Zuletzt aktualisiert am 26. Januar 2025 |

Die Via Valtellina ist ein Weitwanderweg, der in sieben Etappen von Vorarlberg bis nach Oberitalien führt. Wir sind Mitte August die Etappen vom Prättigau ins Val Poschiavo gewandert.  

Meine Partnerin Celina und ich sind regelmässig auf Weitwanderwegen in den Schweizer Bergen unterwegs. Meistens entscheiden wir jeweils erst relativ kurzfristig, wohin es geht, damit wir bei möglichst gutem Wetter wandern können. In diesem Jahr hatten wir diesbezüglich leider etwas Pech. Kurz vor unseren Ferien gabs in höheren Lagen Neuschnee und wir mussten uns für eine Wanderung entscheiden, auf der es nicht allzu hoch hinauf ging – zumindest nicht die ersten Tage nach den Schneefällen.  

Unsere Wahl fiel auf die Via Valtellina, die in sieben Etappen von Gargellen im Vorarlberg nach Triest in Norditalien führt. Da wir nur fünf Tage Zeit hatten, entschieden wir uns für die Etappen auf Schweizer Boden von Klosters nach Poschiavo.  

Allgemeine Anforderungen

Die gesamte Via Valtellina ist meist sehr gut beschildert (Routen-Nr. 30), an einigen Stellen sind die Beschilderungen aber schon sehr alt und die Routen-Nummern sind nicht mehr gut zu erkennen. Dann folgt man am besten einfach den Schildern, auf denen man nur noch weisse Quadrate sieht. 😉

Wanderwegweiser Via Valtellina am Lago Bianco
Wenn keine Routennummern mehr zu sehen sind, bist du auf dem richtigen Weg.

Trotz der verwaschenen Routen-Nummern ist ein Verirren auf der Via Valtellina unter normalen Umständen so gut wie ausgeschlossen. Deshalb verzichte ich in den nachfolgenden Etappen-Berichten auf ausführliche Wegbeschreibungen und vermerke nur, wenn auf einem Abschnitt technisch etwas besonders zu beachten sein sollte. Die Strecke führt grösstenteils über Wege der Kategorien T2 und pro Etappe wird zwischen 4 und 10 Stunden gewandert.  

Ausrüstung

Gute Schuhe mit einer griffigen Sohle sind auf der Via Valtellina Pflicht. Ebenso sollte man der Jahreszeit entsprechend packen und daran denken, dass das Wetter im Gebirge sehr schnell umschlagen und es auch im Hochsommer schneien kann. Falls jemand, so wie wir, das gesamte Gepäck für eine Woche auf dem Rücken tragen und es nicht von Hotel zu Hotel fahren lassen will, sollte unbedingt auch Stöcke dabeihaben. (Ich hatte auf der Tour übrigens meinem neuen Trekkingrucksack «Lightning 45» von Exped dabei. Hier geht’s zum Testbericht)    

Etappe 1: Klosters – Davos  

Damit wir ausgeschlafen auf unsere fünftägige Via-Valtellina-Tour starten konnten, sind wir am Vorabend der ersten Etappe von St.Gallen nach Klosters gereist und haben uns dort eine Übernachtung im Hotel Piz Buin gegönnt. Empfangen wurden wir vom Chef persönlich, der uns gleich mit einem Zimmer-Upgrade überraschte. Besser kann eine Weitwanderung vermutlich nicht beginnen.  

Ein Zimmer im Hotel Piz Buin in Klosters
Unser gemütliches Zimmer in Klosters

Nach einem feinen Nachtessen und einem ebenso feinen Frühstück machten wir uns bei kühlen Temperaturen auf die erste Etappe von Klosters Platz nach Davos Dorf. Zwischendurch gabs auch immer mal wieder ein paar Regentropfen. Da die Route entlang des Schluchtenwegs und über Laret und Wolfgang nicht sonderlich anspruchsvoll ist, war der nasse Untergrund kein Problem.

Bis nach Unterlaret wandert man oft durch Wald und meistens abseits von Strassen, ab dem Davosersee war dann aber erwartungegemäss wieder etwas mehr Rummel. Nach knapp vier Stunden Marschzeit kamen wir in Davos Dorf an, wo wir uns gleich noch mit Proviant für den nächsten Tag eindeckten.  

Nach dem Abendessen wollen wir eigentlich früh ins Bett, um für die rund 10-stündige zweite Etappe fit zu sein. «Leider» haben wir im Dorf dann aber noch alte Bekannte getroffen und es wurde doch etwas spät – und der letzte Gin hätte auch nicht mehr unbedingt sein müssen. Aber egal, es war ein lustiger Abend mit viel interessantem Dorfklatsch aus Davos.  

Details zur 1. Etappe  

  • Einkehr/Unterkunft: Klosters, Restaurant Grünbödli (Klosters-Serneus), Davos Wolfgang, Davos
  • Verpflegung kaufen: diverse Läden in Klosters
  • Distanz: 12,95 km
  • Gehzeit: 3,75 Sunden
  • Auf-/Abstieg: 639 m/197 m
  • Schwierigkeit: T2/T1
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Etappe 2: Davos/Dürrboden – Cinous-chel-Brail/Zuoz  

Nicht gerade verkatert aber dennoch etwas schlapp vom Vorabend entschieden wir am nächsten Morgen spontan, die 10-stündige zweite Etappe etwas zu verkürzen. Dafür fuhren wir mit dem Bus von Davos durchs Dischmatal zum Dürrboden (2004 m) und ersparten uns so rund drei Stunden Fussmarsch.

Blick von einer Bank auf dem Dürrboden auf das Dischmatal
Blick vom Dürrboden ins Dischmatal

Von dort aus ging es bei leichter Bewölkung auf einem einfachen Bergweg hoch auf den Scalettapass auf 2605 Meter. Der Pass bildet die Grenze zwischen dem Prättigau und dem Engadin. Der Neuschnee der vergangenen Tage war zum Glück grösstenteils bereits wieder geschmolzen und es lagen nur noch vereinzelt ein paar Schneefetzen auf dem Weg.  

Aussicht von einem Bergpass auf die umliegenden Berge bei wolkenbedecktem Himmel.

Anschliessend führt der aussichtsreiche Weg hinunter zur Alp Funtauna, wo wir Mittagspause machten, und weiter durch eine fast unberührte Landschaft entlang des rauschenden Vallember zur Siedlung Susauna.

In der kleinen Ortschaft mit einer denkmalgeschützten protestantischen Kirche leben im Sommer jeweils etwa 20 Personen, die mehrheitlich den rätoromanischen Dialekt Puter sprechen.  

Blick auf das Dorf Susauna im Oberegnadin
Susauna

Unterdessen waren die dicken Wolken verschwunden und es wurde wieder hochsommerlich warm. Und langsam machte sich bei uns auch der Vorabend bemerkbar und wir entscheiden deshalb, nicht bis Zuoz zu wandern, sondern nur bis Cinous-chel-Brail, um von dort aus mit der RhB nach Zuoz zu fahren.

Dort angekommen bezogen wir Quartier im Hotel Crusch Alva – gleich gegenüber des Hotels Klarer, in dem wir auf unserer letztjährigen Weitwanderung nicht so gute Erfahrungen gemacht hatten.  

Zum Abendessen gings dann ins Restaurant Dorta am Dorfrand von Zuoz. Dort essen wir eigentlich meistens, wenn wir in Zuoz sind. Das Essen hat zwar durchgehend etwas zu wenig Salz, aber es ist frisch und gut, der Service ist schnell und freundlich und das Lokal sehr originell und schön gelegen.  

Eine Flasche Palü-Bier auf einem Holztisch
Gehört im Dorta für mich dazu: Ein Palü-Bier

Satt und zufrieden sanken wir gegen 23 Uhr in unsere Betten.  

Details zur 2. Etappe  

  • Einkehr/Unterkunft: Dürrboden, Susauna, Cinous-chel, Zuoz
  • Verpflegung kaufen: Davos
  • Distanz: 18 km
  • Gehzeit: knapp 5,5 Sunden
  • Auf-/Abstieg: 681 m/1041 m
  • Schwierigkeit: T3/T2
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Etappe 3: Zuoz – Pontresina 

Der Tag der dritten Etappe auf der Via Valtellina begann mit strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. Nach einem für ein 3-Sterne-Hotel ausserordentlich guten Frühstück im Hotel Crusch Alva deckten wir uns im Volg mit Proviant ein und machten uns auf den Weg nach Pontresina. Diese mehrheitlich flache Etappe (T1) führt erst entlang dem renaturierten Inn durch die Dörfer Madulain und La Punt nach Samedan, wo wir den Inn verliessen und weiter dem Flazbach entlang über Muragls nach Pontresina wanderten.  

Blick auf ein Haus und die Kirche von Madulain im Engadin
Madulain

Leider läuft man auf dieser Etappe der Via Valtellina oft auf Beton, was das Wandern vor allem bei heissen Temperaturen etwas mühsam macht. Zum Glück gibt es am Flazbach aber viele Möglichkeiten, die Füsse im eiskalten Wasser abzukühlen.  

Gut gegessen und übernachtet haben wir im Hotel Palü am Dorfrand von Pontresina.    

Uferblick auf den renaturierten Inn bei La Punt im Kanton Graubünden

Details zur 3. Etappe  

  • Einkehr/Unterkunft: Zuoz, Madulain, La Punt, Samedan, Pontresina
  • Verpflegung kaufen: Zuoz, La Punt, Samedan, Pontresina
  • Distanz: 17,57 km
  • Gehzeit: 4,2 Sunden
  • Auf-/Abstieg: 179 m/71 m
  • Schwierigkeit: T1
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Etappe 4: Pontresina – Bernina Hospiz  

Am Tag der vierten Etappe waren auf den frühen Nachmittag Gewitter angesagt. Um diesen möglichst zu entgehen bzw. davor im Bernina Hospiz anzukommen, haben wir auch diese Etappe etwas verkürzt und sind mit dem Bus bis zur Talstation Diavolezza gefahren. Von dort aus wandert man in rund zwei Stunden auf einem einfachen Bergweg dem Berninabach entlang zu den Seen Pitschen, Nair und Bianco und hinauf zum Hospizio Bernina auf rund 2300 m.  

Der Weg dieser Etappe der Via Valtellina wäre an sich sehr schön, nur waren wir leider zur Hauptferienzeit und zudem an einem Samstag unterwegs – zusammen mit unzähligen Mountainbikern teilen, von denen leider sehr viele keinerlei Rücksicht auf Wanderer genommen haben. Kurz vor dem Hospiz wurde ich fast von einem «Raser» angefahren, der an zwei Mountainbikerinnen vorbeipreschte, die an einer sehr schmalen Stelle extra für uns angehalten hatten.

Ein paar Ausweichmanöver später sind wir im Bernina Hospiz angekommen und wurden mit viel Italianità begrüsst und in einem kleinen aber sehr sauberen Zimmer untergebracht.  

Das Hotel Bernina Hospiz

Nach einem ausgiebigen Apéro auf der Terrasse begann es wie aus Kübeln zu schütten und wir begaben uns für das Nachtessen ins Restaurant. Dort wurden wir vom mürrischen Kellner fast eine dreiviertel Stunde lang ignoriert – obschon er ausser uns nur drei andere Gäste hatte. Als er dann doch endlich die Güte hatte, uns einen kurzen Blick zuzuwerfen, machten wir uns natürlich etwas energischer bemerkbar, denn uns knurrte schon etwas der Magen. Er reagierte darauf mit einem patzigen «piano, piano» und schlurfte gemächlich an unseren Tisch, worauf ich bemerkte, dass Kellnern wohl nicht so sein Ding wäre. Den Rest des Abends wurden wir dann von seiner äusserst sympathischen, freundlichen und kompetenten Kollegin bedient. 😊

Ein Tiramisu zum hinknien …

Das Essen in dieser einfachen Unterkunft war aber ausserordentlich gut. Ich würde sogar sagen, dass ich an einem solchen einfachen Ort mit Halbpension selten so gut gegessen habe. Nach einem frischen Salat gab’s hervorragende Tagliatelle mit hausgemachtem Hirsch-Ragout und zum Dessert ein mittelgrosses Weckglas voll mit köstlichem, ebenfalls hausgemachtem, Tiramisu. Celina und ich hätten am liebsten darin gebadet …  

Nach dem Abendessen genossen wir sehr satt noch etwas den herrlichen Blick auf den Cambrena-Gletscher, staunten über die höchste bislang gemessene Schneehöhe auf dem Bernina-Pass bevor wir mit viel Vorfreude auf die letzte Etappe gegen 22 Uhr ins Bett gingen und uns von den Kuhglocken in den Schlaf bimmeln liessen.

Blaue Stunde am Cambrena-Gletscher
Bis dort, wo die Tafel hängt, lag 1879 und 1986 Schnee

Details zur 4. Etappe  

  • Einkehr/Unterkunft: Pontresina, Diavolezza, Bernina Hospiz
  • Verpflegung kaufen: Pontresina
  • Distanz: 15,73 km
  • Gehzeit: knapp 4,25 Sunden
  • Auf-/Abstieg: 605 m/172 m
  • Schwierigkeit: T2
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Etappe 5: Bernina Hospiz – Poschiavo  

Nach einem einfachen Frühstück starteten wir am Sonntag bei bestem Wetter am späten Vormittag auf unsere letzte Etappe auf der Via Valtellina. In Zuoz gab uns der Dorta-Wirt ein paar Tage zuvor noch den Tipp, nicht auf der Normalroute nach Poschiavo abzusteigen, sondern über Sassal Mason. Dieser kleine Umweg hat sich mehr als gelohnt – die Aussicht von dort oben ist traumhaft!  

Blick vom Sassal Mason auf die Bergwelt des Piz Palü
Blick auf den Palü-See, die Palü-Alp und den Palü-Gletscher

Auf dem Sassal Mason stehen auch zwei typische Puschlaver Crotti. Diese Steinhütten sind aufgrund ihrer konstanten Innentemperatur ausgezeichnete Kühlräume für die Lagerung von Milch, Käse und sonstigen Vorräten.

Zwei typische Puschlaver Crotti auf dem Sassal Mason
Die Crotti auf dem Sassal Mason

Vom Sassal Mason führt der Weg weiter über die bekannte Alp Grüm hinunter zum Palü-See, wo wir Mittagspause gemacht haben, bevor wir an diesem heissen Sommertag die letzten Kilometer unserer Weitwanderung unter die Füsse genommen haben. Der Weg ist zwar wunderschön und führt oft durch Wald, gegen Ende zog er sich dann aber doch etwas und es wurde immer heisser, je weiter wir hinunter ins Valposchiavo kamen. Entsprechend schlapp kamen wir später dann auch im Hauptort Poschiavo an.  

Unser Zimmer für die letzte Nacht hatten wir in der Albergo Croce Bianca gebucht. Der Empfang im familiären 3-Sterne-Hotel war überaus freundlich und die Zimmer sehr grosszügig und originell eingerichtet. Nach einem kleinen Schwatz beim Apéro mit dem Hotel-Chef und einer kleinen Stadtbesichtigung freuten wir uns auf das Nachtessen.

Regionale Gaumenfreuden

In der Küche des Croce Bianca steht der Chef persönlich – und er versteht sein Handwerk. Celina bestellte «Spiedino di Lüganighetta Poschiavina ‹Patron› con polenta Taragna e carote glassate» (Spiesschen von Puschlaver Würstchen «Patron» mit Taragna-Polenta und glasierten Karotten) und für mich gabs «Tenere costolette d’agnello alla griglia Capunet Poschiavini e pomodorini Cherry stufati» (Grillierte Lammkotelettes mit Puschlaver Capunet und gedünsteten Cherry-Tomaten). Dazu gabs Bier aus dem Puschlav und regionalen Wein. Kurzum: Es war herrlich und ein wunderbarer Abschluss unserer Weitwanderung auf der Via Valtellina!  

Ein Platz mit Gebäuden in der Altstadt von Poschiavo

Details zur 4. Etappe  

  • Einkehr/Unterkunft: Bernina Hospiz, Alp Grüm, Poschiavo
  • Verpflegung kaufen: Bernina Hospiz
  • Distanz: 16,07 km
  • Gehzeit: knapp 4,75 Sunden
  • Auf-/Abstieg: 234 m/1526 m
  • Schwierigkeit: T3/T2
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Fazit:  

Eine landschaftlich sehr schöne, abwechslungsreiche und technisch nicht allzu anspruchsvolle Weitwanderung, die allerdings etwas Kondition voraussetzt. Da wir normalerweise ausserhalb der Ferienzeit auf Weitwanderungen unterwegs sind, waren wir in Davos und auf dem Weg zum Bernina Hospiz etwas geplättet von den Menschenmassen. Daher mein Tipp: Macht die Wanderung unbedingt ausserhalb der Ferienzeit und die Etappe zum Hospitz zudem nicht an einem Samstag!


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