Glarus ist ein Geheimtipp für Abenteurer und Naturliebhaber. Zwischen schroffen Gipfeln, tiefblauen Seen und verwunschenen Tälern bietet der Kanton eine faszinierende Mischung aus Wanderwegen, Kletterrouten und Wintersportmöglichkeiten. Hier trifft ursprüngliche Natur auf spannende Geschichten – von historischen Erstbesteigungen bis hin zu faszinierenden geologischen Besonderheiten.
Der Kanton Glarus erstreckt sich über eine Fläche von rund 685 Quadratkilometern im Osten der Schweiz. Die drei Gemeinden Glarus Nord, Glarus und Glarus Süd bilden das Zuhause von etwa 40’000 Personen. Der Talboden ist mit deutlich über 400 Einwohnern pro Quadratkilometer stark besiedelt.

Zum Kanton Glarus gehört auch der bekannte Walensee, der sich die Glarner mit den St.Gallern teilen und der malerisch zwischen den Churfirsten und den Glarner Alpen liegt. Mit seinen steil abfallenden Ufern bietet er spektakuläre Ausblicke und ist ein beliebtes Ziel für Wanderer und Wassersportler.

Der Tödi – König der Glarner Alpen
Das alpine Terrain des Kantons wird dominiert vom Tödi, dem mit 3614 m höchsten Berg der Region. Majestätisch erhebt er sich über das Glarner Haupttal und bietet spektakuläre Panoramen sowie anspruchsvolle Kletterrouten. Der Tödi wurde Jahrzehnte vor dem Matterhorn und anderen namhaften Schweizer Bergen erstbestiegen. 2024 wurde das 200-Jahr-Jubiläum der Erstbesteigung gefeiert.

Der Glärnisch – Hausberg der Glarner
Neben dem mächtigen Tödi ist auch der Glärnisch ein markanter Berg der Region und gilt als der Hausberg der Glarner. Das Glärnischmassiv mit seinen drei Gipfeln – Vorderglärnisch (2327 m), Mittelglärnisch (2903 m) und Bächistock (2914 m) – prägt das Panorama über Glarus. Besonders beliebt ist die Hochtour zum Vrenelisgärtli, die über die Glärnischhütte führt (dazu später mehr). Eine Besondheit des Glärnisch ist, dass er zwar gänzlich im Kanton Glarus liegt, aber zu den Schwyzer Alpen gehört.

Weitere bekannte Gipfel im Glarnerland sind:
- Hirzli (1641 m)
- der Mürtschenstock mit dem Ruchen (2441 m)
- Fronalpstock (2124 m)
- der Wiggis mit dem Rautispitz (2283 m)
- Schilt (2299 m)
- Kärpf (2794)
- Ortstock (2714 m)
- Clariden (3267 m)
- Hausstock (3158 m)
- Glarner Vorab (3018 m)
- die Tschingelhörner mit ihren neun Spitzen (2849)
- Piz Segnas (3098 m)
- Piz Sardona (3056 m).

UNESCO-Welterbe in Glarus
Die Geologie des Kantons Glarus ist einzigartig. Die UNESCO-Welterbestätte «Tektonikarena Sardona» bietet faszinierende Einblicke in die Erdgeschichte und begeistert Geologie-Enthusiasten. Hier sind die beeindruckenden Überschiebungen und Faltenbildungen sichtbar, die durch die Kollision der eurasischen und afrikanischen Platten entstanden sind.
Die Tektonikarena Sardona erstreckt sich über die Kantone Glarus, St.Gallen und Graubünden und umfasst eine Fläche von etwa 328 Quadratkilometern. Ihr zentrales Merkmal ist die Glarner Hauptüberschiebung, eine weltweit bekannte geologische Störung, bei der ältere Gesteinsschichten über jüngere geschoben wurden. Diese beeindruckende Struktur entstand vor etwa 35 bis 40 Millionen Jahren und zeigt die Kräfte der Gebirgsbildung auf eindrucksvolle Weise.

Neben der bereits bekannten UNESCO-Auszeichnung als Teil der Tektonikarena Sardona wurde die Glarner Hauptüberschiebung 2024 in Südkorea erneut international geehrt. Die International Union of Geological Sciences (IUGS) würdigte sie als eine der weltweit bedeutendsten geologischen Stätten.
Das Martinsloch
Ein weiteres bemerkenswertes geologisches Phänomen ist das Martinsloch. Diese natürliche Felsöffnung befindet sich in der Tschingelhörner-Bergkette und hat einen Durchmesser von etwa 19 Metern. Zweimal im Jahr, im März und im September, scheint die Sonne durch das Loch und wirft für wenige Minuten einen Lichtstrahl auf den Kirchturm von Elm – ein beeindruckendes Naturschauspiel, das zahlreiche Besucher anzieht.

Im Oktober 2024 ereignete sich am Grossen Tschingelhorn, oberhalb des Martinslochs, ein grosser Felssturz. Geologen schätzen, dass über 10’000 Kubikmeter Gestein sowohl auf die Glarner als auch auf die Bündner Seite ins Tal stürzten.
Wandern und Bergtouren
Glarus bietet über 1000 Kilometer markierte Wanderwege, die durch unberührte Natur und vorbei an atemberaubenden Aussichten führen. Beliebte Wanderrouten und Bergtouren sind die Via Glaralpina, der Elmer Höhenweg und die Rundwanderung um den Mürtschenstock. Für Abenteurer ist der Aufstieg zum Tödi ein Muss. Diese Hochtour auf den «König der Glarner Alpen» bietet neben alpinen Herausforderungen vor allem spektakuläre Aussichten.
Ebenfalls beeindruckend ist eine Wanderung durch das «Dräggloch». Die Gegend ist allerdings alles andere als ein Dreckloch. Es ist die grösste Karstlandschaft der Schweiz. Regen und Schmelzwasser haben hier im Laufe der Jahrtausende auf ungeschützt offen liegenden Kalkplatten bizarre Formen von Rillen, Klüften und Terrassen hinterlassen.

Dieses Labyrinth aus Stein ist allerdings nicht nur äusserst imposant und faszinierend: Trotz guter Markierung ist die Orientierung bei Nebel fast unmöglich. Ich rate deshalb davon ab, dort eine Tour bei schlechtem Wetter zu machen – insbesonere, wenn man nicht ortskundig ist.
Das Vrenelisgärtli
Eine ebenfalls sehr beliebte Hochtour ist die zum Vrenelisgärtli auf 2904 Meter über Meer. Der Aufstieg ist anspruchsvoll, erfordert eine gute Kondition sowie alpine Erfahrung.

Es führen zwei Routen auf den Gipfel: die eine von Südosten über den Guppengrat, die andere, die Normalroute, von Südwesten via Glärnischhütte (1999 m). Die Tour bietet spektakuläre Ausblicke auf die umliegenden Alpen und ist eine lohnende Herausforderung für erfahrene Alpinisten.
Die Sage vom «Vrenelisgärtli»
Vor langer Zeit wollte eine Jungfrau namens Vreneli (kleine Verena) zuoberst auf dem Gipfel einen Garten anlegen. Die Pflanzung dort oben war eine Versuchung Gottes, und so begann es zur Strafe heftig zu schneien, und das Vreneli wurde samt eines Kupferkessels, mit dem es sich gegen den Schnee zu schützen versuchte, eingeschneit und blieb seither dort oben. Lange Zeit sah man auf dem mittleren Glärnisch von weitem noch ein kleines, viereckiges Schneefeld – das Vrenelisgärtli, unter dem die junge Gärtnerin begraben liegen soll. Im Hitzesommer 2003 ist das Schneefeld vollständig abgeschmolzen. Überbleibsel des Vreneli oder seines Kessels sind nicht gefunden worden.
Hütten im Kanton Glarus

Wo es viele Berge gibt, gibt’s natürlich auch Berghütten, die Wanderer und Bergsteiger als Ausgangspunkt für ihre Touren nutzen können. Zu den bekanntesten gehören:
Planurahütte, 2947 m
Die Planurahütte ist die höchstgelegene Berghütte im Kanton Glarus und bietet einen spektakulären Blick auf den Claridenfirn. Sie ist ein wichtiger Stützpunkt für Hochtouren und Gletscherüberquerungen.
Webseite Planurahütte SAC
Leglerhütte, 2273 m
Die Leglerhütte ist bekannt für ihre idyllische Lage und bietet eine spektakuläre Aussicht auf die Glarner Alpen. Sie ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen im Kärpfgebiet.
Webseite Leglerhütte SAC
Fridolinshütte, 2111 m
Die Fridolinshütte ist eine beliebte Hütte für Wanderer und Bergsteiger, die den Tödi besteigen wollen. Sie bietet einen herrlichen Blick auf die umliegenden Berge und ist ein idealer Ausgangspunkt für verschiedene alpine Touren.
Webseite Fridolinshütte

Martinsmadhütte, 2000 m
Die Martinsmadhütte ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen und Klettertouren in der Region. Sie liegt inmitten einer atemberaubenden alpinen Landschaft und bietet einen gemütlichen Ort zur Erholung.
Webseite Martinsmadhütte SAC
Glärnischhütte, 1990 m
Die neu renovierte Glärnischhütte ist der perfekte Ausgangspunkt für Touren im Glärnischmassiv – u.a. zum Vrenelisgärtli. Sie bietet einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden Gipfel und ist beliebt bei Kletterern und Wanderern.
Webseite Glärnischhütte SAC
Klettern und Mountainbiken
Die steilen Felswände und schroffen Klippen des Kantons Glarus sind ein Traum für Kletterer und Fans von Klettersteigen. Der Klettergarten in Näfels bietet gut gesicherte Routen für Anfänger und Fortgeschrittene. Für Mountainbiker gibt es eine Vielzahl an Trails, von gemütlichen Fahrten durch die Täler bis hin zu herausfordernden Abfahrten, die Adrenalin pur versprechen.

Wintersport im Glarnerland
Im Winter verwandelt sich Glarus in ein wahres Wintersport-Mekka. Die Skigebiete Elm, Braunwald und Linthal bieten perfekte Bedingungen für Skifahrer und Snowboarder. Langläufer können zudem die malerischen Loipen erkunden, und für Schneeschuhwanderungen gibt es zahlreiche Routen, die abseits der belebten Pisten ein intensives Naturerlebnis bieten.

Das autofreie Familienskigebiet Braunwald kämpft allerding mit finanziellen Problemen. Wegen zu warmer Winter und einem Rückgang der Gäste verzeichnete es 2022/23 und 2023/24 Verluste von insgesamt 2,3 Millionen Franken. Die Aktionäre stellten 1,7 Millionen Franken bereit, um den Betrieb für die Saison 2024/25 zu sichern. Sollten die nächsten Winter wieder schneearm ausfallen, droht jedoch die Schliessung des Gebiets.
Kulinarische Erlebnisse
Die Glarner Küche ist ein Spiegelbild der Region – herzhaft und vielfältig. Dazu gehören beispielsweise der bekannte Glarner Schabziger, ein würziger Frischkäse oder die traditionelle Glarner Kalberwurst, die mit einer speziellen Gewürzmischung zubereitet wird.
Ebenfalls typisch für die Region ist die Glarner Pastete, eine köstliche Blätterteigpastete gefüllt mit Zwetschgenmus oder einer marzipanähnlichen Mandelmischung. Hier findest du ein Rezept für diese süsse Sünde.

Traditionen und Kultur
Jährlich am 6. März, dem Gedenktag des heiligen Fridolin, des Schutzpatrons des Kantons Glarus, werden auf Hügeln und exponierten Stellen Feuer entzündet – die sogenannten Fridolinsfeuer. Dieser Brauch soll Schutz und Segen für das Land bringen. Bemerkenswert ist, dass Kindern an diesem Tag traditionell das Rauchen gestattet wird – ein Überbleibsel alter Sitten.
Der Landsgemeindesonntag, an dem sich die Stimmberechtigten unter freiem Himmel treffen, ist eine alte demokratische Tradition des Kantons Glarus. Sie findet jedes Jahr am ersten Sonntag im Mai auf dem Zaunplatz in Glarus statt.
Ende September das Vieh von den Alpen zurückkehrt, bringt es jedes Jahr etwas Besonderes mit. Ihren Glarner Alpkäse AOP bieten die Älplerinnen und Älpler jeweils am ersten Sonntag im Oktober in Elm am «Glarner Alpchäs- und Schabziger-Märt» feil.

Und last, but not least ist Glarus auch bekannt für seine reichhaltige Textilgeschichte, die im 19. Jahrhundert den Wohlstand des Kantons mitprägte. Besonders die Glarnertüechli, bunte Baumwolltaschentücher mit traditionellen Mustern, wurden weltweit bekannt. Das «Museum des Landes Glarus» erzählt diese Geschichte eindrücklich und ist einen Besuch wert.
Quellen: glarnerland.ch, unesco.ch, landesmuseum-glarus.ch, glarus-restaurants.ch, schwanden-gl.ch, Ferienregion Elm

