Der Schweizer Alpen-Club SAC arbeitet derzeit an einem Corona-Schutzkonzept für Berghütten. Er hofft, dass die Berggasthäuser mit entsprechenden Vorkehrungen spätestens am 8. Juni ihren Betrieb wieder aufnehmen können.

Update 29.4.: Der Bundesrat hat entschieden, dass Berghütten und -restaurants ab dem 11. Mai unter Einhaltung der Corona-Schutzmassnahmen wieder öffnen dürfen.

Doch ist die Einhaltung der Verhaltensregeln in den Bergen überhaupt machbar? Insbesondere das Abstand halten dürfte vor allem in kleinen Hütten oder auf schmalen Wegen kaum möglich sein.

Berghütten und -restaurants

Ich gehe davon aus, dass die Situation in den Berghütten ähnlich sein wird, wie die in den Restaurants im Tal: Wer über ein genügend grosses Platzangebot verfügt und es sich finanziell leisten kann, in den Schlaf- und Essensräumen sowie auf Terrassen einen Teil der Plätze zu streichen, wird auch die Abstandsregeln einhalten und somit öffnen können. Das sind beispielsweise die Monte-Rosa-Hütte mit 120 Schlafplätzen, die Almagellerhütte (120), die Cabane du Trient (128), die Capanna Christallina (120) oder die Glärnischhütte (110). Schwierig bis fast unmöglich dürfte es für kleine Hütten, wie die Bifertenhütte (24 Schlafplätze), die Dammahütte (20) oder die Grathütte (15) werden. Die Frage ist zudem, ob die Schlafräume in den Hütten überhaupt geöffnet werden (dürfen), weil sich die Leute darin ja über mehrere Stunden gemeinsam aufhalten. Wenn eine unwissentlich infizierte Person in einem solchen Raum in der Nacht ein paarmal hustet und die Viren in der Luft verteilt werden, bringt auch ein grösserer Abstand zwischen den Betten vermutlich nichts.

Und auch für das Hüttenpersonal dürfte die Einhaltung der Abstandsregeln nicht ganz einfach umzusetzen sein, da der Wohnraum für das Personal in Hütten in der Regel ja eher knapp bemessen ist und man sich zwangsläufig nahekommt. Wenn allerdings weniger Gäste in die Hütte kommen dürfen, braucht es vermutlich auch weniger Personal, was die Situation etwas entschärfen könnte.

Wanderwege

Auch auf Wanderwegen kommt man sich zuweilen sehr nahe. 1.5 bis 2 Meter Abstand zu halten ist vor allem beim Kreuzen oftmals schlicht nicht möglich. Konsequenterweise müssten solche Wege deshalb gesperrt werden, was allerdings weder realistisch noch wünschenswert ist. Und weil vermutlich kaum jemand im Hochsommer mit Schutzmaske wandern gehen wird, wird es wohl darauf hinauslaufen, dass man sich in solchen Fällen möglichst schnell kreuzt und auf das obligate «Grüezi» verzichtet, um eine Tröpfchenübertragung zu verhindern.

An- und Abreise

Ab der kommenden Woche fahren die ÖV-Anbieter in der Schweiz ihr Angebot langsam wieder hoch. Und weil gleichzeitig auch erste Geschäfte wieder öffnen dürfen, werden auch wieder mehr Menschen im ÖV unterwegs sein und sich näherkommen. Konflikte zwischen Wanderern und Menschen, die mit dem Bus oder der Bahn zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt fahren müssen, sind vorprogrammiert. Um solche Konflikte zu vermeiden, haben beispielsweise die Autobetriebe Walensee-Amden bereits beschlossen, dass sie bis auf weiteres keine Wanderer mehr befördern. Zwar ist diese Massnahme verständlich, sie wird aber vermutlich dazu führen, dass die Leute nun halt einfach vermehrt mit dem Auto anreisen, was eigentlich auch nicht Sinn der Sache ist. Wenn immer möglich sollte man deshalb als Wanderer Busse und Bahnen in den kommenden Wochen nicht während den Stosszeiten nutzen.

Fazit

Auch wir Bergsportler werden uns an Veränderungen gewöhnen müssen. Wie diese genau aussehen, wissen wir voraussichtlich Anfang Mai. Dann will der SAC sein Schutzkonzept für Berghütten präsentieren.

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