Outdoorkleidung in der Stadt ist in der Schweiz kein Stilbruch, sondern fast schon Grundausstattung. Zwischen Bahnhof, Büro und Bäckerei sehen viele von uns aus, als könnten wir jederzeit eine spontane Bergtour starten. Warum das so ist, erklärt dieser Blogbeitrag.
Wer morgens durch eine Schweizer Stadt läuft, begegnet neben Pendlern in Jeans, Deux pièces oder Anzug oft auch Menschen, die gefühlt aussehen wie eine alpine Einsatzgruppe. Daunenjacken, Wanderschuhe, Fleece und Rucksäcke gehören hier zum urbanen Strassenbild – auch wenn der höchste Punkt des Tages nur das Büro im vierten Stock ist.
«Gorpcore» zwischen Büro und Café
Natürlich spielt bei vielen die Mode eine Rolle. Der internationale Trend rund um Funktionskleidung, «Gorpcore» genannt, hat die Outdoorästhetik salonfähig gemacht. Was früher klar nach Berg aussah, gilt heute als urban, minimalistisch und «clean». Die technisch ausgeklügelte Hardshell wird nicht mehr nur im Sturm getragen, sondern auch beim Cappuccino in der Bar. Gore-Tex für den Grossstadtdschungel, mit sehr geringer Niederschlagswahrscheinlichkeit.
Für mich und viele andere ist Outdoorkleidung in der Stadt aber kein Fashion-Statement. Sie ist schlicht pragmatisch. Das Wetter hier ist wechselhaft und Wege werden oft zu Fuss oder mit dem Velo zurückgelegt. Was liegt da näher, als Funktionskleidung zu tragen, die bequem, robust und praktisch ist. Wer einmal trocken durch einen überraschenden Regenschauer gekommen ist, diskutiert nicht mehr über Stilfragen.
Und ein nicht zu unterschätzender Faktor ist auch der Preis. Gute Outdoorbekleidung ist meist ziemlich teuer. Sich gute Outdoorkleider und gleichzeitig eine anständige Stadtgarderobe zuzulegen, kann in der Schweiz schnell ins Geld gehen.
Die Berge sind nie weit weg
Einfluss hat sicherlich auch die ständige Nähe zur Natur. Nach der Arbeit noch schnell auf einen Hügel oder am Wochenende spontan auf eine Bergwanderung, wenn das Wetter passt? Kein Problem in einem Land, in dem fast drei Viertel der Landesfläche zum Berggebiet gehört. Wir wählen Kleidung hier eher nach Funktion als nach Anlass.
Outdoorkleidung geniesst daher in der Schweiz eine hohe Akzeptanz. Hier wirkt niemand deplatziert, wenn er mit Wanderschuhen im Bus sitzt oder mit einer Softshelljacke ins Restaurant geht. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Komplett im Outdoor-Partnerlook gekleidete Paare wirken auch bei uns immer etwas seltsam. Und zwar unabhängig davon, ob man sie in der Stadt oder in den Bergen antrifft. 😉
Kurzum: Viele Menschen hier sind mental immer ein bisschen auf Stand-by für die nächste Wanderung oder Bergtour. Selbst wenn der aktuelle Plan nur «Einkaufen» lautet, bleibt die Option «danach direkt weiter in die Höhe» theoretisch offen. Man weiss ja nie, wann sich spontan ein Zeitfenster oder ein Sonnenfenster öffnet. Und dann wäre es blöd, zuerst nach Hause gehen zu müssen, um sich umzuziehen.
Was für Kleider trägst du im Alltag und warum? Schreibe es in die Kommentare!


Outdoorbekleidung trage ich täglich, weil immer mit dem Velo unterwegs, egal wie das Wetter sich zeigt. Diese ist sehr wettertauglich und enorm praktisch. Sieht gut aus und fühle mich einfach wohl darin. Auch diese Art von Bekleidung kann durchaus mit einigem Rabatt erstanden werden und hat je nach Marke auch eine überdurchschnittliche Lebensdauer. Also so teuer ist dies dann gar nicht, im Gegenteil.
Ja, die Lebensdauer gewisser Produkte ist oft überraschend lang. Zu meinen ältesten Kleidungsstücken gehört ein fast 20-jährigen Mammut-Midlayer.