit und Engpässe, die Landwirtschaft, Energieproduktion und Trinkwasserversorgung unter Druck setzen.

Doch nicht nur wir Menschen sind betroffen. Mit dem Rückzug des ewigen Eises verlieren spezialisierte Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum, und das empfindliche Gleichgewicht der alpinen Ökosysteme gerät ins Wanken. Die Artenvielfalt nimmt ab, während sich die Landschaft unwiderruflich verändert.

Auch der Tourismus steht vor einer ungewissen Zukunft: Gletschergebiete, die jährlich Tausende Besucher anziehen, verlieren mit dem Verschwinden der Eismassen ihre Faszination. Regionen wie Zermatt oder das Jungfraujoch könnten gezwungen sein, ihr touristisches Profil neu zu denken, wenn das Eis verschwindet – inklusive Anpassung der Infrastruktur und Kommunikation. Was heute noch eine atemberaubende Gletscherlandschaft ist, könnte schon bald eine karge Felswüste sein.

Hinzu kommen neue Gefahren. Durch das Abschmelzen entstehen instabile Gletscherseen, die unerwartet ausbrechen und ganze Täler bedrohen können. Auch der tauende Permafrost lässt Felswände brüchig werden – die Zahl der Felsstürze und Erdrutsche in den Alpen nimmt bereits messbar zu.

Erfahre mehr zu diesem Thema im Bergwelt-Blogbeitrag: «Wie der Klimawandel den Bergsport verändert».

Können wir die Gletscher noch retten?

Komplett aufhalten lässt sich die Gletscherschmelze nicht mehr. Aber wir können den Prozess verlangsamen, indem wir den CO₂-Ausstoss reduzieren. Technische Massnahmen wie das Abdecken von Gletschern mit weissen Tüchern – etwa am Rhonegletscher – können lokal 50–70 % der Schmelze verhindern. Doch sie sind teuer, ökologisch umstritten und keine Lösung für ganze Gletscherlandschaften.

Schutzmanssnahmen gegen das Schmelzen des Eises am Rhonegletscher
Für viele Experten unnütz: Schutzvlies auf Gletschern

2021 wurde mit «MortAlive» im Engadin ein interessantes Gletscherrettungsprojekt lanciert. Dafür wurden an der Talstation Diavolezza Schneiseil- und Ice-Stupa-Testanlagen in Betrieb genommen. Mit der Anlage könnte gemäss den Initianten nicht nur das Abschmelzen des Morteratschgletschers verlangsamt, sondern auch weltweit die existenzbedrohende Wasserknappheit in Gebirgsregionen gemindert werden.

Ice -Stupa im Engadin
Die Ice-Stupa im Engadin (Bild: Mayk Wendt)

Mehr zum Projekt «MortAlive» erfährs du hier.

Ein Tag zum Nachdenken – und Handeln

Der internationale Tag der Gletscher soll uns daran erinnern, wie wertvoll diese Naturschätze sind – und dass ihr Schicksal zum Teil auch in unseren Händen liegt. Wer die Alpen liebt, kann etwas tun: bewusst reisen, nachhaltige Entscheidungen treffen und Klimaschutz unterstützen.

Erfahre mehr zum Thema im Factsheet «Swiss Glaciers – State, projections and signiflcance» der Akademien der Wissenschaften Schweiz.

Quellen: GLAMOS, Aletsch Arena, SRF, Engadin Tourismus, Zermatt Tourismus, SLF Davos, Berner Wanderwege, Valais Tourismus, MeteoSchweiz, ETH Zürich, Bundesamt für Umwelt BAFU, Schweizer Alpen Club SAC, Schweizerischen Kommission für Kryosphärenbeobachtung, swiss-academies.ch


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