Im frischen Pulverschnee durch verschneite Wälder ziehen gehört für viele zum Wintererlebnis dazu. Doch genau dort, wo Schneeschuhläufer, Skitourengeher oder Winterwanderer unterwegs sind, lebt ein scheuer und stark gefährdeter Vogel. Wer im Winter draussen unterwegs ist, sollte Rücksicht auf das Auerhuhn nehmen.

Der Bestand des Auerhuhns in der Schweiz hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als halbiert. Heute leben noch rund 380 bis 480 Hähne und etwa gleich viele Hennen in den hiesigen Wäldern. Damit gilt die grösste europäische Hühnervogelart als stark gefährdet und steht auf der Roten Liste. In vielen Regionen ist das Auerhuhn mittlerweile verschwunden. Umso wichtiger ist der Schutz der verbliebenen Lebensräume, besonders in der kalten Jahreszeit.

Störungen im Winter kosten Energie

Anders als viele vermuten, kommt das Auerhuhn mit dem Winter gut zurecht. Es verharrt tagelang auf Nadelbäumen, frisst Nadeln und spart Energie. Sein Gefieder ist extrem dicht, die Füsse sind befiedert und mit Hornstiften ausgestattet. Doch sobald Menschen durch den Lebensraum ziehen, gerät das Tier in Stress. Flucht kostet Kraft, die im Winter überlebenswichtig ist. Wiederholte Störungen können tödlich enden, vor allem für geschwächte Hennen und Jungvögel.

Deshalb sind Wildruhezonen essenziell. Wer draussen unterwegs ist, sollte sich vor der Tour über solche Zonen informieren und sie konsequent respektieren. Sie schützen nicht nur das Auerhuhn, sondern auch andere empfindliche Wildtiere wie Gämse, Rehe oder Birkhühner. Eine Übersicht der Wildruhezonen in der Schwez findest du hier.

Schutzmassnahmen zeigen Wirkung

In der Zentralschweiz zeigen Schutzprojekte erste Erfolge. «Im Kanton Schwyz gelang es zwischen 2016 und 2021, die Population um rund 20 Prozent zu vergrössern», sagt Pierre Mollet von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Auch im Kanton Zug wurde ein grösserer Waldkomplex wieder besiedelt. Möglich wurde das durch Auflichtung von Wäldern, gezielte Lebensraumaufwertungen und die Einrichtung von Wildruhezonen. Der Aktionsplan Auerhuhn Schweiz zeigt Wirkung, wenn die Störungen gering bleiben.

Denn Jungvögel suchen aktiv neue Reviere. Sie wandern dorthin, wo lichte Nadel- oder Mischwälder mit Beerensträuchern und Bodenvegetation vorhanden sind und wo es ruhig ist. Das gilt vor allem im Winter.

Der grösste Hühnervogel Europas

Das Auerhuhn lebt ganzjährig im gleichen Gebiet, meist zwischen 1000 und 2000 Metern über Meer. In der Schweiz kommt es noch in den nördlichen Voralpen, im westlichen Jura und in den Zentralalpen Graubündens vor. Die Balz findet im Frühjahr statt, doch wer das Spektakel einmal erlebt hat, vergisst es nicht. Hähne mit gefächertem Schwanz, gesträubten Federn und eigenwilligem Gesang. Doch diese Szenen werden immer seltener.

Das Auerhuhn gehört zur Gruppe der Raufusshühner und ist mit einer Körperlänge von 60 bis 87 Zentimetern und einer Spannweite von bis zu 125 Zentimetern der grösste Hühnervogel Europas. Ein ausgewachsener Hahn kann bis zu 4,4 Kilogramm wiegen. In der Natur werden einzelne Tiere über zehn Jahre alt, was allerdings nur gelingt, wenn sie über Jahre hinweg ungestört leben können.

Das Auerhuhn-Weibchen ist deutlich kleiner und leichter als das Männchen und hat ein Tarngefieder. Es ist braun und schwarz gesprenkelt mit einer helleren Unterseite, was eine gute Tarnung am Waldboden ermöglicht. Es ist etwa 60 cm gross und wiegt bis zu 2,5 kg.

Der Lebensraum des Auerhuhns schrumpft seit Jahrzehnten. Hauptursachen sind die zunehmende Verdichtung der Wälder, die Verdrängung von Beerensträuchern und menschliche Störungen. In vielen Gebieten der Alpen, des Juras und auch im Schwarzwald und Vorarlberg sind die Bestände stark eingebrochen.

Verantwortung beginnt vor der Tour

Wer im Winter abseits der Pisten unterwegs ist, trägt Verantwortung. Rücksicht und gute Planung können den Unterschied machen. Wildruhezonen sind keine Einschränkung, sondern eine Einladung, Natur bewusster zu erleben und bedrohte Arten zu schützen. Damit das Auerhuhn auch in Zukunft durch unsere Wälder streifen kann.


BERGWELT ABONNIEREN

Kommentar verfassen