Während viele SAC-Hütten in Richtung Komfort und Design aufgerüstet werden, geht die Cavardirashütte oberhalb von Disentis bewusst einen anderen Weg. Der geplante Neubau setzt auf Schlichtheit, Funktionalität und alpine Authentizität statt auf mehr Luxus.
Die Hütte auf 2649 Metern über Meer wird von der SAC-Sektion Winterthur neu gebaut. Ziel ist nicht Modernisierung, sondern die Rückbesinnung auf das ursprüngliche Hüttenerlebnis. Die Zeit des Wellness-Wanderns sei vorbei, sagt Hans Peter Boller, Vizepräsident der Sektion. Seit der Corona-Zeit beobachtet der SAC eine wachsende Nachfrage nach einfachen, gemeinschaftlichen Hüttenerlebnissen statt Rückzug und Komfort.
Vom Sanierungsprojekt zum Neubau
Ursprünglich war eine Sanierung der 1928 erbauten Hütte geplant. Neue Fenster, Aufenthaltsräume und eine bessere Ausstattung sollten den Bau modernisieren. Doch eine stark geschädigte Holzkonstruktion machte das Projekt untragbar, die Kosten stiegen massiv. «Eine Sanierung erwies sich als ein Fass ohne Boden», so Boller. Die Sektion entschied sich für einen Ersatzneubau.

Reduktion statt Aufrüstung
Der Neubau verzichtet bewusst auf vieles, was in anderen Hütten Standard geworden ist. Es gibt keine Duschen für Gäste, keine Zweierzimmer und keine architektonischen Inszenierungen. Stattdessen entstehen Mehrbettzimmer mit vier bis zwölf Betten. Die Zahl der Schlafplätze sinkt von 65 auf 44, die Bettbreite steigt dafür von 60 auf 90 Zentimeter. Die Hütte soll ein Ort des Zusammenseins bleiben. Für das Hüttenteam entstehen funktionale Personalräume mit besserem Raumklima.

Architektur mit Haltung
Der Entwurf «Orthogonal» stammt vom Luzerner Architekturbüro Roman Hutter, das bereits die Dammahütte im Kanton Uri realisiert hat. Die Architektur tritt bewusst zurück, die Räume sind klar strukturiert und auf minimale Verkehrsflächen optimiert. Gebaut wird mit vorfabrizierten Holzelementen aus dem Tal, transportiert mit möglichst wenigen Helikopterflügen. Ziel ist maximale Funktionalität bei minimaler Umweltbelastung.

Technik und Nachhaltigkeit
Die neue Hütte wird vollständig mit Solarstrom betrieben und auf autonomen Betrieb ausgelegt. Die kompakte Bauform und eine gut gedämmte Hülle reduzieren den Energiebedarf, gekocht wird weiterhin mit Gas. Ein doppelt so grosser Wassertank im frostgeschützten Innenraum und mehrere Wasserquellen erhöhen die Versorgungssicherheit. Damit reagiert die Sektion auf die Wasserknappheit im Sommer 2022, als der Betrieb stark eingeschränkt war.
Kosten, Finanzierung und Zeitplan
Die Baukosten betragen rund 3,26 Millionen Franken. Ein Drittel übernimmt der SAC-Zentralverband, weitere Mittel stammen aus dem Hüttenfonds der Sektion, öffentlichen Beiträgen, Stiftungen und Spenden. Der Baustart ist für Sommer 2026 geplant, die Eröffnung für Sommer 2028, genau 100 Jahre nach der ursprünglichen Einweihung.
Stand Januar 2026 sind rund 3 Millionen Franken gesichert. Für die noch fehlenden rund 260’000 Franken ist die Sektion weiterhin auf Unterstützung angewiesen.
Hier kannst du den Neubau der Cavardirashütte unterstützen: www.cavardiras2024.ch/ersatzneubau
Ein bewusstes Statement
Die einfache Struktur, die Reduktion auf das Wesentliche und robuste Materialien entsprechen dem Konzept der neuen Einfachheit, sagt Hanspeter Bürgi, Präsident der SAC-Hüttenkommission. Die Cavardirashütte ist kein Rückschritt, sondern ein klares Bekenntnis zur Einfachheit, zur Umwelt und zur Idee der Berghütte als ehrlichem, funktionalem Ort in den Bergen.

