Wenn sich Kühe und Wanderer begegnen

Immer wieder kommt es auf Wanderwegen zu unschönen Begegnungen zwischen Wanderern und Mutterkühen, Stieren oder Hütehunden. Leider werden dabei auch regelmässig Menschen verletzt oder sogar getötet. Mit ein Grund dafür, dass Mutterkühe auf Menschen losgehen können Hunde sein, die die Wanderer begleiten.   

Für Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft BUL ist die zentrale Frage in einem solchen Fall, ob der Hund angeleint war oder nicht. Denn: Freilaufende Hunde würden von Rindern schneller als Bedrohung wahrgenommen, wie er 2012 nach einem Kuh-Angriff im Wallis gegenüber der Tageszeitung Blick sagte. Insbesondere Mutterkühe und Stiere reagieren auf freilaufende Hunde aggressiv, weil sie ihre Kälber beschützen wollen, bzw. der Stier Wanderer und Hunde als Nebenbuhler sieht. Aber auch Biker, die kurz vor den Wanderern an der Herde vorbeigefahren sein könnten, könnten gemäss Feldmann das aggressive Verhalten ausgelöst haben.

Die BUL empfiehlt folgendes Verhalten, wenn sich Mensch und Rindviech auf einer Weide begegnen:

  1. Distanz halten: Möglichst auf dem Wanderweg bleiben und mindestens 20 Meter Abstand zu den Kühen bewahren. Stehen diese auf dem Wanderweg: lieber um sie herumgehen als mitten durch die Herde.
  2. Hunde an der Leine führen: Wenn sie in die Herde stürmen, werden Hunde angegriffen – denn Kühe und Stiere nehmen sie als besondere Bedrohung wahr. Nur wenn die Kühe den angeleinten Hund angreifen, muss er freigelassen werden. Sonst würde auch der Halter Gefahr laufen, auf die Hörner genommen zu werden.
  3. Sich ruhig verhalten: Nie mit Armen oder Stöcken herumfuchteln oder Lärm machen. Den Tieren nicht direkt in die Augen schauen und ihnen nicht den Rücken zukehren – auch wenn sie sich nähern.
  4. Nie die Nähe zu Kälbern suchen: Mutterkühe und die Herde werten das als Bedrohung für den Nachwuchs. Auch erwachsene Tiere nicht berühren oder streicheln.
  5. Drohgebärden der Kühe ernst nehmen: Ein Senken des Kopfs, Scharren und Brüllen sind klare Alarmsignale. Ruhe bewahren und langsam die Weide verlassen. Schnelle Bewegungen und Schreie wirken auf die Kühe bedrohlich.

„Ob Mensch oder Hund, für Kühe sind Lebewesen, die die Augen vorne und nicht seitlich haben, grundsätzlich Raubtiere und Feinde“, sagt Christian Manser, Agrarwissenschaftler und Leiter Fachstelle Rindvieh am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen in der Sonntagszeitung vom 7. September 2014. Stehe das Kalb auf der Weide neben der Mutter, drohe kaum Gefahr. Kritisch werde es, wenn ein Mensch zwischen Kalb und Mutter gerät, so Manser weiter. Übrigens: Legt eine Kuh die Ohren an heisst das nicht etwa, dass sie böse ist und/oder angreifen wird, sondern, dass sie neugierig ist. Kühe haben einen Blickwinkel von rund 300 Grad. Insbesondere, wenn sie den Kopf nach unten halten. Zudem sehen sie in der Nacht besser als der Mensch.

Was aber tun, wenn die Kuh trotz aller Vorsichtsmassnahmen angreift? Wenn möglich sollte man in einem solchen Fall die Weide schnellstmöglich verlassen, um den Tieren ihr Hoheitsgebiet wieder zu überlassen. Ist eine rasche Flucht nicht möglich, hilft manchmal auch ein Schlag mit einem Stock auf die Nase der Kuh. Allerdings funktioniert das nicht zwingend und das Tier sollte durch den Schlag natürlich nicht verletzt werden.

Mit den Wölfen und Bären kamen auch die Hirtenhunde

Seit sich Wolf und Bär in der Schweiz wieder ansiedeln, kommt es auch immer wieder zu Begegnungen mit Hüte- oder Hirtenhunden. Insbesondere in Graubünden und im Wallis bin ich schon öfters solchen Hunden mit „ihren“ Schafherden begegnet. Das Aufeinandertreffen verlief aber immer friedlich. Wie man sich gegenüber Herdenschutzhunden verhält, zeigt das Video des Vereins Herdenschutz Schweiz.


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