Zuletzt aktualisiert am 12. April 2025 |
Nassschneelawinen sind eine oft unterschätzte Gefahr für Bergsportler. Besonders bei steigenden Temperaturen und Regen kann sich der Schnee plötzlich lösen und gefährlich werden. Wer in den Bergen unterwegs ist, sollte deshalb wissen, wie Nassschneelawinen entstehen, woran man kritische Bedingungen erkennt und wie man sich davor schützt.
Nassschneelawinen entstehen, wenn Wasser – sei es durch Schneeschmelze oder Regen – in die Schneedecke eindringt und die Stabilität verringert. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Typen: Lockerschneelawinen und Schneebrettlawinen.
- Lockerschneelawinen beginnen punktuell und fächern sich nach unten hin auf. Sie entstehen meist aus feuchtem Schnee an der Oberfläche und können schnell an Masse gewinnen.
- Schneebrettlawinen hingegen lösen sich, wenn eine gesamte Schneeschicht auf einer durchfeuchteten Schwachschicht ins Rutschen gerät. Diese Lawinenart ist besonders tückisch, da sie oft grossflächig abbricht.


Wann ist die Lawinengefahr am höchsten?
Die Gefahr von Nassschneelawinen steigt im Tagesverlauf an, wenn die Sonneneinstrahlung zunimmt und die Schneedecke immer weiter durchfeuchtet. Besonders kritisch sind Phasen nach starken Niederschlägen, wenn Regen den Schnee bis in tiefere Schichten destabilisiert. Auch warme Nächte ohne nächtliche Auskühlung tragen dazu bei, dass die Lawinengefahr bereits am Morgen erhöht ist.

Wie kann man sich schützen?
- Frühe Tourenplanung: Starte früh und verlasse steile, sonnenbeschienene Hänge vor der Mittagszeit.
- Lawinenlagebericht beachten: Die Lawinengefahr wird täglich aktualisiert – informiere dich vor jeder Tour.
- Hangneigung und Exposition berücksichtigen: Süd- und Westhänge sind besonders gefährdet, vor allem bei Steigungen über 30°.
- Notfallausrüstung mitführen: LVS-Gerät, Schaufel und Sonde gehören zur Standardausrüstung.

Was tun, wenn es passiert?
Eine Flucht vor einer Nassschneelawine ist nahezu unmöglich, da der schwere, feuchte Schnee alles mitreisst und sich oft in eine zähe Masse verwandelt. Sollte es dennoch passieren:
- Versuche, dich an der Oberfläche zu halten, indem du schwimmende Bewegungen machst. Das ist zwar schwierig, kann aber verhindern, dass du vollständig verschüttet wirst.
- Falls du teilweise verschüttet wirst: Schaffe eine Atemhöhle und halte deine Hände vor dein Gesicht, um eine Atemöffnung freizuhalten.
- Bleib ruhig und warte auf Hilfe, wenn du nicht mehr selbst entkommen kannst. Falls du ein LVS-Gerät trägst, können dich deine Kameraden schnell orten.
- Tourenpartner alarmieren sofort den Rettungsdienst – Zeit ist der entscheidende Faktor bei Lawinenverschüttungen.
Die oben aufgeführten Tipps garantieren nicht, dass eine verschüttete Person lebend aus einer Lawine geborgen werden kann. Wichtig ist, dass ihr schnell und überlegt handelt. Bereits nach 15 Minuten sinken die Überlebenschancen markant. Nach 35 Minuten sind bereits rund 70 Prozent der Verschütteten tot.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Nasschneelawinen können auch im Herbst und Winter entstehen. Im September 2020 beispielsweise musste die Rega im Alpstein eine 19-jährige Frau retten, die unter einer Nassschneelawine begraben wurde. Die junge Frau war mit einem Begleiter auf dem Wanderweg oberhalb des Seealpsees unterwegs. Die Verhältnisse für Nassschneelawinen waren zu diesem Zeitpunkt optimal: Nasser Schnee auf warmem Untergrund, dazu Föhn und starker Wind.

Die junge Frau hatte nicht zuletzt deshalb 30 Minuten unter einem Meter Schnee überlebt, weil sie beim Abgang hinter einem Fels Schutz suchte und im dadurch entstandenen Hohlraum genügend Luft zum Atmen vorhanden war.
Alpstein wird oft unterschätzt
Das Alpsteinmassiv ist mit zahlreichen Höhlen, Rissen und Dolinen durchsetzt. Das lediglich 28 Kilometer lange und im Mittel zehn Kilometer breite Massiv ist oft sehr steil und die Täler sind tief eingeschnitten. Entsprechend häufig sind deshalb auch Hangneigungen über 30 Prozent, wie auf der Karte zu sehen ist.

Das nachfolgende Bild zeigt die Hangneigung im Wandergebiet oberhalb des Seealpsees, wo die beiden Wanderer im September 2020 unterwegs waren.

Aufgrund seiner exponierten Lage am Alpennordrand sind die Wetterverhältnisse im Alpstein zeitweise wechselhaft und unbeständig. Aufgrund der alpinen und steinigen Natur entstehen oftmals Wetterlagen die hochalpinen Charakter haben. Entsprechend ausgerüstet sollte man vor allem im Frühjahr und im Herbst deshalb auch sein, für eine Tour im Alpstein.
Fazit: Vorsicht ist besser als Nachsicht
Auch wenn der Frühling eine fantastische Zeit für Touren in den Bergen ist, sollte man sich bewusst sein, dass mit steigenden Temperaturen auch die Lawinengefahr zunimmt. Wer die Bedingungen richtig einschätzt und vorausschauend unterwegs ist, kann das Risiko jedoch erheblich reduzieren.
Hast du eigene Erfahrungen mit Nassschneelawinen gemacht oder besondere Tipps zur Prävention? Schreib sie in die Kommentare!

