Die neuen Preise der Säntisbahn haben Anfang Juli für heftige Diskussionen gesorgt. Vor allem Besitzer eines Halbtax oder GA reagieren verärgert. Denn für sie wird die Fahrt auf den Säntis ab Ende 2026 deutlich teurer. Wer kein Halbtax besitzt, profitiert dagegen sogar von tieferen Preisen.
Die Säntisbahnen treten aus der Alliance Swiss Pass aus und können somit ihre Preise für Berg- und Talfahrten auf den Säntis selber bestimmen. Bislang zahlten Erwachsene mit Halbtax oder Generalabonnement (GA) für eine einfache Fahrt 19 statt 38 Franken, für beide Wege waren es 29 statt 58 Franken.
Künftig zahlen alle gleich viel, und zwar 50 Franken für eine Berg- und Talfahrt einer erwachsenen Person. Für Gäste ohne Halbtax wird die Fahrt auf den Säntis damit acht Franken günstiger. Wer ein Halbtax besitzt, zahlt hingegen 21 Franken mehr.
Mit dem neuen Modell schaffe man einen «transparenten Preis für alle», begründet die Säntisbahn den Entscheid. Transparent ja, aber auch fair, fragen sich viele Kritiker. Warum soll ein Einheitspreis fairer sein, wenn Halbtax-Besitzer künftig für eine Berg- und Talfahrt 50 statt 29 Franken zahlen, also 72 Prozent mehr?
«Weil wir es auf das reduzieren, was wirklich zählt: gleiche Leistung, gleicher Preis», sagt Säntisbahn-Geschäftsführer Jakob Gülünay gegenüber Bergwelt.me. «Bei unseren Gästen ist die Situation klar: Rund ein Drittel kommt heute mit Halbtax oder GA. Für diese Gruppe wird es teurer», so Gülünay weiter.
«Das alte System begünstigt einen kleineren Teil unserer Gäste. Wir schaffen Klarheit: ein Berg, ein Preis.» – Jakob Gülünay
Die anderen zwei Drittel seien Vollzahler oder kämen über Kombiangebote. Für sie werde es künftig einfacher oder günstiger. Gleichzeitig würden Familien deutlich entlastet, erklärt der Säntisbahn-Geschäftsführer. Ein Blick auf die neue Preistabelle bestätigt das: Jugendliche (6-16 Jahre) zahlen neu 10 statt 29 Franken für eine Berg- und Talfahrt, Kinder unter 6 Jahren fahren gratis und wer Geburtstag hat, erhält 50 Prozent Ermässigung.
Halbtax ist beliebt in der Schweiz
Das Halbtax und das GA gehören für viele zur DNA von Herr und Frau Schweizer. Ende 2025 waren über 3,45 Millionen Halbtax im Umlauf. Damit bleibt es das beliebteste Abonnement der Schweiz. Die Zahl der Generalabonnemente lag bei rund 423’000. Ein Kritikpunkt lautet deshalb: Die neue Preisstruktur treffe nicht einfach irgendeine kleine Gruppe, sondern ausgerechnet jene, die den öffentlichen Verkehr regelmässig nutzen – und damit häufig auch regionale Stammgäste und Einheimische.
Für Gülünay heisst «Halbtax» aber nicht automatisch einheimisch. «Einige regionale Stammgäste haben ein Halbtax, aber genauso viele Gäste von weiter weg, und umgekehrt gibt es auch Einheimische ohne Halbtax. Genau deshalb machen wir diese Unterscheidung nicht mehr», erklärt er. Man unterscheide künftig weder nach Karte noch nach Herkunft, sondern nur noch nach Nutzung. Und: «Wer oft kommt, fährt mit dem Jahresabo besser, wer einmal kommt, profitiert vom tieferen Regulärpreis», so Gülünay.

Teil der neuen Tarifstrategie sind auch drei Abonnemente: ein Winterabo für 190 Franken, ein Sommerabo für 290 Franken und ein Jahresabo für 390 Franken. Doch auch diese neuen Angebote sorgten für Kritik. Spontane Besuche würden für Einheimische so weniger attraktiv, hiess es. Die Abonnemente seien bewusst für Vielnutzer gemacht worden, erklärt Gülünay. Aber der spontane Besuch werde dadurch nicht unattraktiver.
Entscheidend sei aber, dass hier ein falscher Vergleich gemacht werde: «Man stellt den alten Halbtaxpreis von 29 Franken einem neuen Abo gegenüber, das es so bisher gar nie gab», sagt Jakob Gülünay. «Die Abos sind eine neue Option für alle, die den Säntis regelmässig nutzen. Wer heute spontan kommt, zahlt neu einen klaren und einfachen Preis von 50 Franken.»
Man trenne damit bewusst zwischen einmaligem Besuch und regelmässiger Nutzung. Wer oft komme, fahre besser. Wer spontan komme, habe mehr Klarheit. «Einfacher als heute. Ehrlicher als heute», so Gülünay.
Warum der Austritt aus der Alliance Swiss Pass?
Verkehrsmittel, die in der Schweiz Halbtax- und/oder Generalabonnemente akzeptieren, müssen Mitglied in der Alliance Swiss Pass sein. Aus dieser ist die Säntisbahn ausgetreten, weil das «System für den öffentlichen Verkehr und nicht für touristische Bergbahnen gemacht sei».
«Die Mitgliedschaft hat uns in Preis, Geschwindigkeit und Produkt stark eingeschränkt», erklärt Gülünay. «Wir sind kein subventionierter Betrieb und tragen unser Risiko selbst, mussten aber Preise Monate im Voraus festlegen, weil sie im System hinterlegt werden müssen, und konnten auf kurzfristige Entwicklungen praktisch nicht reagieren.»
Gleichzeitig hätten auch Tarifänderungen im öffentlichen Verkehr direkte Auswirkungen auf die Bahn gehabt, ohne dass man Einfluss darauf gehabt hätte. Angebote wie die neuen Abomodelle wären gemäss Gülünay in diesem System gar nicht möglich gewesen. «Mit dem Ausstieg gewinnen wir genau das zurück: Wir bestimmen unsere Preise selbst, können von einem Tag auf den anderen handeln und ein Angebot entwickeln, das zu einem touristischen Bergbetrieb passt», so Gülünay.
Für viele Halbtax-Besitzer dürfte diese neue Flexibilität allerdings wenig Trost sein. Sie bezahlen künftig deutlich mehr für die Fahrt auf den Säntis.

