Vom Klöntal über die Glärnischhütte nach Braunwald (T3)

Eine zweitägige Bergwanderung durch die grösste Karstlandschaft der Schweiz

Jedes Jahr im Frühling oder Herbst mache ich mit ein paar Freunden eine mehrtägige Bergtour. Der grösste Knackpunkt dabei ist jeweils die Terminfindung. Es ist schon erstaunlich, wie schwer es sein kann, mit 3 bis 4 arbeitstätigen Personen ein gemeinsames freies Wochenende zu finden.

Eine dieser Touren führte uns am ersten Tag vom Klöntalersee in die Glärnischhütte und am nächsten Tag durch das Dräckloch und die grösste Karstlandschaft der Schweiz nach Braunwald.

Etappe 1: Vorauen (850 m) – Chäseren (1272 m) – Glärnischhütte (1990 m) – 3 h

Vom Bahnhof Glarus bringt uns ein Regio-Bus nach Vorauen am Klöntalersee (Der Bus fährt jeweils nur von Mitte Juni bis Ende Oktober). Von der Haltestelle Vorauen geht es über eine kleine Strasse zur idyllisch gelegenen Alpsiedlung Chäseren. Weiter führt das Strässchen zur Alp Wäberen (1385 m), wo der eigentliche Wanderweg zur Glärnischhütte beginnt. Im Zick-Zack geht es dann erst ein Wiesenbord hinauf bis zu einem imposanten Felsriegel und dann weiter über Felsplatten und Wiesen zur Glärnischhütte. Die heiklen Stellen unter dem Felsriegel und auf den Platten sind gut mit Ketten abgesichert. Trotz ihrer 120 Plätzen ist die Glärnischhütte an schönen Sommerwochenenden nicht selten komplett ausgebucht. Eine Reservation empfiehlt sich also. Achtung: Ab dem 1. Juli 2012 gelten neue Fristen für Annullierungen in SAC-Hütten!

Nach einem Alphornkonzert, einem typischen und sehr leckeren Hüttenessen (Salat, Spaghetti Bolognese, Tee) und einer guten Flasche Rotwein ging’s ab ins Hüttenbett. Und nachdem das junge Paar, welches mit uns im Zimmer war, aufgehört hatte zu streiten (beide hatten offensichtlich vergessen, dass Alkohol in der Höhe doch etwas schneller wirkt), konnten wir auch endlich schlafen…

Abstecher zum Vrenselisgärtli (T4): Wer entsprechend ausgerüstet ist (Kleidung, Steigeisen, Klettergurt, Helm, Karabiner, Reepschnüre, Seil, etc.) kann von der Glärnischhütte über den Guppengrat und den Ruchen (2901 m) zum Vrenelisgärtli (2903 m) aufsteigen. Infos über die Begehbarkeit und die Schneeverhältnisse holt man sich erfahrungsgemäss am besten beim Hüttenwart.   

Das Firnfeld am Vrenelisgärtli ist der Ort, an welchem der Sage nach das Vreneli (kleine Verena) vor Zeiten einen Garten anlegen wollte. Die Pflanzung dort oben war eine Versuchung Gottes, und so begann es zur Strafe heftig zu schneien, und das Vreneli wurde samt der Schüssel, mit der es sich gegen den Schnee zu schützen versuchte, eingeschneit und blieb seither dort oben. Die Sage ist offensichtlich eine Reaktion auf die Abkühlung der Temperaturen in Mitteleuropa ab ca. 1300, als ein Klima, das wärmer war als das heutige, in mehreren Schüben durch ein erheblich kälteres abgelöst wurde (Kleine Eiszeit). Das Firnfeld ist übrigens im Sommer 2003 vollständig abgeschmolzen, aber Überbleibsel des Vreneli oder seiner Schüssel sind nicht gefunden worden. (Quelle: Wikipedia)

Etappe 2: Glärnischhütte (1990 m) – Dräckloch (1774 m) – Ergismatt (2082 m) – Kleiner Gumen (1901 m) – Braunwald (1256 m) 8 – 9 h

Am 2. Tag war bereits um 6 Uhr Tagwache. Nach einer Katzenwäsche und dem Frühstück füllten wir unsere Feldflaschen mit Tee. Es empfiehlt sich, reichlich Flüssigkeit und Proviant mitzunehmen. Der Weg nach Braunwald ist nämlich lang und es gibt bis kurz vor dem Ziel keine Verpflegungsmöglichkeiten.

Der Weg führt nun erst wieder etwas bergab Richtung Alp Wäberen. Kurz vor Punkt 1624 biegt der Weg dann scharf in südlicher Richtung ab und führt uns nach Bächistafel (1796 m). Auf diesem Teilstück sind die Wegmarkierungen zum Teil weiss-blau. Wegen der teils dichten Vegetation sind sie aber nicht immer gut zu erkennen.

Weiter geht es von Bächistafel über Zeinenstafel (1576 m) und Dräcklochstafel (1698 m) ins Dräckloch (1774 m). Das Dräckloch ist allerdings alles andere als ein solches. Es ist der Eingang zur grössten Karstlandschaft (Karrenlandschaft) der Schweiz. Regen und Schmelzwasser haben hier im Laufe der Jahrtausende auf ungeschützt offen liegenden Kalkplatten bizarre Formen von Rillen, Klüften und Terrassen hinterlassen. Dieses Labyrinth aus Stein ist allerdings nicht nur äusserst imposant und faszinierend: Trotz guter Markierung ist die Orientierung bei Nebel fast unmöglich. Ich rate deshalb davon ab, die Tour bei schlechtem Wetter zu machen, wenn man nicht ortskundig ist.

Vom Dräckloch führt der Weg über Punkt 1791 und 1853 zum Napf, weiter zu Punkt 1926, durch das Brunnalpeli zu Punkt 2139, unterhalb der Brunnalpelihöchi (2207 m). Bei Punkt 2139 zweigt der Weg in südöstlicher Richtung ab zur Ergismatt (2082 m), wo sich der Weg erneut teilt. Diesmal nehmen wir den Weg in nordöstlicher Richtung. Über Punkt 2056 und Bützi (2150 m) geht es hinunter über Punkt 1883. Dort beginnt der letzte kurze Anstieg dieser Tour auf den Gumen (1901 m). Nach einer grossen Portion Rösti und einem kühlen Weisswein brachte uns die Sesselbahn hinunter nach Braunwald.

Und wer noch 1 oder 1,5 Stunden Marschzeit anhängen will…

Variante 1 Etappe 2 (T3+): Bei Ergismatt (2082 m) in südöstlicher Richtung zum Bärentritt (2012 m) abzweigen. Der Bärentritt ist relativ steil und es braucht die Hände zum Weiterkommen. Die heiklen Stellen sind aber mit Seilen gesichert. Dann weiter über Ober Stafel (1602 m) und Punkt 1280 hinunter nach Braunwald.

Variante 2 Etappe 2: Nach dem Bützi bei Punkt 1883 in südwestlicher Richtung zum Ortstockhaus (1772 m) abzweigen und über Ober Stafel hinunter nach Braunwald.


In meinem Bergwelt-Blog findet man sowohl Wegbeschreibungen und dazugehörige Links als auch Informationen zu Restaurants, Hotels, Hütten sowie zu Tourismus- und Kletterregionen. Solche Angaben können sich natürlich immer mal wieder ändern oder veralten. Damit Nachwanderer und -kletterer immer auf dem aktuellsten Wissensstand sind, bitte ich um eure aktive Mithilfe. Aktualisierungen, Erfahrungen und/oder eigene Wandertipps könnt ihr auf bergwelt.wordpress@bluewin.ch hinterlassen.

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