Der Schweizer Alpen-Club diskutiert derzeit über deutlich höhere Preise in seinen Hütten. Hintergrund ist ein Streit um den zentralen Hüttenfonds, aus dem Renovationen und Neubauten finanziert werden. Weil dem Fonds in den kommenden Jahren Millionendefizite drohen könnten, möchte der SAC-Zentralverband mehr Geld von den Sektionen einfordern. Für viele Hütten würde das wohl höhere Übernachtungspreise, teurere Konsumationen und steigende Pachtkosten bedeuten.
Die Kritik daran ist verständlich. Wer regelmässig in SAC-Hütten unterwegs ist, merkt schon heute, dass eine Übernachtung längst kein günstiges Bergerlebnis mehr ist. Gerade Familien überlegen sich mittlerweile zweimal, ob sie mehrere Nächte auf Hütten buchen wollen. Der SAC darf nicht in eine Richtung kippen, in der Hütten nur noch für gut verdienende Gäste problemlos bezahlbar sind.
Gemäss einem Bericht der NZZ sollen die Preise teilweise um über 25 Prozent steigen. Gleichzeitig sind die SAC-Hütten so gefragt wie lange nicht mehr: 2025 verzeichneten sie mit 409’000 Übernachtungen einen neuen Rekord. Die Nachfrage nach Bergerlebnissen ist also weiterhin gross. Genau das macht die Diskussion auch so heikel: Die Hütten sind populär wie selten zuvor und trotzdem reicht das Geld offenbar langfristig nicht mehr aus.
Zwar flossen 2024 nochmals 2,2 Millionen Franken in den Hüttenfonds. Ende Jahr befanden sich dort noch 14,2 Millionen Franken. Das klingt zwar nach viel Geld, relativiert sich aber schnell angesichts der erwarteten Investitionen und der zahlreichen anstehenden Sanierungen. Bereits vor zwei Jahren warnte der SAC, dass der Fonds ab 2030 ausgeschöpft sein könnte, wenn sich die Entwicklung so fortsetzt.
Die Bergwelt ist nicht mehr dieselbe wie früher
Trotzdem greift es zu kurz, einfach über «Abzocke» oder einen abgehobenen Zentralverband zu schimpfen. Die Realität in den Alpen hat sich verändert und zwar massiv.
Viele SAC-Hütten stehen heute vor Problemen, die es früher kaum gab. Eine Studie von 2025, die der SAC selbst in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass potenziell jede dritte Hütte gefährdet ist. Gründe dafür sind auftauender Permafrost, zunehmende Felssturzgefahr und schwindende Wasserressourcen. Wege müssen verlegt oder gesichert werden. Wasser- und Energieversorgung werden komplexer. Gleichzeitig sind Bauprojekte in den Bergen extrem teuer geworden. Wer schon einmal beobachtet hat, wie Material per Helikopter auf eine Baustelle geflogen wird, versteht schnell, weshalb selbst kleinere Umbauten inzwischen Millionen kosten können.
Der SAC-Zentralverband rechnet deshalb bis 2040 mit jährlichen Ausgaben von 20 bis 25 Millionen Franken für Hüttenbauprojekte. Das zeigt die Dimension des Problems ziemlich deutlich.
Dazu kommt: Auch die Gäste haben sich verändert.
Die Ansprüche steigen ständig
Früher war eine SAC-Hütte oft wirklich einfach. Massenschlag, wenig Komfort, einfache Küche, fertig. Heute erwarten viele Gäste deutlich mehr. Vegetarische oder vegane Menus sind selbstverständlich geworden. Es braucht funktionierende Online-Reservationen, Lademöglichkeiten für Geräte, oft kleinere Zimmer und möglichst noch warmes Duschwasser.
Das Problem dabei: Viele wünschen sich weiterhin die romantische Vorstellung der einfachen SAC-Hütte, gleichzeitig sollen Komfort, Infrastruktur und Angebot aber immer besser werden. Genau dieser Spagat kostet Geld.
Ich verstehe deshalb den SAC-Zentralverband durchaus, wenn er sagt, dass die bisherigen Finanzierungsmodelle langfristig nicht mehr reichen könnten. Die Alpen sind kein Freilichtmuseum. Die Hütten müssen unterhalten, saniert und teilweise komplett neu gebaut werden.
Nicht jede Hütte muss ein Vorzeigeprojekt sein
Trotzdem gibt es auch berechtigte Kritik an der Entwicklung. Tatsächlich hatte man in den letzten Jahren bei einzelnen Projekten manchmal das Gefühl, dass einfache Berghütten immer stärker zu architektonischen Prestigeobjekten werden. Natürlich darf eine moderne Hütte gut gebaut sein. Aber nicht jede SAC-Hütte muss am Ende wirken wie ein alpines Designhotel mit maximalem Komfortanspruch.
Gerade das Einfache gehört schliesslich zur Hüttenkultur. Viele Berggänger suchen nach wie vor genau das: einen unkomplizierten Ort inmitten der Berge und nicht eine perfekte Hotelwelt auf 2500 Metern.
Der SAC muss einen Mittelweg finden
Genau darin liegt nun die eigentliche Herausforderung. Der SAC muss seine Hütten finanzieren können, ohne dabei seine eigene Kultur zu verlieren. Einfach alles immer teurer zu machen, wird langfristig kaum funktionieren. Gleichzeitig wäre es aber genauso unrealistisch zu glauben, man könne SAC-Hütten 2026 noch betreiben wie vor dreissig oder vierzig Jahren.
Die Berge sind teurer geworden. Der Unterhalt ist aufwendiger geworden. Und die Erwartungen der Gäste sind ebenfalls gestiegen. Der entscheidende Punkt wird deshalb sein, dass der SAC den Mittelweg nicht verliert: moderne und sichere Hütten, aber ohne daraus ein Luxusprodukt für wenige zu machen.
Wie dieser Mittelweg konkret aussehen soll, entscheidet sich möglicherweise bereits am 13. Juni. Dann stimmen die Abgeordneten der SAC-Sektionen über die geplanten Beitragserhöhungen ab.

