Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Reisebeschränkungen haben in der Schweiz zu einem regelrechten Wander-Hype geführt. Einige Bergregionen wurden vor allem im Frühling zeitweise regelrecht überrant. Doch auch ohne Corona treibt es immer mehr Menschen in die Berge. Gemäss der Studie «Sport Schweiz 2020» wandern fast 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer regelmässig – rund 13 Prozent mehr als bei der letzten Erhebung vor sechs Jahren. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort.

Im Schnitt wandern Herr und Frau Schweizer aktuell etwa 15 Tage pro Jahr. Das Durchschnittsalter der Wanderer liegt bei 50 Jahren. Mit 53 Prozent sind gemäss Studie etwas mehr Frauen wandernd unterwegs als Männer. Fast elf Prozent der Wanderer gaben bei der Befragung an, dass sie Wandern als Hauptsportart ausüben würden.

Für die Gesundheit und die Fitness

Die Gründe, warum Menschen in der Schweiz Wandern bzw. Sport treiben sind natürlich unterschiedlich. Nachfolgend die zehn meistgenannten Gründe auf die Frage: «Warum treiben Sie Sport?». Für mich sind es beim Bergwandern übrigens vor allem die Punkte 3., 4. und 5.

trifft voll zutrifft eher zu
1.für meine Gesundheit68%23%
2.um fit zu sein60%28%
3.um draussen in der Natur zu sein55%29%
4.aus Freude an der Bewegung50%24%
5.um mich zu entspannen38%31%
6.um Stress abzubauen29%26%
7.wegen meiner Figur25%27%
8.um Freunde/Bekannte zu treffen17%20%
9.um etwas in der Gruppe zu unternehmen12%17%
10.um sportliche Ziele zu erreichen11%14%

(In der Studie wurde nicht explizit nach den Gründen für das Wandern gefragt. Es ist allerdings anzunehmen, dass der überwiegende Teil der Beweggründe auch auf diese Sportart zutrifft.)

Motive: Männer werden im Alter offenbar eitler

Je nach Alter und Geschlecht variieren die Motive um Sport zu treiben beträchtlich. Das Naturerlebnis wird bis zum Alter von 45 Jahren immer wichtiger und bleibt danach konstant hoch, während Entspannung/Stressabbau nach 55 Jahren deutlich an Wichtigkeit einbüsst. Figur & Aussehen erreicht bei Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren den Höchstwert und verliert dann kontinuierlich an Wichtigkeit. Im Pensionsalter ist dieses Motiv dann für die Männer erstmals wichtiger als für die Frauen. Gesundheit & Fitness sowie die Freude an der Bewegung erreichen hingegen auch deshalb so hohe Werte, weil sie in allen Altersgruppen sowohl bei Männern als auch bei Frauen sehr wichtige Motive darstellen.

Kontakt/Geselligkeit, Risiko/Herausforderung und Wettkampf/Leistung werden in jungen Jahren am höchsten bewertet und verlieren danach etwas an Wichtigkeit. Bemerkenswert ist, dass Risiko/Herausforderung sowie bei den Männern auch Wettkampf/Leistung im höheren Alter wieder als etwas wichtiger eingestuft werden. Wettkampf/Leistung wird in allen Altersgruppen von den Männern höher bewertet als von den Frauen.

Beim Alter und Geschlecht lohnt es sich, noch etwas genauer hinzuschauen: Wandern ist auch deshalb so populär, weil es in allen Altersgruppen sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern zu den am häufigsten ausgeübten Sportarten gehört. Obwohl in der zweiten Lebenshälfte noch etwas mehr gewandert wird, konnte Wandern in den vergangenen sechs Jahren vor allem auch die jüngeren Altersgruppen begeistern.

Wanderneulinge und Abfallberge

Besonders während des Lockdowns trieb es viele Wanderneulinge oder wenig erfahrene Wanderer in die Berge, teils mit unschönen Folgen. So türmten sich beispielsweise an gewissen Stellen im Alpstein Abfallberge, die ich diesem Ausmass noch nie gesehen habe. Das Bild wurde im Juni 2020 am Seealpsee aufgenommen.

Vor allem die Wanderneulinge sind meistens ziemlich leicht zu erkennen – oft an ihrem Schuhwerk. Entweder etwas zu viel des Guten, oder dann viel zu wenig. Wenn, dann aber lieber zu viel. Aber meistens ist es leider genau andersrum. Ich glaube, ich habe schon ziemlich alles gesehen in den Bergen. Von Leuten in Lederhalbschuhen auf einer weiss-blauen Tour über Typen in ausgelatschten Turnschuhen auf Schneefeldern und sogar Flip-Flop- und Crock-Träger auf einem rot-weissen Bergwanderweg. Im Frühling kam mir auf dem Weg zur Meglisalp sogar mal einer barfuss entgegen. Kann man machen, sollte man aber nicht, wenn man nicht zu den 29’000 Personen gehören will, die pro Jahr in der Schweiz in den Bergen verunfallen. Aktuelle Zahlen zum laufenden Jahr liegen noch nicht vor. Der Höchstwert der vergangenen Jahre wurde 2017 mit 33’000 Verunfallten registriert.

Persönlich habe ich allerdings nicht das Gefühl, dass ich in diesem Jahr bislang häufiger von verunfallen Wanderern gelesen oder gehört hätte. Allerdings steht der Herbst noch bevor – und der ist ja bekanntlich die schönste Jahreszeit für Bergwanderungen. Und da das Reisen vermutlich auch im Herbst nicht ganz so einfach sein wird, dürfte es viele Schweizer auch in den Herbstferien wieder in die Schweizer Berge ziehen.

Tipps für Wanderneulinge findest du in einem aktuellen Video von «Schweizer Wanderwege».


Umfrage

3 Kommentare zu „Die Schweiz im Wander-Hype

  1. Lieber Patrick ganz besonders freue ich mich über junge Familien, die unterwegs sind und die Kinder mit Begeisterung die Welt entdecken. Inzwischen habe ich immer einen Plastikbeutel dabei und sammle Müll ein und da werde ich ausgesprochen wütend😡. Nichtsdestotrotz- die Natur schenkt mir so viel, um den Mengen zu entdecken bleibt mir nichts anderes, als anspruchsvollere Wege zu gehen. Schauen wir mal, wohin die Entwicklung uns führt….liebe Grüsse

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    1. Liebe Erika

      Nachwuchs, der sich für die Natur interessiert und sie schätzt ist natürlich immer zu begrüssen. Das Abfallproblem hat sich – zumindest bei uns im Alpstein – nach dem Lockdown grösstenteils erledigt. Es lag wohl vor allem daran, dass in dieser Zeit viele Menschen unterwegs waren, die normalerweise in der Stadt Party machen und es gewohnt sind, ihren Abfall dort auf den Strassen zu verteilen.😉 Ich bin auch gespannt, wie sich das in den nächsten Jahren entwickeln wird. Ausweichrouten gibt’s ja zum Glück genug.😃

      Liebe Grüsse aus St.Gallen

      Gefällt 1 Person

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