Seit den LawinenabgÀngen am SÀntis Mitte Januar steht die bekannte SÀntis-Schwebebahn im Alpstein still. Ob der Betrieb in diesem Jahr wieder aufgenommen werden kann, ist noch ungewiss.

Blick auf die Churfirsten, im Vordergrund die SĂ€ntisbahn

Am Donnerstag, 10. Januar 2019 um halb fĂŒnf Uhr nachmittags ging am SĂ€ntis eine gewaltige Lawine ab, die auf der SchwĂ€galp einen Teil des Hotels SĂ€ntis traf. Im ersten Stock des GebĂ€udes wurden Fenster eingedrĂŒckt und im Speisesaal des Restaurants lag haufenweise Schnee. Ausser drei Leichtverletzten gab es keine PersonenschĂ€den. GlĂŒck im UnglĂŒck könnte man also sagen, zumal das Hotel in zwei Lawinengefahrenzonen steht – der Grossteil des GebĂ€udes in der gelben Zone, ein kleiner Teil in der blauen Zone. (Details zu den Gefahrenzonen findest du am Ende des Artikels)

Hunderte Freiwillige haben in den folgenden Tagen geholfen, das Hotel wieder auf Vordermann zu bringen und die Umgebung von den Schneemassen zu befreien. Nachdem das Hotel und das Restaurant den Betrieb schon bald wieder aufnehmen konnten, sollte eine Woche spĂ€ter auch die Schwebebahn wieder fahren. Doch daraus wurde nichts. Spezialisten haben auf einer Dienstfahrt festgestellt, dass eine zweite Lawine, die in der Nacht abging, die erste StĂŒtze getroffen und beschĂ€digt hat. Die Tragwerkkonstruktion der 54 Meter hohen StahlstĂŒtze ist verbogen, die Sicherheit der FahrgĂ€ste kann nicht mehr gewĂ€hrleistet werden. Und deshalb steht die Bahn seit dem 17. Januar still.

Die traditionelle SĂ€ntisabfahrt an Karfreitag fĂ€llt somit schon mal ins Wasser. Erneut, muss man sagen. 2018 wurde sie wegen zu grosser Lawinengefahr abgesagt. Noch unklar ist, ob die Bahn in diesem Jahr ĂŒberhaupt fahren kann, denn die beschĂ€digte StĂŒtze muss ersetzt werden. Mit den Arbeiten kann allerdings erst begonnen werden, wenn der Schnee geschmolzen ist und das kann in diesen Höhenlagen noch einige Wochen dauern.

Es geht auch ohne Bahn

Vor allem fĂŒr die Betreiber der Restaurants auf dem SĂ€ntis sind diese Aussichten sicherlich alles andere als rosig. FĂŒr Wanderer, die in den Bergen weniger auf Touristenmassen stehen, könnte ein Ausfall der Bahn aber schon fast ein kleiner GlĂŒcksfall sein. 😉 2018 hat die SĂ€ntis-Schwebebahn 435’000 Menschen auf den Gipfel gefahren. Solche Menschenmengen wird man ohne Bahn auf dem SĂ€ntisgipfel sicherlich nicht antreffen.

Und so kommt man ohne Bahn hoch und wieder runter:

FĂŒr konditionell weniger trainierte Wanderer empfiehlt sich die kĂŒrzeste Route auf den Gipfel, die auf der SchwĂ€galp beginnt und ĂŒber die Tierwies und die Himmelsleiter fĂŒhrt. Mit Auf- und Abstieg dauert die Tour rund 6 bis 7 Stunden.

Ebenfalls relativ kurz sind die Aufstiege durch die Nasenlöcher oder ĂŒber die Chammhalde und den Girenspitz. Diese beiden Routen sind allerdings technisch anspruchsvoller (blau-weiss) und man braucht stellenweise die HĂ€nde zum VorwĂ€rtskommen.

Etwa 5 Stunden dauert der Aufstieg ĂŒber GamplĂŒt (Wildhaus), den Rotsteinpass und den Lisengrat. Mit dem Abstieg ĂŒber die Tierwies dauert die Tour rund 7 bis 8 Stunden. Wer ĂŒber den Lisengrat kommt, sollte trittsicher und schwindelfrei sein.

Und am meisten Zeit muss einberechnen, wer von Wasserauen her auf den Gipfel kommt – beispielsweise ĂŒber die Meglisalp, den Rotsteinpass und den Lisengrat oder via Mesmer, WagenlĂŒcke und Gross Schnee. Mit dem Abstieg ĂŒber die Tierwies zur SchwĂ€galp dauert eine SĂ€ntistour dann rund 10 Stunden.

Hast du Fragen zu den erwĂ€hnten oder weiteren Routen? Schreib sie mir in die Kommentarspalte! âŹ‡ïž


Hintergrundwissen zu den Lawinen-Gefahrenstufen in der Schweiz

In der Schweiz mit ihren vielen Bergen und bewohnten Bergebieten leben etliche Menschen in Lawinengefahrenzonen, wie die Zahlen und Gefahrenkarten der kantonalen Behörden zeigen. Sogar das WEF in Davos steht teilweise in einer blauen Zone und verfĂŒgt deshalb, wie ĂŒbrigens auch das Hotel SĂ€ntis, ĂŒber ein eigenes Lawinenkonzept.

Die Gefahrengebiete in der Schweiz sind farblich aufgeteilt in die Zonen Rot, Blau und Gelb.

  • Rote Zonen: Personen sind sowohl innerhalb als auch ausserhalb von GebĂ€uden gefĂ€hrdet. Es muss mit der plötzlichen Zerstörung von GebĂ€uden gerechnet werden.
  • Blaue Zonen: Innerhalb von GebĂ€uden sind Personen kaum gefĂ€hrdet, jedoch ausserhalb davon. Es muss mit SchĂ€den an GebĂ€uden gerechnet werden.
  • Gelbe Zonen: Personen sind kaum gefĂ€rdet, an GebĂ€uden sind nur geringe SchĂ€den zu erwarten.

Letzmals starben in der Schweiz 1999 bei einem Lawinenabgang fĂŒnf Menschen in einem GebĂ€ude. Dass es in der Schweiz verhĂ€ltnismĂ€ssig wenige Todesopfer und geringe SchĂ€den durch Lawinen gibt, liegt gemĂ€ss Experten daran, dass hierzulande schon lange Gefahrenkarten erstellt werden und in entsprechenden Gebieten strikte Bauauflagen gelten. Nur unter solchen Auflagen durfte auch das Hotel SĂ€ntis gebaut werden. Dazu kommt, dass am SĂ€ntis im Winter zwar immer mal wieder Lawinen abgehen, aber nicht in dieser Grösse und nicht an dieser Stelle. Die letzte grosse Lawine kam 1942 bis zur SchwĂ€galp und beschĂ€digte die Talstation der SĂ€ntisbahn.

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