Zuletzt aktualisiert am 15. Juni 2025 |

Die Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) stehen durch den Klimawandel vor gewaltigen Herausforderungen. Mit dem Projekt «Hütten 2050» untersucht der SAC, wie die veränderten Bedingungen auf die 152 Unterkünfte wirken. Erste Ergebnisse zeigen: Tauender Permafrost, zunehmende Naturgefahren und drastische Veränderungen in der Landschaft verlangen nach zukunftsweisenden Anpassungen.

Das Studienprojekt «Hütten 2050» basiert auf geografischen Analysen, die durch zwei Fachberichte sowie einen begleitenden Masterstudiengang ergänzt wurden. Die Ergebnisse sind alarmierend: Über ein Drittel der Hütten könnte durch tauenden Permafrost instabil werden. Zusätzlich sind 42 Hütten potenziell von Felsstürzen bedroht. Die Wasserversorgung wird ebenfalls immer anspruchsvoller. Anpassungen sind unumgänglich, um die Trinkwasserversorgung langfristig zu sichern. «Wir möchten auch künftigen Generationen unvergessliche Erlebnisse in unseren Hütten ermöglichen», betont Ulrich Delang vom SAC.

Zahl der Zustiege nimmt drastisch ab

Die Veränderungen in der Umgebung der Hütten sind ebenso drastisch. Heute können Gäste bei rund einem Drittel der SAC-Hütten noch einen Gletscher sehen. Bis 2050 wird dies nur noch bei 10 Prozent der Unterkünfte der Fall sein. Bis Ende des Jahrhunderts könnten die Gletscher rund um alle Hütten komplett verschwinden.

Das immer grösser werdende Gletschervorfeld auf dem Weg zum Aarbiwak
Gletschervorfeld auf dem Weg zum Aarbiwak SAC (Bild: Annette Brefin)

Gleichzeitig werden durch das Abschmelzen grössere Seen entstehen, die bei 21 Hütten in einem Umkreis von zwei Kilometern sichtbar sein werden. Auch die Zustiege ändern sich: Aktuell führen Sommer- und Winterwege bei 22 Hütten über Gletscher. In 25 Jahren wird dies voraussichtlich nur noch bei sechs Unterkünften möglich sein.

Massnahmen für eine sichere Zukunft

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, arbeitet der SAC mit Architekturstudenten der Berner Fachhochschule an Zukunftsszenarien. Diese umfassen bauliche Anpassungen, die Verlegung einzelner Hütten und in Extremfällen sogar den Rückbau. «Der Klimawandel zwingt uns, unsere Konzepte zu überdenken», erklärt Ulrich Delang vom SAC. Es gehe darum, die Sicherheit der Hütten zu gewährleisten und gleichzeitig den Bergsport unter veränderten Bedingungen zu ermöglichen. Ein Ansatz ist die Umwandlung von Alpinhütten in Bergwanderhütten, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

Ein aktuelles Beispiel ist die Mutthornhütte auf 2900 m ü. M., die seit Sommer 2022 wegen Felssturzgefahr und instabilen Bodens durch auftauenden Permafrost geschlossen ist. Die Hütte soll rund einen Kilometer westlich des jetzigen Standortes neu aufgebaut werden. Die Bauarbeiten sind im Laufe des Sommerhalbjahres 2025 vorgesehen. Weitere Informationen zum Bauprojekt findest du hier.

Visualisierung der neuen Mutthorn-Hütte
Visualisierung der neuen Mutthornhütte

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Klimawandel schon früher dramatische Auswirkungen auf alpine Hütten hatte. Ein bekanntes Beispiel ist die 1832 erbaute Stieregghütte, die als erste alpinsportliche Berghütte der Schweiz gilt und die ursprünglich am Fuss des Unteren Grindelwaldgletschers stand. Wegen des zurückweichenden Gletschers und der damit verbundenen Instabilität des Geländes kam es im Mai 2005 zu massiven Moränenabbrüchen. Insgesamt rutschten mehr als 400’000 m³ Geröll ins Tal, wodurch die Hütte unbewohnbar wurde.

Die Stieregg-Hütte 2005, kurz bevor sie kontrolliert abgebrannt wurde.
Die Stieregghütte 2005 (Bild: Hansruedi Burgener)

Nach weiteren Abbrüchen wurde die Stieregghütte am 3. Juni 2005 von der Feuerwehr kontrolliert abgebrannt. Als Ersatz wurde die rund 100 Meter höher gelegene Bäregghütte errichtet, die seit 2006 in Betrieb ist.

Grosse finanzielle Herausforderungen

Die notwendigen Anpassungen erfordern Investitionen in Millionenhöhe. Gelder aus dem SAC-Hüttenfonds reichen nicht aus, um alle Bauprojekte zu finanzieren. Der SAC setzt deshalb auf Partnerschaften und Spenden. Politische Unterstützung gibt es bereits: Der Nationalrat hat im Juni 2024 mit überwältigender Mehrheit ein Postulat des Walliser Nationalrats Benjamin Roduit überwiesen. Dieses verlangt die Erarbeitung eines Katalogs mit Anreizen oder Finanzhilfen, die die Anpassung an den Klimawandel sicherstellen sollen.

Das Projekt «Hütten 2050» zeigt eindrücklich, wie greifbar die Folgen des Klimawandels bereits sind. Nur durch gemeinsames Handeln können diese Herausforderungen gemeistert werden.

Quelle: SAC; Titelbild: Cabane du Mountet CAS, Bild: Bruno Hasler


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