Bist du bereit für deinen Besuch in der Schweiz?

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Vielleicht verbringt ja jemand von euch die Sommerferien in den Schweizer Bergen und vielleicht ist ja jemand von euch das erste Mal in der Schweiz unterwegs. Deshalb hier ein paar (nicht immer ganz ernst gemeinte) Infos und Tipps für das „richtige Verhalten“ in unseren Alpen und für den Umgang mit dem Homo Helveticus.

Berge

Die Schweiz besteht zu rund 70 Prozent aus Bergen. 48 davon sind 4000er, 1161 sind über 3000 Meter hoch und von den 2000ern haben wir 2131 Stück. Was niedriger ist als 2000 Meter wird bei uns deshalb in der Regel nicht als Berg angesehen, sondern als Hügel oder leichte Erhebung.

Die 10 höchsten Berge in der Schweiz:

  1. Dufourspitze | 4634 m ü. M. (Wallis)
  2. Dom | 4545 m ü. M. (Wallis)
  3. Liskamm | 4527 m ü. M. (Wallis)
  4. Weisshorn | 4505 m ü. M. (Wallis)
  5. Matterhorn | 4478 m ü. M. (Wallis/Italien)
  6. Dent Blanche | 4357 m ü. M. (Wallis)
  7. Grand Combin | 4314 m ü. M. (Wallis)
  8. Finsteraarhorn | 4274 m ü. M. (Bern/Wallis)
  9. Zinalrorhorn | 4221 m ü. M. (Wallis)
  10. Alphubel | 4206 m ü. M. (Wallis)

Wanderwege

Wandern ist die beliebteste Freizeit- und Sportaktivität in der Schweiz. Das erklärt übrigens auch, weshalb man uns auch in der Stadt oft mit Outdoorklamotten antrifft. Wir wollen jederzeit parat sein für eine spontane Wanderung. Fast 80 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung ist regelmässig wandernd unterwegs. Regelmässig bedeutet rund 20 Wanderungen pro Jahr mit einer durchschnittlichen Gehzeit von 3 Stunden. Dafür stehen uns rund 70’000 Kilometer Wanderwege zur Verfügung, davon sind etwa 22’000 Kilometer Bergwanderwege. Zum Vergleich: das schweizerische Strassennetz ist nur etwas über 71’000 Kilometer lang. Auf unser gut unterhaltenes Wanderwegnetz sind wir so stolz, dass wir es sogar durch die Verfassung und ein entsprechendes Gesetz haben schützen lassen. Das ist einzigartig auf der Welt.

Wander- und Landkarten

Ein Land mit so vielen hohen Bergen und gesetzlich geschützten Wanderwegen braucht natürlich auch gutes Kartenmaterial. Wer schon mal eine Wander- oder Landkarte unseres Bundesamts für Landestopografie, kurz swisstopo in den Händen hatte, weiss, dass es weltweit kaum präziseres Kartenmaterial gibt. In Papierform kosten sie pro Stück zwischen 20 und 30 Franken. Zum Glück gibt es das Kartenmaterial unterdessen aber auch online, wo man es kostenlos ausdrucken kann: map.geo.admin.ch

Turnschuh-Touristen

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu hat festgestellt, dass rund die Hälfte der Wanderer den Unterschied zwischen einem gelb markierten Wanderweg und einem weiss-rot-weissen Bergwanderweg nicht kennt. Das erklärt auch, weshalb in der Schweiz Wandern die Sportart mit den meisten tödlichen Unfällen ist. Ich sehe auf Bergwegen leider auch regelmässig Leute, die in Turnschuhen in der Flora herumstolpern. Oft sind es Touristen. Deshalb hier für alle, die sie noch nicht kennen, die offiziellen Schwierigkeitsgrade unserer Wander- und Bergwege:

T1 (gelb): in Turnschuhen begehbar. Keine ­Absturzgefahr.

T2 und T3 (weiss-rot-weiss):
 zum Teil steil und (bei T3) nicht durchgehend sichtbar. Exponierte Stellen mit Absturzgefahr. Trittsicherheit, Wanderschuhe, Orientierungsvermögen und bei T3 alpine Erfahrung nötig.

T4 bis T6 (weiss-blau-weiss):
 Teilweise oder bei T6 kaum Wegspuren oder Markierung, exponiertes Gelände mit Gletscher und Firn. Ab T5 Kletterstellen. Sehr gutes Orientierungsvermögen und grosse Alpin­erfahrung ­nötig.

Grüezi

In der Schweiz gilt das ungeschriebene Gesetzt, dass man sich auf unbefestigten Wegen grüsst. Das ist zwar eine schöne Sitte, sie kann aber manchmal auch etwas nerven. Insbesondere dann, wenn man alleine oder zu zweit, unter Umständen vom Aufstieg noch etwas ausser Puste, auf eine grössere Gruppe im Abstieg trifft, und jeder der grossen Gruppe sich verpflichtet fühlt, euch oder dich zu grüssen. Es wird euch niemand den Kopf abreissen, wenn ihr nicht jeden einzeln zurück grüsst. Ein „Grüezi mitenand“ am Anfang und in der Mitte der Gruppe reicht vollkommen. Und wer dem, zugegeben manchmal etwas arg kehligen Schweizer Dialekt nicht mächtig ist, kommt natürlich auch mit einem einfachen „Hallo zusammen“ durch.

Apfelmus zu Pasta

In Berghütten ist das Essen bekanntlich einfach, aber dennoch gut und nahrhaft. Das ist natürlich auch in der Schweiz so. Neben Rösti, Fondue und Raclette werdet ihr vielleicht auch einmal auf ein anderes, in der Schweiz sehr beliebtes Essen stossen: „Gehacktes mit Hörnli und Apfelmus“. Klingt in manch einem Ohr vielleicht jetzt etwas seltsam – und sieht für diejenigen dann auf dem Teller vermutlich ebenso aus. Es handelt sich dabei um Hackfleisch mit Sauce, Hörnchen und eben: Apfelmus. Einigen meiner deutschen Kollegen stellen sich heute noch die Nackenhaare auf, wenn sie an die Kombination von Pasta und Apfelmus denken, obwohl sie schon Jahre in der Schweiz leben. Es ist aber wirklich lecker. Und oft gibt’s auch noch Röstzwiebeln dazu. Apfelmus passt übrigens auch super zu einem weiteren typischen Schweizer Berg-Gericht: „Älplermagronen“.

Preise

Wenn der Bergwirt das Gehackte mit Hörnli einkassieren kommt, ist es nicht nötig, sich überschwänglich über die hohen Preise in der Schweiz auszulassen. Ja, es ist teuer. Aber das wissen wir selber auch und finden es auch nicht so toll. Aber gerade in Hütten sollte man immer daran denken, dass die Lebensmittelt dort hinauf transportiert werden müssen und diese Transporte auch nicht gerade günstig sind. Vor allem, wenn das Material mit einem Helikopter in die Hütte gebracht werden muss.

Sprachen I

In den Bergregionen der Schweiz sind alle unsere Landessprachen vertreten: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Am vielfältigsten ist der Kanton Graubünden, in dem mit Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch gleich drei davon gesprochen werden. In den westlichen Regionen (Bern, Wallis) wird teilweise oder komplett Französisch gesprochen, im Süden (Tessin, Graubünden) Italienisch und im Rest Deutsch. Und um hier gleich mal noch einen weit verbreiteten Mythos zu zerstören: wir Schweizer sprechen nicht alle vier Landessprachen. Die meisten in der Regel zwei davon.

Sprachen II

Wenn ein Deutschschweizer für euch einigermassen verständlich spricht, dann spricht er vermutlich nicht Schweizerdeutsch, sondern Deutsch – oder etwas, was dem für ihn relativ nahe kommt. Oder für die Älteren unter euch: so wie Emil spricht. Wir nennen das übrigens Schriftsprache oder Hochdeutsch. Das, was ihr in der Regel dann nicht mehr versteht, DAS ist Schweizerdeutsch.

Engländer

Wir geben es nicht sonderlich gerne zu: aber das Bergsteigen in der Schweiz haben nicht wir erfunden. Es waren die Engländer. Zwischen 1850 und 1865 waren mehrheitlich Briten an den Erstbesteigungen vieler unserer Gipfel beteiligt. Rudolf Theodor Simler, Unternehmersohn und Dozent für Chemie und Mineralogie an der Universität Bern wollte „dem Treiben“ etwas Einhalt gebieten und gründete deshalb am 19. April 1863 im Bahnhofbuffet Olten, zusammen mit weiteren Bergsportinteressierten, den Schweizer Alpen-Club SAC.

Volg

Unsere grossen zwei Schweizer Discounter sind Migros und Coop. In ländlichen Gebieten und den abgelegenen Bergregionen, wo es keine oder nur wenige der beiden Grossen gibt, kauft man meistens im Volg ein. Der Name des Unternehmens ist aus dem Akronym für den Verband Ostschweizerischer Landwirtschaftlicher Genossenschaften entstanden. Das Sortiment der Läden hält sich zwar in Grenzen, es bietet aber alles, was man für den täglichen Bedarf benötigt und genügend Frischwaren für einen gesunden Wandersnack.

Postautos

In meiner Jugendzeit kannte jedes Kind den Spruch „Tü-ta-too – Post-au-too!“ Er entstand in Anlehnung an das markante Klanghorn der Fahrzeuge. Diese Postautos gibt es natürlich auch heute noch und sie bringen euch auch in die letzte Ecke unserer Bergregionen – egal, wie steil und eng die Strasse dorthin auch sein mag. Und da die Fahrer die Strecken meist auch im Schlaf fahren könnten, sind sie zuweilen auch entsprechend flott unterwegs. Das kann, wenn man es sich nicht gewohnt ist, schon mal zu ein paar Schweissperlen auf der Stirn führen. Übrigens: Wenn wir Schweizer von „posten“ sprechen, dann hat das nichts mit Postautos oder der Post zu tun. „Posten“ bedeutet bei uns „einkaufen“ (siehe auch Sprachen II).

Foto: Post AG
Foto: Die Post

2 Gedanken zu “Bist du bereit für deinen Besuch in der Schweiz?

  1. Hoi Patrick, als ursprünglich „Dütsche“ und inzwischen Schweizerin musste schmunzeln beim Lesen Deines Artikels…wobei Du natürlich in echt guter, zurückhaltender Schweizer Manier sehr anständig umgegangen bist mit den Eigenheiten der „Touristen“ und der „Einheimischen Bergler“. Aber diese Diplomatie ist ja eben auch das, was die Schweiz(er) ausmacht und was auch ich so sehr schätze an diesem wunderbaren Land und seinen Menschen…Einen schönen Blog hast Du, den ich garantiert immer mal wieder besuchen werde. Herzliche Grüsse aus Gais (ja, das ist auch in der Nähe des Alpsteins;-) und stets nurMut ;-) Petra & ihr Berg-Rudel

    1. Patrick

      Zum schmunzeln ist er auch gedacht. Und Danke für die Blumen. 😊 Herzliche Grüsse zurück – derzeit aus Tirol.

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