Der Kletterseig Pinut – eine Via Ferrata hoch über Flims

Klettersteige haben mich bislang nicht wirklich interessiert. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum ich mit Hilfe von Leitern eine Felswand hoch soll, wenn ich sie doch auch klettern könnte. Auf Einladung des Bergsportausrüsters Salewa habe ich gestern dann doch einmal einen Klettersteig in Angriff genommen – und zwar den historischen Pinut in Fidaz, oberhalb von Flims. Und ich muss gestehen: Es hat Spass gemacht! Offiziell hat der Pinut den Schwierigkeitsgrad K4, also schwierig. Da der Steig aber überall sehr gut abgesichert ist und keine Überhänge aufweist, eignet er sich meiner Meinung nach auch für Einsteiger.

Ausgangspunkt der Tour ist Fidaz. Dorthin gelangt man entweder mit dem Auto (Achtung: nur wenige gebührenpflichtige Parkplätze) oder mit dem Arena-Shuttle von Flims aus. Bis zum Einstieg des Klettersteigs folgt man dem blau-weissen Wegweiser. Nach rund 30 Minuten steht man bereits vor der ersten Leiter. Die Tour führt anschliessend 700 Höhenmeter über drei fast senkrechte Felsstufen, die jeweils durch kurze Wald- und Wiesen-Passagen unterbrochen werden. Die Dauer des Aufstiegs beträgt rund 2 Stunden, die gesamte Route ist sehr gut abgesichert.

Die Höhepunkte der Tour waren für mich die Höhle und der Tunnel, durch die man bereits in der 1. Felsstufe kommt. In den weiteren Felsstufen ist das Gelände nicht mehr ganz so spektakulär, dafür wird die Aussicht immer imposanter.

Auf dem Gipfel (2054 m) angekommen bietet sich die Möglichkeit, sich im Alpenkiosk Tegia Pinut mit Getränken oder kleinen Snacks zu versorgen, bevor man eine der drei Abstiegsvarianten in Angriff nimmt. Zur Bushaltestelle Bargis dauert es rund eine Stunde, bis nach Fidaz sind es zwei Stunden. Wer noch etwas höher hinauf möchte, gelangt in rund zwei Stunden zum Cassons (2637 m) und von dort aus mit der Bahn hinunter nach Flims.

Der Pinut ist der älteste noch bestehende Klettersteig der Schweiz. Erstmalig wird er 1739 schriftlich erwähnt. In der heutigen Form besteht er seit 1907 und wurde im Sommer 2007 nach einer kompletten Sanierung neu eröffnet. Eine detaillierte Routenbeschreibung findet ihr hier.

Als angefressener Klettersteiggänger möchte ich mich nach diesem ersten Versuch zwar (noch) nicht bezeichnen, aber es wird ziemlich sicher nicht die letzte Tour dieser Art gewesen sein. Allerdings wird es das nächste Mal wohl eine etwas anspruchsvollere Route sein.

Das Entstehen des heutigen Klettersteigs (ital. Via Ferrata = Eisenweg) kann gemäss Wikipedia in drei „Epochen” unterteilt werden:

Bau der ersten Klettersteige in Europa

Ab 1843 begann man unter der Leitung von Friedrich Simony mit dem Bau des ersten Klettersteigs in Europa am Dachstein, wobei Eisenzapfen, Handhaken, eingemeisselte Tritte uns ein Schiffstau als Steighilfen verwendet wurden. Es folgten 400 m Seilsicherungen 1869 am Grossglockner, 1873 ein Klettersteig auf die Zugspitze, in den Pyrenäen erhielten 1880 der Midi d’Ossau und 1881 der Ordesa eiserne Aufstiegshilfen. In den Dolomiten wurde die Marmolata 1903 als klassischer Klettersteig ausgerüstet.

Weltkriegs-Steige

Viele sehen den Ursprung der modernen Klettersteige im Ersten Weltkrieg. Österreich-Ungarn führte in Südtirol und im Gebiet des heutigen Slowenien einen Gebirgskrieg gegen Italien, in dem um jeden Gipfel gekämpft wurde. Dafür mussten natürlich Zugangswege für Patrouillen und Nachschub geschaffen werden. Ein Beispiel ist der sogenannte Leiternsteig am Toblinger Knoten in den Sextener Dolomiten.

Moderne Sportklettersteige

Neuzeitliche Steige unterscheiden sich meist durch besondere Attraktionen oder Schwierigkeiten von den herkömmlichen Steigen. Beispielsweise werden Überhänge oder Seilbrücken in den Steig miteinbezogen. Diese Steige sind meist aus der Überlegung heraus angelegt, dem sportlichen Bergtouristen neue Herausforderungen zu bieten. Initiatoren sind oftmals die örtlichen Tourismusverbände oder Seilbahngesellschaften.

In den vergangenen Jahren erlebten Klettersteige vor allem in den Westalpen einen Boom. In den Alpen der Schweiz werden jedes Jahr etwa 10 neue Klettersteige eingeweiht. Eine Übersicht der schönsten Klettersteige der Schweiz gibt es im aktuellen Klettersteigführer von Salewa.


In meinem Bergwelt-Blog findet man sowohl Wegbeschreibungen und dazugehörige Links als auch Informationen zu Restaurants, Hotels, Hütten sowie zu Tourismus- und Kletterregionen. Solche Angaben können sich natürlich immer mal wieder ändern oder veralten. Damit Nachwanderer und -kletterer immer auf dem aktuellsten Wissensstand sind, bitte ich um eure aktive Mithilfe. Aktualisierungen, Erfahrungen und/oder eigene Wandertipps könnt ihr auf bergwelt.wordpress@bluewin.ch hinterlassen.

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