Zuletzt aktualisiert am 12. September 2026 |
Kein Hüttenwart, kein Abendessen und meistens auch keine Dusche: Wer in einem Biwak des Schweizer Alpen-Clubs übernachtet, muss auf Komfort verzichten. Dafür liegen diese kleinen Unterkünfte dort, wo man ein Hotel ohnehin kaum vermissen dürfte: mitten in der Hochgebirgswelt, oft weit entfernt vom nächsten Tal.
Die Geschichte der SAC-Unterkünfte reicht weit zurück. Bereits 1863, im Gründungsjahr des Schweizer Alpen-Clubs, entstand am Tödi die Grünhornhütte. Sie gilt als erste SAC-Hütte und war kaum mehr als ein einfacher Unterstand. Heute sind die meisten SAC-Hütten deutlich komfortabler. Die Biwaks erinnern dagegen noch an die ursprüngliche Idee: ein Dach über dem Kopf und ein Schlafplatz in den Bergen.
Biwaks sind nicht bewartet und richten sich in erster Linie an Bergsteiger und Hochtourengänger. Einige erreicht man noch auf Bergwanderwegen, andere nur über Gletscher oder hochalpine Routen. Entsprechend darf die Bezeichnung «Biwak» nicht darüber hinwegtäuschen, dass bereits der Zustieg alpine Erfahrung und teilweise eine komplette Hochtourenausrüstung voraussetzt.
Seit dieser Artikel 2015 erstmals erschienen ist, hat sich einiges verändert. Ein Biwak existiert nicht mehr, ein neues ist hinzugekommen und ein weiteres fehlte in der damaligen Übersicht. Andere sollen ersetzt oder neu gebaut werden. Die Übersicht zeigt 16 SAC-Biwaks in der Schweiz, vom vergleichsweise einfach erreichbaren Laggin Biwak bis zu hochalpinen Unterkünften auf fast 4000 Metern.
Aarbiwak, 2731 m

17 Schlafplätze | SAC Pilatus
Das Aarbiwak liegt hoch über dem Finsteraargletscher in einer ausgesprochen abgelegenen Hochgebirgslandschaft. Schon der Normalzustieg vom Grimsel Hospiz ist mit T5 und sieben bis acht Stunden lang und anspruchsvoll. Ein alternativer Zugang führt als Hochtour über Gletscher. Der Schutzraum ist ganzjährig geöffnet.
Bivouac de l’Aiguillette à la Singla, 3179 m

12 Schlafplätze | CAS Chasseron
Das Biwak steht im hintersten Val de Bagnes nahe der italienischen Grenze. Bereits der Weg dorthin macht deutlich, wofür solche Unterkünfte gedacht sind: Die verschiedenen Zugänge sind Hochtouren und werden je nach Route mit L bis WS+ bewertet. Ein Wanderziel ist die Singla damit definitiv nicht.
Arbenbiwak, 3225 m

15 Schlafplätze | SAC Zermatt
Über dem Zmuttgletscher und unterhalb des Obergabelhorns steht das Arbenbiwak in einer spektakulären Walliser Hochgebirgslandschaft. Der Zustieg von Zermatt dauert rund 5¾ Stunden und wird mit T5+ bewertet. Das Biwak dient unter anderem als Ausgangspunkt für Touren auf das Obergabelhorn und ist als Schutzraum ganzjährig zugänglich.
Refuge des Bouquetins, 2980 m

26 Schlafplätze | CAS Val-de-Joux
Das Refuge des Bouquetins liegt zuhinterst im Val d’Arolla nahe dem Haut Glacier d’Arolla. Von Arolla führt ein rund 4½-stündiger Zustieg der Schwierigkeit T4 zum Biwak.
Sein heutiger Standort hat allerdings keine dauerhafte Zukunft. Wegen des auftauenden Permafrosts ist der Untergrund instabil geworden. Deshalb soll das bestehende Refuge durch einen Neubau an einem sichereren Standort ersetzt werden. Die Baubewilligung dafür wurde Ende 2025 erteilt.
Refuge de Chalin, 2595 m

8 Schlafplätze | CAS Chaussy
Mit acht Schlafplätzen gehört Chalin zu den kleinsten Biwaks dieser Übersicht. Es liegt oberhalb des Val d’Illiez in den Waadtländer Alpen. Der Zustieg von Les Cerniers beziehungsweise Chindonne dauert gut vier Stunden und wird mit T4 bewertet. Der Schutzraum ist ganzjährig offen.
Bivouac au Col de la Dent Blanche, 3540 m

15 Schlafplätze | CAS Jaman
Auf 3540 Metern liegt dieses Biwak am Col de la Dent Blanche zwischen Dent Blanche und Grand Cornier. Entsprechend alpin ist der Weg dorthin. Der rund sechsstündige Zustieg von Ferpècle führt über den Glacier de la Dent Blanche und wird als leichte Hochtour eingestuft. Der Schutzraum ist ganzjährig zugänglich.
Bivouac du Dolent-La Maye, 2667 m

12 Schlafplätze | CAS La Gruyère
Unterhalb des Mont Dolent, an dem die Grenzen der Schweiz, Frankreichs und Italiens zusammentreffen, liegt das Bivouac du Dolent-La Maye. Von La Fouly ist es in rund drei Stunden auf einem mit T4- bewerteten Zustieg erreichbar. Das Biwak ist ganzjährig offen.
Bivouac de l’Envers des Dorées, 2983 m

18 Schlafplätze | CAS Dent-de-Lys
Das Bivouac de l’Envers des Dorées liegt in der vergletscherten Bergwelt oberhalb des Val Ferret. Im ursprünglichen Artikel von 2015 fehlte es, obwohl es bereits damals bestand. Von Champex beziehungsweise La Breya führt der Zustieg über die Cabane d’Orny in rund fünf bis sechs Stunden zum Biwak und wird als Hochtour mit WS- bewertet.
Das Biwak ist ganzjährig geöffnet. Für die Übernachtung ist eine Reservation erforderlich; der Zugang erfolgt mit einem Code.
Grassenbiwak, 2647 m

18 Schlafplätze | SAC Engelberg
Das Grassenbiwak steht seit 1970 oberhalb des Wenden- und Firnalpeligletschers. Nach mehr als einem halben Jahrhundert ist die Bausubstanz stark sanierungsbedürftig. Zudem stösst die Unterkunft betrieblich an ihre Grenzen. Die SAC-Sektion Engelberg plant deshalb einen Ersatzneubau.
Dieser soll voraussichtlich 2027 entstehen und wiederum maximal 18 Schlafplätze bieten. Bis dahin bleibt das bestehende Biwak geöffnet.
Laggin Biwak, 2428 m

10 Schlafplätze | SAC Monte Rosa
Das Laggin Biwak liegt im Simplongebiet am Fuss des Fletschhorns. Im Vergleich zu vielen anderen Unterkünften dieser Liste ist es verhältnismässig einfach erreichbar: Von Simplon Dorf dauert der Zustieg rund drei Stunden und wird mit T3 bewertet. Mit zehn Schlafplätzen bleibt es trotzdem eine kleine und einfache Unterkunft.
Mischabeljochbiwak, 3855 m

24 Schlafplätze | Akademischer Alpen-Club Zürich
Das Mischabeljochbiwak ist schon wegen seiner Höhe eine Ausnahmeerscheinung. Auf 3855 Metern zwischen Alphubel und Täschhorn gehört es zu den höchstgelegenen Unterkünften der Schweiz. Wer hier schlafen will, kommt nicht auf einem Wanderweg vorbei: Der Zustieg von der Täschhütte wird mit ZS- bewertet, vom Alphubel mit WS. Der Schutzraum ist ganzjährig offen.
Rosenlauibiwak, 2330 m

10 Schlafplätze | SAC Oberaargau
Das Rosenlauibiwak steht am Fuss der Engelhörner über dem Rosenlauital. Der Normalzustieg von Rosenlaui dauert rund drei Stunden und wird mit T4 bewertet. Anders als viele andere Biwaks ist der Schutzraum nicht durchgehend geöffnet. Er dient vor allem als Winterbiwak und ist während Teilen des Sommers geschlossen. Vor einer Tour sollte deshalb unbedingt der aktuelle Öffnungsstatus geprüft werden.
Salbitschijenbiwak, 2400 m

10 Schlafplätze | SAC Mythen
Schon die Lage unter den Granittürmen des Salbitschijen macht dieses Biwak besonders. Ein möglicher Zustieg führt über die bekannte Salbitbrücke und wird mit T3 bewertet. Dafür sind rund 3½ bis 4½ Stunden einzuplanen. Ein zweiter Zugang ist mit T5 deutlich anspruchsvoller. Das Biwak verfügt über zehn Schlafplätze.
Schalijochbiwak, 3786 m

8 Schlafplätze | SAC Basel
Noch kleiner und fast ebenso hoch wie das Mischabeljochbiwak ist das Schalijochbiwak. Es steht auf 3786 Metern am Schaligrat des Weisshorns und bietet gerade einmal acht Schlafplätze.
Die Zugänge sind ernsthafte Hochtouren und werden je nach Route mit WS bis ZS+ bewertet. Gletscherrückgang und Ausaperung haben die Verhältnisse zusätzlich verändert. Das Schalijochbiwak ist damit keine Unterkunft, die man einfach als Ziel einer Bergwanderung ansteuert.
Stockhornbiwak, 2598 m

18 Schlafplätze | SAC Hoher Rohn
Nicht zu verwechseln mit dem bekannten Stockhorn im Berner Oberland: Dieses Biwak liegt im Baltschiedertal im Wallis. Der Zustieg von Ausserberg ist mit rund 6½ Stunden lang und wird mit T5 bewertet. Der Schutzraum mit 18 Schlafplätzen ist ganzjährig geöffnet.
Cresta-Biwak, 3032 m

6 Schlafplätze | SAC Saas
Das Cresta-Biwak ist der Neuzugang in dieser Übersicht. Seit Sommer 2018 steht es am Fuss des Latelhorns oberhalb des Antronapasses. Ganz neu ist die kleine Unterkunft allerdings nicht: Es handelt sich um die ehemalige Biwakschachtel des Mischabeljochbiwaks, die hier eine zweite Verwendung gefunden hat.
Von Furggstalden ist das Biwak in rund 3½ bis vier Stunden erreichbar. Der Zustieg wird mit T3 bewertet. Mit gerade einmal sechs Schlafplätzen gehört das Cresta-Biwak zu den kleinsten Unterkünften des SAC.
Und das Mittelaletschbiwak?
Zu den SAC-Biwaks in der Schweiz gehörte früher auch das Mittelaletschbiwak auf 3013 Metern. Heute sucht man es vergeblich.
Im Februar 2019 wurde das Biwak von einer Lawine vollständig zerstört. Die Wucht der Schneemassen riss die Unterkunft aus ihrer Verankerung und schleuderte sie mehrere Hundert Meter weit. Sie wurde nicht wieder aufgebaut und gehört heute nicht mehr zum Hüttenportfolio des SAC.
Damit erinnert ausgerechnet ein verschwundenes Biwak daran, wie exponiert diese kleinen Unterkünfte liegen.
Einfach bedeutet nicht einfach erreichbar
Die SAC-Biwaks in der Schweiz bieten wenig Komfort. Gerade darin liegt aber ihr Reiz. Sie ermöglichen Übernachtungen an Orten, an denen eine bewartete Hütte kaum denkbar wäre, und dienen gleichzeitig als wichtiger Schutzraum im Hochgebirge.
Einfach ist dabei nur die Unterkunft. Der Weg dorthin ist es häufig nicht. Mehrere der hier aufgeführten Biwaks sind ausschliesslich über Hochtouren erreichbar, andere verlangen sehr anspruchsvolles Bergwandern. Verhältnisse auf Gletschern und hochalpinen Zustiegen können sich zudem rasch verändern.
Wer eine Übernachtung plant, sollte deshalb nicht nur Schlafsack und Proviant einpacken, sondern vor der Tour unbedingt die aktuellen Angaben des SAC beziehungsweise der zuständigen Sektion zu Zustieg, Öffnung und Verhältnissen prüfen.

